Anlegerschützer
Neuer Ärger um Lehman-Zertifikate

Anlegeranwälte kritisieren die Frankfurter Sparkasse. Obwohl das Institut seinen Anlegern die mittlerweile wertlosen Zertifiakte abkauft, ist den Anwälten das nicht Entschädigung genug. Denn die Lehman-Insolvenzquote soll mit 20 Prozent deutlich höher liegen als bisher geschätzt.
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FRANKFURT. Neuer Ärger um die Entschädigung von Lehman-Anlegern: Die Frankfurter Sparkasse soll Zertifikate-Käufern mehr Geld zurückzahlen als bisher zugesagt. Das fordert der Frankfurter Anlegerschutzanwalt Klaus Nieding. Der Anwalt begründet seine Forderung mit einem ihm vorliegenden Gutachten einer deutschen Großbank, in dem von einer Insolvenzquote von 20 Prozent die Rede ist. Das ist rund doppelt so viel wie Experten bisher geschätzt hatten.

Die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) ist bislang das einzige Institut, das allen geschädigten Anlegern den Schaden zumindest teilweise ersetzen will. Das Institut hatte etwa 5 000 Kunden Lehman-Zertifikate verkauft. Ende November bot die Fraspa an, die Papiere für die Hälfte des angelegten Betrags zurück zu kaufen und hat dafür rund 44 Mio. Euro bereit gestellt. Das Angebot gilt bis zum 22. Dezember.

Nicht genug, findet Anwalt Nieding und rechnet vor: Hätte ein Kunde 100 Euro investiert, trüge er jetzt 50 Euro Verlust, 50 Euro gingen auf Kosten der Fraspa. Bekäme das Institut dann aber vom Insolvenzverwalter 20 Euro wieder, machte der Kunde immer noch 50 Euro Miese, die Bank aber nur 30. Er vermutet einen "Informationsvorsprung", den das Institut zu Lasten der Kunden nutzen wolle.

Die Frankfurter Sparkasse wies die Vorwürfe zurück. Niemand kenne derzeit die Insolvenzquote, so ein Sprecher, "auch wir nicht". Die Fraspa böte ihren Kunden weit mehr an als jedes andere Institut.

Vor allem die Citigroup und die Dresdner Bank hatten Privatanlegern Zertifikate der Pleitebank verkauft. Die Citigroup macht allein 473 Mio. Dollar Forderungen aus Zertifikaten beim amerikanischen Insolvenzverwalter geltend. Das meiste sind Kundenforderungen, so ein Sprecher. Entschädigen will sie ihre Anleger aber nur im Härtefall. Dafür hat sie rund 27 Mio. Euro bereit gestellt. Bis Ende November hat sie rund 11 Milionen davon an etwa 2 300 Kunden ausgezahlt. Die besten Aussichten haben jene, die älter sind als 70, kaum weiteres Vermögen habe, eine sichere Geldanlage wünschten und trotzdem einen Großteil Lehman-Zertifikate von der Bank ins Depot gelegt bekamen.

Auch die Commerzbank, die die Dresdner Bank im vergangenen Jahr übernahm, will bislang nur im Einzelfall entschädigen. Angaben darüber, wie vielen Kunden sie Lehman-Zertifikate verkauft hat, will die Bank nicht machen. Allerdings macht sie beim Insolvenzverwalter Forderungen in Höhe von mehr als 800 Mio. Dollar geltend. Nach Schätzungen aus Finanzkreisen dürfte ein großer Teil aber auf Forderungen von Dresdner-Bank-Kunden beruhen.

Insgesamt fordern deutsche Banken mehr als 33 Mrd. Dollar vom Lehman-Insolvenzverwalter. Auch der Insolvenzverwalter der holländischen Tochter, über die die Zertifikate größtenteils vertrieben wurden, will Geld aus der Masse. Wie viel er dann zu verteilen hat, weiß allerdings noch keiner.

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