Anlagezertifikate
Variozins statt Performance

Ein Aktienkorb soll die marktüblichen Zinsen übertreffen. Aber ist diese Konstruktion auf dem aktuellen Marktniveau überhaupt noch vielversprechend?

Zehn Prozent Zinsen p.a. werden proklamiert! Zwar ist die Chance bei der DZ-Emission Variozins Garant 8/12 (WKN: DZ7WJS) durchaus vorhanden, was zumindest Backtests für das erste Jahr zeigen. Allerdings birgt das Zertifikat die üblichen Haken und Ösen in sich, so dass ab dem zweiten Jahr vielleicht nur noch 4,5 Prozent, danach, bis zur Fälligkeit im Jahr 2012, nur noch 1 Prozent gezahlt werden könnten. Nur zur Orientierung: Aktuell bietet ein Anleiheinvestment oder ein Sparpaket bei der Hausbank eine Rendite von jährlich 3,8 bis 4,5 Prozent ohne Aktienkursrisiko.

Doch mehr zu diesem Zertifikat: Es ist wieder die übliche, so genannte „Worst-of“-Struktur, die hohe Renditen versprechen soll. Eigentlich schon ein wenig absurd: Die Aktie mit der schlechtesten Performance aus einem Korb von hier 20 Blue-Chips soll für die Höhe des möglichen Kupons ausschlaggebend sein. Bei der Betrachtung jeweils am 27. Tag eines Monats, wird für ein Jahr festgelegt, wie hoch der Kupon für das zurückliegende Jahr ist.

Verliert keine der im Korb enthaltenen Aktien an einem der 12 Stichtage mehr als 25 Prozent, so wird ein Kupon in Höhe von 10 Prozent ausgezahlt. Klingt verlockend, noch dazu mit dem Hintergedanken, dass Aktien auf lange Sicht ohnehin steigen (sollten). Wenn allerdings auch nur eine oder zwei der im Basket enthaltenen Aktien an einem der 12 Stichtage im Jahr ihren 25-prozentigen Puffer gegenüber dem Fixing vom 2. August 2006 verletzen, reduziert sich der Kupon schon auf die 4,5 Prozent, die derzeit ohnehin nahezu risikolos am Kapitalmarkt zu verdienen sind.

Schlimmer noch, wenn drei oder mehr Aktien die magische 75 Prozent-Barriere nicht halten können: dann wird lediglich ein Mindestkupon von 1 Prozent ausgezahlt. Neben den Chancen - in Summe sind maximal 60 Prozent Rendite möglich, allerdings keinesfalls steuerfrei - bereitet der Blick in die Vergangenheit Sorgen: Die 75 Prozent-Schwelle ist einfach zu knapp bemessen, wie eine einfache Rückrechnung bis 2001 auf Basis der aktuellen Kurse ergab. Danach rutschten schon innerhalb der ersten 4 Jahre 14 (!) der insgesamt 20 betreffenden Aktien unter ihr Absicherungsniveau. In einem neutralen Szenario kommen wir hierbei auf insgesamt 18,5 Prozent Ausschüttung während der 6 Jahre Laufzeit. Da wären einem die sechs mal 4,5 Prozent - zusammen also 27 Prozent - ohne Aktienrisiko deutlich lieber gewesen.

Die Garantiequote ist auch ein Kapitel für sich: Würde diese nicht bei den vollen 100 Prozent liegen, wären auch höhere Wahrscheinlichkeiten für die Auszahlung der Kupons vorstellbar. Offenbar gibt es aber immer noch Käufer für diese Konstrukte, oder wieso begibt die DZ-Bank sonst diese Produkte als Daueremission?

Dieser Artikel ist der aktuellen Ausgabe der Zertifikatewoche entnommen. Der wöchentlich erscheinende Derivatebrief im PDF-Format kann bestellt werden unter www.zertifikatewoche.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%