Bad-Bank-Konzept
Genossen entsorgen Lehman-Papiere

Die Abwicklungsbank BAG Hamm feilt an einer Lösung für die Lehman-Wertpapiere der Genossenschaftsbanken. "Das Konzept sieht eine Übertragung dieser Papiere an eine Zweckgesellschaft vor", sagte BAG-Vorstandschef Udo Wittler dem Handelsblatt am Rande der Hauptversammlung des Instituts.

BERLIN. Die wirtschaftlichen Risiken verblieben dabei zwar bei den jeweiligen Volksbanken, doch sie könnten damit ihre Bilanz eigenkapitalschonend bereinigen. Damit würde die BAG Hamm, traditionell ein Spezialinstitut für Problemkredite, erstmals auch eine Lösung für notleidende Wertpapiere anbieten. Normalerweise saniert oder verwertet das in Hamm ansässige Institut die Problemkredite von Volks- und Raiffeisenbanken. Bislang bietet die BAG den Genossenschaftsbanken das Servicing, also die rechtliche Bearbeitung ihrer Lehman-Ansprüche an. Etwa 500 Institute nutzen das.

Im Falle der Lehman-Wertpapiere ist aber kein Forderungskauf durch die BAG geplant: "Die Banken sollen die Lehman-Wertpapiere zu dem Wert an die Zweckgesellschaft übertragen können, zu dem diese bilanziert sind", so Wittler. Dafür erhalten die Banken den - womöglich niedrigeren - Marktpreis in bar sowie zusätzlich ein Genussrecht, mit dem sie sich an der Zweckgesellschaft beteiligen.

Das hat aus Wittlers Sicht einige Vorteile: Die Bilanzen würden um die Lehman-Papiere bereinigt. Mögliche Abschreibungen würden sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Zudem müssen sich die Banken nicht um die notwendigen rechtlichen Schritte kümmern, um ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren zu wahren. Und sollte bei dem Insolvenzverfahren für die Gläubiger mehr herausspringen, als bislang erwartet, dann würden die Banken davon über ihre Genussrechte an der Zweckgesellschaft profitieren. "Wir denken, dass die Papiere werthaltiger sind, als es sich im Marktpreis widerspiegelt", sagte Wittler.

Die BaFin hat das Konzept, das die BAG mit einer renommierten Anwaltskanzlei entwickelt hat, laut Wittler als "tragfähig" bezeichnet. Nun sollen noch eine externe und eine genossenschaftliche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft das Modell überprüfen. Das soll sicherstellen, dass die Lehman-Papiere nach einer Übertragung tatsächlich nicht mehr das Eigenkapital der übertragenden Banken belastet. "Wir machen es nur, wenn sich das bestätigt", sagte Wittler. Neben Lehman-Papieren sollen auch Island-Wertpapiere sowie Bonds der insolventen US-Sparkasse Washington Mutual an das Vehikel übertragen werden können.

In seinem Kerngeschäft rechnet Wittler aber ebenfalls mit mehr Arbeit. 2009 wird die BAG Hamm voraussichtlich Forderungen in einer Gesamthöhe von 600 Mio. Euro aufkaufen, 2010 dürften es eine Mrd. Euro sein, wie Wittler auf der Hauptversammlung sagte. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte die BAG Problemkredite in Höhe von 218 Mio. Euro gekauft.

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