Bonuszertifikate
Bonuszertifikate: Gute Chancen, hohe Hürden

Für private Investoren können sich Bonuszertifikate wieder lohnen, die Börsenkurse steigen und schwanken weniger als noch vor einigen Monaten. Viele Wetten gehen wieder auf. Doch Vorsicht: Das Verlustrisiko bei Bonuszertifikaten ist noch immer groß. Erst im vergangenen Herbst haben die Anleger mit diesen Papieren viel Geld verloren.
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FRANKFURT. Wenn Bankangestellte trotz Finanzkrise wieder mit Bonuszahlungen rechnen, wollen auch die privaten Investoren nicht verzichten. Für sie kann sich die Wette auf Bonuszertifikate wieder lohnen. Denn die Börsenkurse steigen und schwanken weniger als noch vor wenigen Monaten. Eine Zwölfmonatsrendite von bis zu 20 Prozent bei Verlustschwellen auf der Hälfte der aktuellen Börsenstände erscheint wieder möglich. Doch Vorsicht: Bonuszertifikate können auch große Verlustbringer sein. Erst im Herbst des vergangenen Jahres verloren die Anleger gerade mit diesen Papieren viel Geld.

Bonuszertifikate verfügen zwar über einen Risikopuffer für moderat fallende Aktienkurse. Rutschen die Kurse jedoch so stark in die Tiefe wie vor acht Monaten, brechen auch die Sicherheitsschwellen der Bonusstrukturen. Und dann können die als sicher geglaubten Zertifikate sogar größere Verluste verursachen als die direkte Wette auf einen Aktienkurs.

Mit klassischen Bonuszertifikaten spekulieren Anleger zu einem bestimmten Termin auf die Kursentwicklung einer Einzelaktie oder eines Aktienindexes. Die Partizipation nach oben ist dabei unbegrenzt. Die Verlustwahrscheinlichkeit nach unten wird durch den Bonusbetrag etwas gemildert. Anleger rechnen neben der reinen Wertentwicklung des Basiswertes auch mit einer zusätzlichen Auszahlung des Papiers am Laufzeitende. Diese Bonuszahlung erhalten sie aber nur, wenn der Basiswert nicht unter eine vorher festgelegte Kursschwelle fällt. Notiert er darunter, fällt die erhoffte Zahlung aus und die Zertifikatebesitzer bekommen nur die reale Wertentwicklung des Basiswertes ausgezahlt. Und die kann im schlechtesten Fall weit niedriger ausfallen, als die Anfangsinvestition des Papiers. Auch der Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Und das Zertifikat verfällt immer dann wertlos, wenn die Emittentin pleitegeht.

In einem Bonuszertifikat steckt ein Indextracker auf den jeweiligen Basiswert - zum Beispiel auf den Euro-Stoxx-50 - und eine Put-Option, die den versprochenen Bonusbetrag am Laufzeitende absichert. Dieses Verkaufsrecht zu einem bestimmten Zeitpunkt verfällt immer dann wertlos, wenn der Basiswert eine vorher festgelegte Kursschwelle verletzt. Je niedriger die Anleger diese Kursschwelle wählen, desto geringer ist demnach das Ausfallrisiko des Bonuszertifikats.

"An den Börsen sind die Volatilitäten in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen", sagt Grégoire Toublanc von der BNP Paribas. Die geringenen Börsenschwankungen haben jetzt zur Folge, dass die Absicherung der Bonuszertifikate mit Put-Optionen günstiger wird. Für Anleger bedeutet das: Höhere Bonuschancen bei gleichzeitig niedrigen Verlustschwellen. Der Derivateexperte von der BNP Paribas vergleicht den Dow-Jones-Euro-Stoxx-50 mit dem Scoach-Bonuszertifikate-Index auf die europäischen Börsen (siehe Chart): "Die geringeren Volatilitäten führen bei den Bonuszertifikaten zu deutlich steigenden Kursen und zu einer Outperformance gegenüber der Direktinvestition in den Index", sagt Toublanc.

Ihre ausgesprochen schlechte Wertentwicklung des vierten Quartals 2008 konnten die Bonuszertifikate schon wieder aufholen. Dennoch sollten weiterhin Anleger vorsichtig mit Bonuszertifikaten spekulieren. Niedrige Verlustschwellen von mehr als 50 Prozent bieten derzeit Bonuschancen von immerhin zehn bis 17 Prozent. "Es empfiehlt sich auch, Bonuszertifikate auf Indizes statt auf einzelne Aktien zu kaufen, da die Volatilität im Index geringer ist", rät der Experte Toublanc. Von Bonuszertifikaten, die aktuell mehr als 20 Prozent Rendite in zwölf Monaten versprechen, sollten sicherheitsorientierte Anleger aber derzeit besser die Finger lassen.

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