Börsenturbulenzen
Gefährliche Hektik an den Märkten

Börsenturbulenzen sind Gift für Zertifikate und für Anleger. Da werden spekulative Besitzer von Knock-out-Zertifakten außer Gefecht gesetzt – und auch Renditeträumer vorsichtiger Sparer platzen.
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DÜSSELDORF. Wenn Steuerberaterin Birgit Hosemann mit den Ergebnissen von Zertifikate-Anlegern konfrontiert wird, kann sie oft nur mit dem Kopf schütteln. "Vor allem private Anleger, die Knock-out-Zertifikate einsetzen, machen oft enorme Verluste", sagt die Münchner Steuerexpertin für Kapitalanlagen. Knock-outs verfallen wertlos, wenn die dem Zertifikat zugrunde liegenden Aktien bestimmte Kursschwellen durchbrechen - hochspekulative Wetten also, die nur kleinste Bruchteile eines Depots ausmachen sollten.

Doch wenn Anleger einen hohen Einsatz fahren, der Trend gegen sie läuft, sie aber trotzdem nachkaufen, laufen schnell 30 000 Euro und mehr auf. Dazu lassen sich Verluste beim Knock-out steuerlich meist nicht absetzen. "Viele Anleger bringen sich mit spekulativen Derivaten um Haus und Hof", sagt Hosemann.

Doch auch Besitzer scheinbar harmloser Anlagezertifikate erlebten zuletzt herbe Enttäuschungen. Christine Seibert* aus Ingolstadt etwa kaufte am 15. März Bonuszertifikate auf den europäischen Index Euro Stoxx 50. Normalerweise werfen diese Papiere eine ansehnliche Rendite ab, wenn der Aktienmarkt über einem zuvor festgelegten Niveau bleibt. "Bei einem Indexstand zum Kaufzeitpunkt von 2 884 Punkten erschien die Anlage nahezu ohne Risiko, schließlich versprach das Zertifikat Gewinne bei Fälligkeit, solange kein Rückgang auf 1 409 eintritt", sagt Andreas Raschdorf, Geschäftsführer des Finanzberaters CAFP aus Straßlach bei München.

Der Euro Stoxx fiel seit dem Kauf des Zertifikats um zehn Prozent. Das Bonuspapier federte die Verluste aber nicht ab, sondern verlor überproportional und steht zwölf Prozent im Minus. "Vielen Anlegern ist nicht klar, dass in Zertifikaten dieser Art die Preise komplizierter Optionen einfließen, die den Kursverlauf schwer nachvollziehbar machen", sagt Raschdorf. An Börsentagen wie dem 6. Mai dieses Jahres, als der Dow Jones im Tagesverlauf um 1 000 Punkte schwankte, können solche Optionen die Notierungen von Zertifikaten zusätzlich drücken.

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