Anlagezertifikate
Bei Zertifikaten aufs Aufgeld achten

Zunehmend ist am Zertifikatemarkt eine Tendenz zu Aufgeldern in nicht mehr nachvollziehbarer Höhe zu beobachten. Speziell bei Bonus-Zertifikaten kann Aufgeld das Chance-Risiko-Profil komplett verändern.

HB DÜSSELDORF. Aufgelder - also Preisaufschläge im Vergleich zum Kurs des Basiswerts - sind selbst bei neu emittierten Anlagezertifikaten nicht grundsätzlich anzuprangern. Neben den Dividenden oder Zinserträgen bieten sie Emittenten ein Instrument zur Gegenfinanzierung von Teilschutz- und Bonusmechanismen oder Kosten für die Währungsabsicherung bei Quanto-Produkten. Hohe Aufgelder bei Bonus-Produkten führen aber auch dazu, dass ein stark verzerrtes Chance-Risiko-Profil entsteht.

Ein besonders drastisches Beispiel liefert ein Mitte Januar emittiertes Reverse Bonus-Zertifikat auf das führende US-Kreditkartenunternehmen American Express (WKN: AA0R3D). Das währungsgesicherte Papier von ABN Amro mit vierzehnmonatiger Laufzeit wurde am ersten Handelstag mit einem Aufgeld von mehr als 20 Prozent auf den Markt gebracht.

„Die Marktgegebenheiten haben sich im Zeitraum zwischen Pricing und Emission extrem ungünstig entwickelt. Dass wir das Produkt trotz des hohen, aber unvermeidlichen Aufgeldes auf den Markt gebracht haben, lag auch an einem institutionellen Kunden, der auf die Emission bestanden hat", sagt Funda Tarhan, Zertifikate-Expertin von ABN Amro.

Durch das üppige Aufgeld hat sich das Chance-Risiko-Verhältnis des Zertifikats derart verschlechtert, das eine Investition in das Papier nicht sinnvoll ist. Dabei hätte das erste Reverse-Bonus-Zertifikat auf Amex mit einem angemesseneren Pricing durchaus Charme gehabt.

Denn Reverse-Papiere eignen sich für Pessimisten, die teilgeschützt auf eher fallende Kurse setzen möchten. Obwohl die Aktie von American Express seit Juni 2007 bereits rund 30 Prozent ihres Wertes verloren hat und nun bei rund 45 Dollar steht, ist die Aussicht auf weiter sinkende Kurse gar nicht schlecht: Aufgrund der sich abkühlenden US-Konjunktur rechnen Analystenhäuser mit sinkenden Ausgaben von Kreditkartenkunden und drohenden Zahlungsausfällen. So hat die UBS erst vergangene Woche ihr Kursziel für American Express gesenkt und zum Verkauf der Aktie geraten. Eine Rendite von mehr als 5,5 Prozent p.a. werden Käufer des Zertifikats der Niederländer wegen des hohen Aufgeldes dennoch schwer erreichen.

Allein aufgrund dieses Aufgeldes steht damit einer wahrscheinlichen Rendite knapp über Festgeldniveau ein Risiko gegenüber, das bis zum Totalverlust reichen kann. Die 5,5 Prozent jährlich sind die Bonusrendite, die das Papier erzielt, wenn die Absicherungsbarriere nicht gerissen wird (bei 58 Dollar, also Sicherheitspuffer von rund 29 Prozent). Diese Schwelle liegt bei Reverse-Bonus-Zertifikaten zum Emissionszeitpunkt über – nicht wie bei normalen Bonus- Papieren unter – dem Referenzkurs des Basiswerts. Eine höhere Rendite wird erst erzielt, wenn der Basiswertzum Laufzeitende mindestens weitere 30 Prozent nachgibt.

Denn Reverse-Bonus-Zertifikate reagieren auf Kursbewegungen des Basiswerts in die entgegengesetzte Richtung. Das üppige Aufgeld bedeutet aber auch: Steigt die Aktie bis Mitte März 2009 mindestens einmal über das Absicherungsniveau, verwandelt das Zertifikat zum Laufzeitende nicht nur Kursgewinne des Basiswertes, die über den anfänglichen Referenzstand von 44,50 Dollar hinaus gehen, proportional in Verluste. Auch das zwanzigprozentige Aufgeld wird in voller Höhe als zusätzliches Minus realisiert.

„Auch wir sind mit den derzeitigen Konditionen des Produktes unzufrieden und werden den Fall zum Anlass nehmen, auf unseren Internetseiten künftig auch Informationen zu Aufgeldern zu veröffentlichen,um unsere Kunden noch transparenter zu informieren", so Funda Tarhan.

Dieser Artikel ist der Ausgabe 04/2008 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Abonnieren Sie die ZertifikateNews und Sie erhalten alle 14 Tage die aktuelle Ausgabe kostenlos in Ihr E-Mail-Postfach geliefert. Zwei Tage, bevor sie zum Download angeboten wird.



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Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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