Banken bündeln Vorteile der Zertifikate in einem Papier – Anleger sollten auf Kosten und Transparenz achten
Zertifikate-Emittenten gehen neue Wege

Nach dem Boom in den vergangenen drei Jahren tummeln sich drei Dutzend Anbieter auf dem Markt für Zertifikate, die rund 50 unterschiedliche Produktstrukturen anbieten. Folge: Mehr als 10 000 verschiedene Papiere überschwemmen inzwischen den Markt, und der Anleger hat den Durchblick längst verloren. Dieses Phänomen bewegt die ersten Emittenten nun dazu, die Vorteile, die Zertifikate bieten, in einem Produkt zu bündeln. Vorreiter dieser Entwicklung ist die niederländische Bank ABN Amro und das Bankhaus Sal. Oppenheim.

HB DÜSSELDORF.ABN brachte Anfang August gemeinsam mit dem Zertifikatejournal das ZJ-Portfolio-Strategie- Zertifikat auf den Markt. Das Konzept: Die Zertifikateexperten packen die vermeintlich besten Zertifikate aller Märkte und Anlageklassen in ein Portfolio, an dessen Wertentwicklung der Zertifikatekäufer partizipiert. Die Manager des Zertifikats verfolgen dabei eine konservative Strategie, visieren als Zielrendite dennoch stolze sieben Prozent an.

„Anleger haben damit die Möglichkeit, ihr komplettes Portfolio in nur einer Wertpapierkennnummer abzubilden“, sagt Heiko Weyand, Zertifikateexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Allerdings sei das Papier im Prinzip kein Zertifikat, sondern ein aktiv gemanagter Fonds, sagt Pascal Seppelfricke von Rhein Asset Management, ein auf Zertifikate spezialisierter Vermögensverwalter. Letztlich sei dies nichts anderes als eine Vermögensverwaltung mit Zertifikaten. „Die Idee ist aber gut“, sagt auch Seppelfricke, allerdings mangele es an der Ausführung.

Problematisch sei, dass der Anleger „die Katze im Sack kauft“, so der Experte. Bis November – erst dann veröffentlicht ABN den ersten Zwischenbericht – sei völlig unklar, welche Zertifikate in dem Basket enthalten sind. Hinzu kommt, dass interessierte Anleger das Zertifikat in den ersten fünf Wochen nicht kaufen konnten. Erst als der Kurs bei fünf Prozent auf 105 Euro gestiegen war, fanden auch Umsätze statt, vermutlich, weil der Basket erst mit geeigneten Zertifikaten bestückt werden musste. Mangelnde Transparenz wirft dagegen HSBC-Banker Weyand dem Produkt vor, „schließlich gibt es keine festen Kriterien, nach denen die Manager den Basket umschichten“.

Diese gibt es hingegen bei den Top-Select-Zertifikaten aus dem Hause Sal. Oppenheim. Das Bankhaus verkauft Papiere auf einen Korb aus zehn Discount-Zertifikaten beziehungsweise zehn Bonus-Zertifikaten auf verschiedene Aktien. „Bei diesen Produkten handelt es sich jeweils um eine Art Dachzertifikat“, sagt Seppelfricke. „Auswahlkriterium in beiden Fällen sind die Basiswerte mit der höchsten Dividende, und das kann jeder überprüfen“, sagt Wolfgang Gerhardt, der die Produkte kreiert hat. Beim dritten Top-Select-Papier (seit dieser Woche auf dem Markt) auf die zehn besten europäischen Outperformance-Zertifikate auf Aktien, denen die Analysten von Sal. Oppenheim laut Prospekt „ausgeprägtes Kurspotenzial“ zutrauen, gilt dieses Argument aber nicht, sagt Seppelfricke.

Und letztlich sollten Anleger auch bei diesen Produkten die Kosten im Blick behalten. Für das ABN-Papier belaufen sich Managementgebühr, Spread und eine Transaktionskostenpauschale auf 3,2 bis vier Prozent im ersten Jahr (siehe „Kosten der Papiere“). Damit befindet sich das Zertifikat in guter Gesellschaft zu den klassischen Investmentfonds.

Bei den Top-Select-Papieren schlägt die Managementleistung mit 1,25 Prozent im Jahr zu Buche, „obwohl diese im Vergleich zum ABN-Produkt weitaus bescheidener ist“, sagt Seppelfricke. Hinzu komme der Spread von einem Euro. Bei der Top-Select-Variante auf die Discounter verdiene Sal. Oppenheim zudem rund 0,6 Prozent pro Jahr beim Verkauf der Kaufoptionen, mit dessen Erlös der Rabatt finanziert wird. Insgesamt sei das Produkt zu teuer, sagt Seppelfricke, zumal Sal. Oppenheim die Baskets nur mit eigenen Produkten bestücke. Zwar führt Gerhardt dafür rechtliche Gründe ins Feld. „Bei dem ABN-Papier ist das allerdings kein Problem“, hält Seppelfricke dagegen.

Kosten der Papiere

ZJ Portfolio Strategie: (WKN: ABN 2BF) Die Managementgebühr liegt bei 1,5 % im Jahr. Hinzu kommt die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs (Spread) ebenfalls in Höhe von 1,5 %. Zudem fällt für die Umschichtung des Zertifikats eine Transaktionskostenpauschale über 0,2 bis 1 % an. Summe: 3,2 bis 4 %

Top-Select-Zertifikate: Sal. Oppenheim verlangt für sämtliche Select-Papiere eine Managementgebühr von 0,3125 Prozent pro Quartal. Der Spread liegt einheitlich bei einem Euro je 100 Euro Nennwert für jedes Zertifikat. Bei den drei Discount-Varianten auf den Dax, MDax und den EuroStoxx50 behält der Emittent beim Verkauf der Kaufoption rund 0,6 Prozent ein.

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