Bonität der Herausgeber wichtig
Ratings helfen bei der Orientierung im Emittenten-Dschungel

Die Statistik der Börse Stuttgart und ihrem Marktsegment Euwax lässt manchen Betrachter die Augen groß werden und zunächst auch die Hoffnung auf Übersichtlichkeit schwinden: im September 2004 waren dort über 45 000 handelbare Zertifikate und Optionsscheine gelistet. Hiervon zählten allein rund 15 000 zu der Kategorie Anlageprodukte, welche vor allem für Privatanleger, Banken und freie Vermögensberater interessant sind.

Diese durchforsten die umfangreiche Produktpalette strukturierter Produkte mit ihren vielfachen Ausprägungen oft hilflos, und selbst die Profis verlieren teilweise den Überblick. Neben der Frage nach dem „richtigen“ Produkt als Antwort auf ein spezifisches Anlagebedürfnis, stellt sich vor allem die Frage nach dem „richtigen“ Anbieter (Emittenten). Ergänzend zur der oftmals mit starker Unsicherheit verbundenen Auswahl eines geeigneten Produkts, können sogenannte Ratingagenturen zumindest objektive Orientierung bzw. Sicherheit bei der Auswahl eines geeigneten Emittenten bieten.

Der Begriff „Rating“ ist im angloamerikanischen Sprachraum beheimatet und lässt sich näherungsweise als qualitative Bewertung beschreiben. Er bezieht sich in seiner ursprünglichen Bedeutung auf die Prognose der Wahrscheinlichkeit, mit der ein unter bestimmten Gesichtspunkten beurteiltes Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen pünktlich und vollständig nachkommen wird.

Mittlerweile haben Ratings eine jahrzehntelange Tradition an den Finanzmärkten und auch der Anglizismus ist aus dem Sprachgebrauch von Bankern nicht mehr wegzudenken. Doch die professionelle Hilfe von Rating-Agenturen wie zum Beispiel Standard & Poor's, Moody's und Fitch will gezielt gedeutet und verwendet sein. Grundsätzlich sollten in diesem Kontext zwei wesentliche Unterschiede von Ratings herausgestellt werden: ein produktbezogenes Rating, das etwa einen Aktienfonds bewertet, und ein unternehmensbezogenes Rating, welches die Kreditwürdigkeit (Bonität) eines Unternehmens überprüft. Letzteres Rating spielt insbesondere bei dem Insolvenzrisiko eines Emittenten von Zertifikaten und Optionsscheinen eine Rolle.

Zertifikate und Optionsscheine gehören rechtlich betrachtet zu den Schuldverschreibungen; daher sollten sich Anleger bewusst machen, dass neben den produktbezogenen Risiken (z. B. Kursrisiko) auch ein sogenanntes Insolvenzrisiko besteht. Das Insolvenzrisiko bezeichnet vor diesem Hintergrund die Gefahr, dass eine Zertifikate-Emittent seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, so dass das ausstehende Volumen in den genannten Produkten nicht mehr an den Inhaber der Schuldverschreibung ausbezahlt werden kann. Daher sollten Anleger vor ihrem Investment prüfen, ob die Produkte ihres Interesses von einem Emittenten begeben werden, der über ein solides Rating verfügt.

Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch bewerten Kreditinstitute grundsätzlich anhand quantitativer Faktoren wie Bilanz, Gewinn-/ Verlustrechnung und Sicherheiten sowie anhand qualitativer Faktoren wie Qualifikation des Managements, Wettbewerbssituation und Kundenorientierung. Da die unterschiedlichen Agenturen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können und selbst die Darstellung der Bewertungen keinen einheitlichen Standards folgt, ist eine „Übersetzung“ der einzelnen Ratings sinnvoll.

Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Ratingeinstufungen – ebenso wie Schulnoten – nicht metrisch interpretiert werden können. So sind die Qualitätsunterschiede in den oberen Ratingklassen zum Beispiel geringer als in den unteren Kategorien.

Werner Brinkhoff ist Derivateexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

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