Anlegezertifikate unter der Lupe
Strategiezertifikate: Mit Spesen viel gewesen

Wie haben sich Strategiezertifikate in den bewegten Märkten der letzten Jahre geschlagen? Ein Praxistest mit einem Dutzend Alleskönnern der Jahrgänge 2000 bis 2006.

Viele Anleger halten es bei ihren Investitionen mit Oscar Wilde. Der erklärte einmal, er habe einen ganz einfachen Geschmack, denn er sei immer nur mit dem besten zufrieden. Der Geschmack der Anleger ist ähnlich einfach: Sie wollen immer im besten Markt investiert sein: In sicheren Zinsanlagen, wenn es an der Börse kracht. Und in Aktien, wenn es bergauf geht.

Seit knapp zehn Jahren schon versuchen die Emittenten von Zertifikaten, dem wenig bescheidenen Wunsch der Anleger mit Strategiezertifikaten Rechnung zu tragen. Ein starker Anstieg der Märkte bis zum Sommer 2007 und eine anschließende, von heftigen Schwankungen begleitete Korrektur um 20 Prozent der wichtigsten Aktienmärkte sind spannende Rahmenbedingungen für einen Test, wie sich die Produkte am Markt schlugen. Wenigen Rohrkrepierern stehen beachtliche Erfolge gegenüber, weil die Zertifikate den Kurseinbruchantizipieren konnten. Neun Strategiezertifikate im Praxistest.

Best Strategy Timing (WKN:788277)

Der Anspruch: Das Derivat der Dresdner Bank soll in fallenden Märkten verzinst im Geldmarkt investiert sein und in steigenden Märkten im Deutschen Aktienindex Dax. Emission im April 2002 zu 100 Euro.

Die Funktionsweise: Maßgeblich für die Entscheidung, ob das Zertifikat in den Dax investiert ist oder in den Geldmarkt ist, ein technischer Indikator des Dax namens MACD. Er berechnet sich aus der Differenz zweier gleitender Durchschnitte und gilt - in Verbindung mit einer Signallinie, die Ein- und Ausstiegssignale liefert - als Trendfolge-Indikator. Aus einem Strauß verschiedener Indikatoren versprach der MACD zum Zeitpunkt der Entwicklung des Zertifikats die größten Chancen, über Markttiming den Dax zu schlagen. Das Ergebnis: Anlegern blieb mit dem "Best Strategy Timing" die kräftige Talfahrt der Jahre 2002 und 2003 nicht erspart. Doch Geduld zahlte sich aus: Anfang Juli notierte das Zertifikat bei 141 Euro und bescherte damit Anlegern eine annualisierte Rendite von 5,8 Prozent pro Jahr. Das ist deutlich mehr als der Dax im gleichen Zeitraum erzielte - er brachte es lediglich auf 2,7 Prozent pro Jahr.

Best Season (WKN: 559282)

Der Anspruch: In starken Börsenmonaten soll das Zertifikat von ABN Amro in den Dax investiert sein, in den schwachen ausdemMarkt heraus sein. Emission imNovember 2000 zu 71,28 Euro.

Die Funktionsweise: Das Zertifikat folgt eins zu eins dem Deutschen Aktienindex Dax und berücksichtigt damit auch als Performance-Index alle Dividendenausschüttungen der Dax-Mitglieder. Zwischen den historisch schwachen Börsenmonaten August und Oktober setzt das Zertifikat die Dax-Investition schlicht aus, der letzte Indexstand Ende Juli wird bis zur erneuten Investition imNovember eingefroren. Das Ergebnis: Bis heute erzielte der Oldie unter den Strategie-Zertifikaten eine Rendite von im Schnitt einem Prozent pro Jahr. Dies mutet mager an, relativiert sich doch mit Blick auf den Dax, der seit November 2000 knapp zwei Prozent pro Jahr abgab.

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