Anlagezertifikate
Bear Stearns verschiebt Preisstellung bei Zertifikaten

Die Krise der Investmentbank Bear Stearns geht auch an deutschen Zertifikate-Anlegern nicht spurlos vorbei. Für die gut 300 Zertifikate und Hebelprodukte, die die Bank in Deutschland zum Verkauf anbietet, werden seit heute morgen keine Preise gestellt.

FRANKFURT. Dadurch entfällt für Anleger nicht nur der Direkthandel mit dem Emittenten, auch die Börsen können zurzeit keinen Handel mit Bear-Stearns-Zertifikaten anbieten, wie die Handelsüberwachungsstelle der Frankfurter Börse bestätigt. Bereits am Freitag war der Handel mit Bear-Stearns-Zertifikaten kurzfristig ausgesetzt worden.

Ernsthafte Folgen für ihre Zertifikate müssen Anleger langfristig aber wohl nicht fürchten. Zwar sind Zertifikate rechtlich Inhaberschuldverschreibungen, aber da Bear Stearns nicht in die Insolvenz geht, sondern vom Konkurrenten JP Morgan übernommen wird, spricht alles dafür, dass die Papiere unter dem Dach von JP Morgan weitergeführt werden. Einen offiziellen Kommentar zu dem Vorgang lehnen die Banken bisher jedoch ab.

Bear Stearns war im vergangenen Jahr als eine der bisher letzten Banken mit eigenen Produkten an den deutschen Zertifikatemarkt gegangen. Der Marktanteil der Bank bewegt sich aber deutlich unter einem Prozent. Branchenvertreter fürchten daher auch keinen dauerhaften Imageschaden für den Zertifikatemarkt: „Zunächst mal ist es gut, dass eine Pleite von Bear Stearns verhindert wurde, das hätte sicherlich am Vertrauen in Zertifikate gekratzt“, sagt ein Emittentenvertreter. „Aber es ist auch noch etwas ganz anderes, ob ein kleiner Player in Schwierigkeiten gerät oder ein großes Haus wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank.“

Bei Bear Stearns selbst geht man davon aus, dass der Zertifikate-Handel im Laufe des Tages wieder aufgenommen werden kann. „Wir überprüfen im Moment, wie sich das veränderte Bonitätsrisiko nach der Übernahme auf die Preise unserer Zertifikate auswirkt“, sagt ein Derivate-Experte der Bank. „Sobald wir alle relevanten Informationen haben, werden wir auch wieder in der Lage sein, Preise zu stellen.“

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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