Ausgefallene Papiere
Chancen auf Exoten-Märkten

Mit ihren Einnahmen aus Aufpreis, Gebühren und einbehaltenen Dividenden bestreiten die Banken die notwendigen Absicherungsgeschäfte. Sie sind nur Makler zwischen Zertifikate-Käufer und dem jeweiligen Anlagemarkt und spekulieren selbst nicht. Jedem Kauf und Verkauf eines Zertifikats steht deshalb auch ein entsprechendes Absicherungsgeschäft des Emittenten am Zielmarkt gegenüber.

Wichtig zu wissen: "In vielen exotischen Ländern wird nicht zu deutschen Börsenzeiten gehandelt, in muslimischen Ländern ist der Aktienmarkt zum Beispiel Donnerstags und Freitags geschlossen", sagt Holger Bosse, Zertifikate-Experte der Deutschen Bank. Kaufen deutsche Anleger etwa an einem Freitag ein Dubai-Zertifikat, ist der lokale Markt geschlossen. Der Handel ist zwar trotzdem möglich – doch die Banken lassen ihn sich mit einer Spanne zwischen Kauf und Verkauf von bis zu 4,5 Prozent reichlich bezahlen.

So lässt sich Geld sparen: Südamerikanische Papiere am späten Nachmittag deutscher Zeit ordern, asiatische Zertifikate am frühen Morgen. Dann dürfte der Spread etwas geringer ausfallen.

Für Druck auf die Gebühren sorgt seit Kurzem das steigende Engagement der Indexfondsanbieter. Wie Zertifikate werden Indexfonds (Exchange Traded Funds ETFs) an der Börse gehandelt. Wie Indexzertifikate folgen auch diese Papiere genau dem Auf und Ab eines Aktienindex. Die Unterschiede: Mit Indexfonds ist das Geld der Anleger auch bei einem Konkurs des Anbieters als Sondervermögen geschützt. Zudem erhalten Anleger die Dividenden der Indexaktien nach Abzug der Steuern gutgeschrieben. Allerdings fällt dafür eine jährliche Managementgebühr an.

Bei allen Chancen mit Exoten: Hohe Kursausschläge sind an der Tagesordnung. Nicht nur das, auch der freie Handel kann eingeschränkt werden. In den Wertpapierprospekten behalten sich die Banken ausdrücklich vor, bei so genannten Marktstörungen – das sind etwa kriegerische Auseinandersetzungen – den Handel mit den Zertifikaten über Wochen oder gar Monate auszusetzen. Das Geld ist damit nicht verloren. Aber gute Nerven sollte man schon haben, wenn es gilt, untätig abwarten zu müssen, bis der Handel wieder läuft.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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