Nachrichten
Börsenkrise trifft Derivate hart

Die Derivatebranche leidet nicht nur unter massiven Kursverlusten, sondern vor allem unter einem instabilen Handelssystem, das langsam zum Imageproblem wird. Doch die hohe Volatilität des Marktes eröffnet im Derivatehandel auch einige Chancen.

FRANKFURT. Der Einbruch an den Börsen kennt viele Verlierer – und die deutsche Derivatebranche gehört zweifellos dazu. Mit den Aktienkursen sind auch die Preise der meisten Derivate in den Keller gerauscht, viele Teilschutzzertifikate, die bei Anlegern wegen ihres Sicherheitsmechanismus beliebt sind, haben ihren Puffer verloren. Noch schlimmer traf es Tausende Knock-out-Zertifikate, die durch den Kurssturz ausgestoppt wurden und nun nahezu wertlos sind.

Viel schwerer als die nicht zu vermeidenden Kursverluste der Derivate wiegt für Emittenten und Anleger jedoch die Erkenntnis, dass die Handelssysteme vieler Banken trotz zum Teil hoher Investitionen in die Technik nicht stabil genug sind, um in hektischen Börsenphasen eine zuverlässige Abwicklung von Kauf- und Verkauforders zu garantieren. Wie schon im Februar und August 2007 konnten die Anleger auch in den vergangenen Tagen wiederholt nicht oder nur eingeschränkt handeln, weil die Systeme keine vernünftigen Preise gestellt haben.

Zwar hatten auch Börsen und Direktbanken technische Probleme, und selbst die Future-Kontrakte auf den Dax und den Euro-Stoxx waren an der Terminbörse Eurex zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt. Doch der Imageschaden für die Derivatebranche ist groß, weil hier die Schwierigkeiten zum wiederholten Male auftreten. Lars Brandau, designierter Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbandes, fordert daher, dass „nach dem reinigen Gewitter jetzt etwas passiert. Wenn man die Probleme über Investitionen in die Technik lösen kann, dann muss das geschehen.“

Ärgerlich sind die Handelsausfälle vor allem für Anleger mit Papieren, die an bestimmten Kursmarken ihren Sicherheitspuffer oder gar den gesamten Wert verlieren. Letzteres trifft vor allem auf Knock-out- beziehungsweise Turbo-Zertifikate zu. Diese spekulativen Papiere werden an festgelegten Barrieren „ausgeknockt“ und anschließend zu einem winzigen Bruchteil des eingesetzten Kapitals zurückgezahlt. Der aktuelle Einbruch hat Emittenten zufolge die komplette Palette an Papieren für steigende Märkte erwischt. Anleger, die nicht rechtzeitig verkaufen konnten, erlitten hohe Verluste.

Das Gleiche gilt – in abgeschwächter Form – für viele Bonuszertifikate. Diese bieten Anlegern bis zu einer fixen Sicherheitsschwelle Schutz gegen Kursverluste. Fällt die Barriere jedoch, wird es für Anleger teuer. Sie tragen dann das gleiche Risiko wie jemand, der direkt in Aktien oder Indizes investiert – haben anders als dieser aber keinen Anspruch auf Dividenden.

Seite 1:

Börsenkrise trifft Derivate hart

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%