Besicherte Strukturen
Zertifikate: Rückkehr an den Bankschalter

Seit der Lehman-Pleite sind Zertifikate in den Bankfilialen nicht mehr zu verkaufen. Jetzt will Morgan Stanley das Eis brechen. Mit einem speziell auf den Filialvertrieb zugeschnittenen Express-Zertfikat will die Bank bei Schalterkunden punkten. Ein Ausschluss des Insolvenzrisikos soll den Verkauf ankurbeln. Neu ist die Idee allerdings nicht.

FRANKFURT. Morgan Stanley will mit einem neuen Zertifikat die Kundschaft in den Bankfilialen wiedererobern. Seit heute läuft die Zeichnungsfrist für ein neues Expresszertifikat auf den Euro-Stoxx-50 mit eingebautem Emittenten-Ausfallschutz. "Wir haben das Produkt vor allem für das Filialgeschäft und unsere Private-Banking-Kunden aufgelegt", sagt Roland Lang von Morgan Stanley.

Das Zertifikat von Morgan Stanley ist der erste Vorstoß eines hiesigen Emittenten zurück ins Derivate-Retailgeschäft seit dem Untergang von Lehman Brothers im September 2008. Die von der US-Investmentbank herausgegebenen Zertifikate waren mit der Pleite wertlos geworden. Daraufhin gerieten Zertifikate unter Anlegern in Verruf, die Branche hat seitdem Schwierigkeiten, ihre Produkte abzusetzen. Gerade die Kunden am Bankschalter machten einen großen Bogen um Zertifikate. Deshalb hielten sich hiesige Emittenten mit Neuemissionen in der Sparte zurück. Die neuen Produkte wollen sie so lange zurückhalten, bis sich die Aufregung im Derivatemarkt legt.

Morgan Stanley versucht nun, die Kunden damit zu gewinnen, dass das Zertifikat gegen die Pleite der Bank geschützt ist. Wirklich neu ist die Idee jedoch nicht: DWS Go, die WestLB und auch die Commerzbank bieten bereits Discount- und Garantiezertifikate mit einem Ausfallschutz des Emittenten an. Und das Interesse der Kundschaft an den Papieren ist gering. Denn die Absicherung der vergleichsweise langlaufenden Papiere kostet Geld, das die Rendite am Laufzeitende schmälert. "Für Selbstentscheider eignet sich dieser Sicherungsmechanismus nicht", sagt Lang. Die besicherten Expresszertifikate aber sind ausschließlich für Schalterkunden gedacht.

Wie auch die Commerzbank hinterlegt Morgan Stanley Wertpapiere in der Höhe des jeweiligen Zertifikatevermögens bei der luxemburgischen Treuhänderin Clearstream. Die Kurse der Zertifikate werden täglich überprüft, und die Menge der hinterlegten festverzinslichen Wertpapiere wird entsprechend angepasst. Im Falle einer Insolvenz von Morgan Stanley kann Clearstream den Forderungen der Zertifikatebesitzer dann durch Verkauf der hinterlegten Papiere nachkommen. Diese Absicherung kostet je Schein derzeit jährlich rund 0,7 Prozent Rendite.

Nicht alle Emittenten sind überzeugt von den geschützten Zertifikaten. BNP Paribas etwa begibt keine Zertifikate mit Ausfallschutz. "Das Emittentenrisiko ist, wie bei jeder Anleihe auch, integraler Bestandteil des Zertifikats", sagt Grégoire Toublanc von BNP Paribas. "Für dieses Risiko bekommt der Anleger doch auch eine bestimmte Renditechance." Und für den Schalterkunden eignen sich die Zertifikate mit Bonitätsschutz nach Meinung des Experten auch nur begrenzt: "Viele Derivatestrukturen sind für ein Großteil der Bankkunden am Schalter immer noch zu kompliziert."

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