Ansprüche der Kunden wachsen
Derivate schaffen Werte

Ausblicke auf die Zukunft der Derivate-Industrie waren zu keiner Zeit einfach - zumindest nicht, wenn sie einer nachträglichen Validierung einigermaßen standhalten sollten.

HB. Dies trifft auf die Entwicklung der Geschäftsvolumen genau so zu wie auf die Trends und Entwicklungen der Derivate-Industrie. Noch vor fünf Jahren hätten es nur Wenige für wahrscheinlich gehalten, dass die führenden internationalen Derivate-Börsen heute selbst börsennotiert oder Teil notierter Unternehmensgruppen sein würden.

Traditionelle Erfolgsfaktoren wichtig

Die mit der Börsennotierung untrennbar verbundene Wachstums- und Gewinnorientierung hat für Derivate-Börsen dieselben Erfolgsfaktoren in den Vordergrund gerückt, die dem Markt schon von traditionellen Finanzdienstleistern her vertraut sind. Nämlich forcierte Kunden- und Serviceorientierung, Qualität und Geschwindigkeit der Produktinnovation und exzellentes Risikomanagement.

Diese Erfolgsfaktoren überlagern omnipräsent die erwarteten Trends, die zunehmend die Industrie bestimmen werden: die Gestaltung von Symbiosen zwischen börslichen und außerbörslichen Märkten, die Entwicklung von Derivate-Börsen zu globalen Dienstleistern im Risikomanagement und die Einbeziehung komplementärer Produkte in die Derivate-Wertschöpfungskette.

Die in der Vergangenheit oft als antagonistisch wahrgenommene Beziehung zu außerbörslichen Märkten werden von den erfolgreichsten Derivate-Börsen als substantielles Potenzial für sich gegenseitig symbiotisch stimulierende Geschäftsentwicklungen genutzt: Terminbörsen stellen die hoch standardisierten Bausteine für Finanzprodukte extrem kostengünstig und liquide zur Verfügung. Finanzdienstleister bündeln und individualisieren diese Bausteine in ihrer "Produktion" mit weiteren Dienstleistungen und die Gesamtproduktumsätze steigen zu Konditionen, die für die Kunden noch attraktiver sind.

"Risk Manager to the world"

Dieses Wachstum wiederum führt zu weiteren Umsatzsteigerungen der Börsen. Deren Erfolg wird davon abhängen, wie sie ihr Produkt- und Marktkonzept auf diese Symbiose hin optimieren. Dies schließt auch ein, dass produktspezifisch kalibrierte Funktionalitäten für Blocktrades (große Transaktionen) und den Handel von Volatilitäten (das Ausmaß der Kursfluktuationen) zur Verfügung gestellt werden. Dies können vollelektronische Börsen mit Blick auf den Kundennutzen wesentlich konsequenter und balancierter umsetzen, als US-Präsenzbörsen dies mit Rücksicht auf die Lobby ihrer Parketthändler bisher getan haben.

Zwischen den internationalen Derivate-Börsen - von Analysten in jüngster Zeit als "risk Manager to the world" charakterisiert - verschärft sich der Wettbewerb im Markt international integrierter Dienstleistungen für eine weltweit zunehmend vernetzte Finanzindustrie.

Dies trifft zum einen auf die Produktentwicklung zu, wo zum Beispiel neue pan-Europäische Aktienindexprodukte entscheidenden Anteil am Erfolg der Terminbörse Euroex haben. Sie erlauben einen äußerst kostengünstigen Aufbau Euroopäischer Aktienindexpositionen (0,3 Euro für einen zugrunde liegenden Aktienkorb im Wert von 26 000 Euro). Etwa 25 % des Umsatzes in diesen Kontrakten entfällt heute bereits auf US-Kunden. Die sonst beim Aufbau internationaler Aktienportfolios anfallenden grenzüberschreitenden Abwicklungs- und Verwaltungskosten werden vermieden und die überragende Liquidität der Kontrakte zur Minimierung der Transaktionskosten international hoch geschätzt.

Infrastrukturen entstehen rasant

Zum anderen beschleunigt sich der Wettbewerb beim Aufbau von Infrastrukturen für den weltweiten Handel und für das Clearing. Ziel ist, auch in bisherigen Fremdmärkten Produkte mit lokaler Clearingdienstleistung anbieten zu können, sowie Risiko- und Margenaufrechnungspotentiale auszuschöpfen. Kunden soll so die preisgünstigste internationale Transaktions-Lösung offeriert werden. Die Euroex hat hier mit der Anfang 2004 startenden ersten transatlantischen Clearinglösung die Brücke aus Europa mit einem US-Partner - der Chicagoer Clearing Corporation - geschlagen. Damit wird künftig den Europäischen Kunden der Zugang auch zu in US-Dollar denominierten Produkten durch die bestehende Europäische Clearing-Infrastruktur ermöglicht. Zudem werden US-Kunden über ihre bestehende Clearing-Infrastruktur auf die gesamte Produktpalette zugreifen können.

Im Wettbewerb konkurrierender Netzwerke wird für den Erfolg bedeutsam sein, welches Geschäftsvolumen als Basis für Aufrechnungseffizienzen eingebracht werden können und welche Netzwerke sich als Industriestandard etablieren konnten.

Dabei ist die Euroex hervorragend positioniert: Hier findet heute mehr als zwei Drittel des gesamten Risikotransfers in Euroopäischen Aktienpositionen statt. Im Derivate-Geschäft mit Euroo-Anleihen ist der Marktanteil sogar noch höher. Zudem konnte sich die Handelsplattform in den USA - dort bis Ende 2003 an einen US-Mitbewerber exklusiv lizenziert - in Verbindung mit dem Clearing durch den neuen Partner, der Chicagoer Clearing Corporation, mit mehr als drei Viertel des Derivatemarktes in US-Anleihen als Industriestandard etablieren. Genau diese Infrastruktur wird von der Euroex ab Anfang 2004 für den US-Dollar-Produktmarkt und die transatlantische Clearinglösung eingesetzt.

Ausweitung von Dienstleistungen steigern Erfolgschancen

Schließlich kommt der Einbeziehung von verwandten Produkten in die Derivate-Wertschöpfungskette und der Ausweitung von Futures-typischen Dienstleistungen wie dem Clearing durch einen zentralen Kontrahenten auch auf andere Produkte steigende Bedeutung zu. Hier werden diejenigen Anbieter ihre Erfolgschancen optimieren, die es verstehen, die Gravitationswirkung von produktübergreifend integriertem Risikomanagement und standardisiertem Processing kommerziell zielgerichtet einzusetzen.

Dies trifft zum Beispiel auf den Bond- und Repo-Handel, aber auch auf andere außerbörsliche und börsliche Märkte zu. Euroex hat hier mit der Einbeziehung von Euroex Bonds und Euroex Repo sowie dem Aktienkassamarktes in den zentralen Kontrahenten der Euroex Clearingstelle die Vorteile der aus dem Futuresgeschäft bekannten Wertschöpfungskette nutzbar gemacht. Transaktionen in diesen Märkten werden damit auch mit dem Derivate-Geschäft etwa für Risiko- und Margenaufrechnung verknüpfbar.

Die Clearingstelle kann diese Dienstleistungen und die Übernahme der Ausfallrisiken der Handelsteilnehmer dabei ähnlich günstig wie im Futures-Geschäft anbieten: Für ein Aktienhandelsgeschäft über 12 500 fallen bei einer Xetra-Handelsgebühr von insgesamt 0,7 für Clearing und Risikoübernahme ein Betrag von 0,58 an. Der Gesamtpreis von 1,28 für Handel, Clearing, Risikoübernahme und Abwicklung einer solchen Transaktion markiert die günstigsten Konditionen im Handel mit Euroopäischen Aktien.

Komplementärer Marktplatz gewinnt an Liquidität

Die niedrigen Handelskosten sowie die durch den zentralen Kontrahenten ermöglichte Risikoreduzierung sowie die so genannte post-trade-Anonymität ziehen neue Futures-typische Teilnehmergruppen und Handelsstrategien an. So können größere Orders, die in der Vergangenheit außerbörslich gehandelt worden wären, jetzt anonym in mehreren Schritten über das Orderbuch der Börse abgearbeitet werden und tragen damit zur Steigerung der Marktliquidität ebenso bei wie die zunehmenden kurzfristigen und untertägigen Strategien internationaler Arbitrage. Der komplementäre Marktplatz gewinnt an Liquidität und Marktqualität sowie an Umsätzen, der Derivate- und Clearing-Dienstleister an Clearingumsätzen, Aufrechnungspotenzialen und Gravitationsbasis. Dies ist eine attraktive Perspektive für komplementäre Partnerschaften.

Vor dem Hintergrund wachsender Sophistizierung - des steigenden Anspruchs - aller Kundengruppen beim Einsatz von Derivaten gibt es also beste Zukunftsaussichten für diejenigen Derivate-Börsen, die es verstehen, sich zum einen symbiotisch mit außerbörslichen Märkten zu verknüpfen und zum anderen mehr Innovation und Energie in den Wettlauf zum globalen Dienstleister im Risikomanagement einzubringen als die Mitbewerber, und die darüber hinaus auch in der Lage sind, komplementäre Produktpartnerschaften zum Erfolg zu bringen.

Rudolf Ferscha ist Vorstandsvorsitzender der Terminbörse Euroex AG in Frankfurt am Main.

Die grossen Terminbörsen der Welt:

Korea Stock Exchange 1 900 Mill. Kontrakte.

Euroex 801 Mill. Kontrakte.

Euroonext 696 Mill. Kontrakte.

Chicago Mercantile Exchange 558 Mill. Kontrakte.

Chicago Board of Trade 344 Mill. Kontrakte.

Chicago Board Options Exchange297 Mill. Kontrakte.

American Stock Exchange 186 Mill. Kontrakte.

International Securities Exchange152 Mill. Kontrakte.

New York Mercantile Exchange 134 Mill. Kontrakte.

B M & F Brasilien 102 Mill. Kontrakte.

Philadelphia Exchange 89 Mill. Kontrakte.

Jahresumsätze 2002 - Quelle: Futures Industry Association.

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