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Das Duell: Value oder Growth

Es ist ein Streit, der fast so alt ist wie die Börse selbst. Soll man eher auf Aktien setzen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben? Oder ist es besser, nach Unternehmen zu suchen, die noch kräftig wachsen? Auf lange Sicht gibt es im Vergleich beider Strategien einen klaren Gewinner. Aber in manchen Phasen ist genau das Gegenteil der Fall - eine solche könnte jetzt beginnen.

Value oder Growth? Zunächst ist es wichtig, zu wissen, wie sich beide Philosophien unterscheiden. Im Börsenjargon spricht man auch von Value- oder Growth-Strategie. Der klassische Value-Investor sucht nach Unternehmen, die an der Börse vergleichsweise günstig bewertet sind. Der ehrwürdige Sir John Templeton setzte zu Lebzeiten auf diese Strategie, der US-Investor Warren Buffett tut dies heute noch.

Bei Growth-Titeln zählt dagegen das Wachstum. Ein Unternehmen dieser Kategorie verfügt vielleicht nicht über viel Kapital, möglicherweise drücken sogar Schulden. Aber in der Zukunft könnte es einmal hohe Gewinne abwerfen. Growth oder Value - welche Strategie ist nun die bessere? Dazu muss der direkte Vergleich her. Solche Indizes berechnet etwa der Indexanbieter MSCI. Zweimal im Jahr passt er seine Auswahl anhand einer Mixtur an Kennzahlen an. Es kann sein, dass eine Aktie von einer Kategorie in die andere rutscht. Bei der letzten Anpassung wurde etwa Eon vom Wachstumswert zur Value-Aktie.

Sieht man sich die beiden Indizes in den letzten 20 Jahren an, dann scheint das Ergebnis eindeutig: Der MSCI World Value lässt den MSCI World Growth weit hinter sich. Während der eine Index um 85 Prozent zugelegt hat, gewinnt der andere nur 67 Prozent. Das wird Warren Buffett gerne hören. Bei genauerem Hinsehen fällt allerdings auf, dass es zwischendurch immer wieder Phasen gab, in denen wachstumsorientierte Anleger viel höhere Gewinne eingefahren haben.

Natürlich spielt dabei eine wichtige Rolle, dass der New-Economy-Hype um die Jahrtausendwende die Growth-Aktien abheben ließ. Den darauf folgenden Absturz haben viele Anleger noch in schlechter Erinnerung. Seitdem genießt die Growth-Strategie keinen guten Ruf. Außerdem glauben viele, dass Value-Unternehmen besser durch eine Krise kommen. Damit könnten sie sich täuschen. Es sei auffällig, heißt es in einer Studie von Allianz Global Investors, dass die Value-Strategie während oder nach außergewöhnlich schlechten Börsenmonaten nicht besser abschneidet.

In der aktuellen Krise hat auch die Value-Strategie nicht geholfen, Verluste zu vermeiden. Im Gegenteil: Nach Berechnung des Datenanbieters Morningstar fielen europäische Wachstumsaktien seit Krisenbeginn um 37 Prozent, Value-Titel lagen sogar 43 Prozent im Minus. Das hat laut Werner Hedrich, Morningstar-Analyst, einen einfachen Grund: "Die oft in der Bilanzanalyse sehr versierten Value-Anleger haben die Risiken der Geschäftsbücher von Banken und Versicherungen nicht verstanden und offensichtlich die Risiken der Geschäftsmodelle unterschätzt." Auch Fondsmanager hätten dem scharfen Einbruch des globalen Konjunkturzyklus zu wenig beachtet. Hedrich zählte lange zu den Fans der Value-Strategie. Doch davon rückt er jetzt ab: "Wir als Analysten müssen lernen, neue Erkenntnisse in unsere Urteile einzubeziehen und lieb gewonnene Thesen zu überprüfen."

Heißt das, dass jetzt die Zeit der Growth-Aktien gekommen ist? Nach einer Krise entwickeln sie sich oft besonders gut - denn dahinter stehen Unternehmen, die durch höhere Wachstumsraten schnell wieder auf die Beine kommen könnten. Wer davon ausgeht, dass die Kurse ihren Tiefpunkt im März erreicht hatten, sollte sich Wachstumswerte anschauen. Der TecDax - in dem viele Growth-Werte stecken - hat sich in den vergangenen Wochen bereits besser entwickelt als der Gesamtmarkt.

Aktienstrategie

Der Value-Investor: Um unterbewertete Aktien zu finden, schauen Value-Investoren nicht in erster Linie auf Gewinn- oder Umsatzzahlen, sondern auf den Buchwert. Liegt er unter oder nur knapp über dem Börsenwert, greift der Value-Investor zu. Entscheidend sind das Kurs-Buchwert-Verhältnis und die Dividendenrendite.

Der Growth-Investor: Bei der Suche nach Wachstumswerten sind das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der erwartete Gewinn je Aktie wichtig. Zu dieser Kategorie gehören häufig Technologiewerte. Auch Boomregionen wie China oder Indien können dazu zählen.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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