Börse
Auf der Suche nach Orientierung

Emittenten und Börsen erfinden immer neue Indizes, um sie als Basiswert für Zertifikate zu nutzen. So gibt es neben Aktienkursbarometern auch Indizes auf Rohstoffgruppen, Immobilien, Branchen, Regionen und einiges mehr. Die Kosten trägt dann letztlich der Anleger.
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BONN. Die Welt der Indizes ist komplizierter geworden. Spielten vor einigen Jahren vor allem bekannte Namen wie Dax, Euro Stoxx, Nikkei und Dow Jones eine Rolle, können Anleger heute leicht den Überblick verlieren. Es gibt neben Aktienkursbarometern auch Indizes auf Rohstoffgruppen, Immobilien, Branchen, Regionen, Volatilitäten, Zinsen, bestimmte Handelsstrategien an der Börse und Umweltzertifikate. Anleger sollten beim Kauf von Finanzprodukten genau darauf achten, welcher Index als Basiswert gewählt wurde und welche Kosten anfallen.

Die Zahl der Indizes steigt stetig

Allein der Index-Spezialist Stoxx, der nicht nur die verschiedenen Stoxx-Indizes, sondern auch alle Indizes der Deutsche Börse und der schweizerischen SIX Group vermarktet, bietet inzwischen mehr als 5 000 Aktien-, Renten- und Rohstoff-Indizes an. Die Dow-Jones-Gruppe berechnet eigenen Angaben zufolge rund 130 000 und FTSE etwa 120 000 Indizes. Mehr als 100 Unternehmen, darunter auch weitere bekannte Namen wie Standard & Poor's und MSCI, messen den Puls der Börse mit schätzungsweise insgesamt mehr als einer halben Million Indizes, die oft in verschiedenen Währungen sowie mit und ohne Dividendenanteil berechnet werden. Und es kommen immer mehr Indizes hinzu. Auf dem Index-Jahrmarkt tummeln sich neben den großen globalen Anbietern auch Vermögensverwalter, Finanzmagazine, Trader und Branchenspezialisten.

Die Kosten für die große Zahl an Indizes trägt letztlich der Anleger. Beim Blick in die Produktprospekte etwa von Zertifikaten tauchen als Kostenfaktor immer häufiger Lizenzgebühren für den Index auf, der dem jeweiligen Zertifikat als Basiswert zugrunde liegt. Nicht alle Zertifikate-Prospekte weisen diese Kosten aus, doch das heißt nicht, dass es diese Kosten nicht gibt. Im Gegenteil: Die Verwendung von Indizes als Basiswert kostet die Emittenten - und damit auch die Anleger - Geld.

Die Vermarktung von Indizes ist sogar ein sehr lukratives Geschäft. Für jedes Zertifikat, das einen Index als Basiswert hat, müssen die Emittenten der betreffenden Finanzprodukte Gebühren zahlen. Pro Finanzprodukt, das einen Index als Basiswert hat, zahlen Emittenten unter dem Strich durchschnittlich zwischen 0,1 und 0,3 Prozent des jeweiligen Emissionsvolumens pro Jahr an Indexgebühren, schätzen Branchenkenner. Dabei gilt die Faustregel: Indizes von großen Indexgesellschaften wie S&P oder FTSE sind in der Regel für die Emittenten teurer als Kursbarometer von unbekannteren Index-Anbietern.

Bei einigen Indizes klingelt die Kasse

Ein Beispiel für einen erfolgreichen Nischenplayer in diesem Markt ist die Gesellschaft Structured Solutions, die derzeit mehr als 200 Indizes als Basiswerte für börsengehandelte Indexfonds (ETF) und Zertifikate entwickelt hat. "Der Preis spielt in den Verhandlungen mit den Emittenten natürlich eine große Rolle", sagt Vorstand Steffen Scheuble.

Während Emittenten bei Zertifikaten auf bekannte Börsenindizes wie Dax und Euro Stoxx keine Management-Gebühren berechnen, klingelt bei den Index-Selbstbauten die Kasse. An den Managementgebühren, die bei selbst entworfenen Indizes in der Regel anfallen, verdient nicht nur der Indexgeber, sondern immer auch der Emittent. "Die Gesamtkosten belaufen sich zum Teil auf bis zu zwei Prozent per annum, je nachdem wie viel Arbeit in der Indexnachbildung steckt. So spielt es beispielsweise eine Rolle, wie oft der Index angepasst wird oder ob es sich um einen Index in einem exotischen Markt handelt", sagt Florian Roebbeling vom Institut für ZertifikateAnalyse (IZA). Anleger, die in Zertifikate investieren, die sich auf einen Emittenten-Index als Basiswert beziehen, sollten deshalb sehr aufmerksam die Angebotsbedingungen lesen.

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