Anlagezertifikate
Rohstoff-Investitionen ohne Rollverluste

Mehr Rendite bei weniger Risiko im Vergleich zu klassischen Rohstoffinvestments versprechen die Emittenten von Zertifikaten, die auf neuartigen Indizes basieren.

Bei vielen Investoren, die Rohstoffzertifikate gekauft haben, um vom vermeintlichen „Super-Zyklus“ dieser Anlageklasse zu profitieren, ist die anfängliche Euphorie verflogen. Dies gilt nicht nur für Anleger, die in den letzten Wochen beispielsweise auf Gold und Öl gesetzt haben, deren Spotpreise zuletzt deutlich nachgegeben haben. Es sind die Besonderheiten der Commodity-Märkte, die vor allem unerfahrenen Privatanlegern Sorgen bereiten. Sie sind der Grund dafür, dass viele Rohstoff-Zertifikate im Minus liegen, obwohl die Notierungen der zu Grunde liegenden Basiswerte gestiegen sind. Um zu verstehen, wie es zu diesem Phänomen kommen kann, sollten sich Anleger zunächst vor Augen führen, wie man gezielt auf Preissteigerungen von Rohstoffen spekuliert:

Investments erfolgen üblicherweise nicht über den Kauf des Rohstoffs selbst, sondern fast immer über den Kauf von Futures. Denn Transport und Lagerung von Rohstoffen sind in der Regel teuer. Durch den Future-Handel können Anleger diese hohen Transaktionskosten umgehen. Ein Future ist ein standardisierter Terminkontrakt, der zur Lieferung bzw. Abnahme eines bestimmten Basiswertes zu einem bestimmten Preis und einer vorgegebenen Menge und Qualität zu einem vereinbarten zukünftigen Zeitpunkt verpflichtet.

So sichert ein Rohöl-Future-Kontrakt mit Fälligkeit im April 2007 dem Käufer einen festen Preis für eine bestimmte Ölmenge zu, die aber erst in einem halben Jahr geliefert wird. Um die tatsächliche Lieferung des Öls zu vermeiden, wird der Investor den Kontrakt (kurz) vor Fälligkeit wieder verkaufen.

Will er nun aber über einen längeren Zeitraum auf einen Preisanstieg eines bestimmten Rohstoffs setzen, muss er in einen Future-Kontrakt mit späterer Fälligkeit wechseln. Erst durch dieses regelmäßige „Rollen“ können Emittenten beispielsweise Indexzertifikate auf Rohstoff-Futures mit Endlos-Laufzeiten anbieten.

Je nach Preisdifferenz zwischen dem zu verkaufenden und dem zu kaufenden Kontrakt kann der Rollvorgang entweder einen positiven oder einen negativen Effekt für den Investor haben. Wie sich der Rolleffekt auswirkt, hängt also von der jeweiligen Konstellation am Futuresmarkt, der sogenannten Terminkurve der Futures ab. Die Terminkurve beschreibt die Beziehung zwischen Future-Kontrakten mit unterschiedlichen Fälligkeiten und Preisen.

Liegen die Preise der länger laufenden Kontrakte unter denen der früher fällig werdenden, spricht man von einer Backwardation-Situation, in der so genannte Rollerträge erzielt werden.

Umgekehrt, wenn die länger laufenden Kontrakte teurer sind als die vorhergehenden, entsteht eine negative Rollrendite. Diese Konstellation wird Contango genannt.

Mitentscheidend für den Erfolg der Rohstoff-Anlage ist nun, dass der Investor bei gleich bleibender Terminkurve - ohne dass der Spotpreis des Rohstoffs selbst steigt - in einer Backwardation-Situation alleine durch seine Rollerträge eine positive Gesamtrendite erzielen kann. In einer Contango-Situaton wird er dagegen bei stagnierendem Spotpreis systematische Verluste erleiden.

Selbst bei steigenden Spotpreisen können sich Rohstoff-Investments somit als Verlustbringer erweisen, wenn der Rollverlust die positive Spotpreisrendite überkompensiert. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Aktuell ergibt sich beim WTI-Rohöl beim Rollen eines auslaufenden Terminkontraktes in den nächsten eine negative Rollrendite von rund 1,8 Prozent im Monat. Denn die Terminkurve des WTI-Futures befindet sich bis Mitte nächsten Jahres in einer Contango-Situation. Unter der Annahme einer gleich bleibenden Terminkurve bedeutet dies, dass auf Sicht von sechs Monaten ein Rollverlust von rund elf Prozent entsteht. Mit anderen Worten: Der Spotpreis des Rohöls muss im gleichen Zeitraum mindestens um elf Prozent steigen, damit der Käufer keinen Verlust erleidet. Verluste bei entsprechenden Indexzertifikaten sind derzeit quasi vorprogrammiert.

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