Boom-Anlagen
Überrendite an Chinas Börsen

Wer an eine kontrollierte Konjunkturlandung und damit eine Fortsetzung der Rally in Fernost glaubt, kann direkt in chinesische Aktien investieren - oder in Zertifikate. Ein Produkt hat sich dabei besonders bewährt. Vor allem seit dem Start der jüngsten Börsenhausse überzeugt die Outperformance.
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DÜSSELDORF. Die überraschenden Zinserhöhung in China hat die Aktienmärkte verunsichert, weltweit gaben die Kurse nach. Weltweit, mit Ausnahme der chinesischen Börsen selbst. Hier wurde der Zinsschritt der Notenbank als positives Signal gesehen, weil Investoren hoffen, dass so die Inflation gebremst und eine Blasenbildung am Immobilienmarkt verhindert werden kann.

Das Vertrauen in die wirtschaftspolitische Lenkung des Landes hat jedoch schnell die Oberhand über die Furcht vor einem zu abrupten Abwürgen der chinesischen Wirtschaft gewonnen - trotz jüngst veröffentlichter Wirtschaftsdaten, die auf den ersten Blick eher negativ ausgefallen sind: Nach dem Auslaufen der milliardenschweren Konjunkturprogramme ging das Wirtschaftswachstum im vergangenen Quartal bereits erkennbar zurück - auf 9,6 von zuvor 10,3 Prozent.

Doch der Rückgang ist - genauso wie die Zinserhöhung - Folge des Versuchs, die Wirtschaft von dem durch das Konjunkturpaket getragenen Wachstum wieder auf natürliches Wachstum zurückzuführen. Für Yingxi Yu, Analyst der Barclays Bank, waren die Verkäufe zum Wochenstart somit lediglich eine Reflex-Handlung. "Nun lehnen sich die Leute aber zurück und überlegen, wie die Zinserhöhung das Wachstum in China beeinflusst. Die Antwort: Wohl nicht allzu stark."

Experten wie Starinvestor Mark Mobius, die auch mittelfristig mehr Chancen als Risiken an den chinesischen Aktienmärkten sehen, könnten daher Recht behalten: Chinesische Aktien werden ihre Rally fortsetzen, erwartet der Fondsmanager und Vorsitzende von Franklin-Templeton. "Es wird weitergehen und ja, es ist nachhaltig", hatte Mobius erst vor kurzem in Kuala Lumpur gesagt.

Für Anleger, die sich dieser positiven Markteinschätzung anschließen, ist als Alternative zu einem Direktinvestment in chinesische Aktienindizes und Anteilsscheine das "China Sector Rotation Indexzertifikat" von Vontobel interessant (WKN: BVT46N).

Das bereits Ende September 2006 emittierte Produkt tritt gegen den Hang Seng Composite Index an und zielt auf eine langfristig bessere Wertentwicklung als der Kontrahent ab. Der HSCI ist ein Marktbarometer der Börse Hongkong. Der Index beinhaltet neben Aktien von Unternehmen mit Sitz in der ehemaligen britischen Kronkolonie auch solche Anteilsscheine, deren Unternehmen ihren Standort auf dem chinesischen Festland haben. Berücksichtigt werden aber nur die so genannten H-Aktien, die anders als die an den anderen beiden chinesischen Börsen hauptsächlich gehandelten A-Aktien auch von ausländischen Investoren gekauft werden können.

Bisher ist die Rechnung aufgegangen: Seit der Emission hat das Zertifikat eine beeindruckende Rendite von 15,3 Prozent per annum eingefahren. Der Hang Seng erzielte dagegen im selben Zeitraum mit 7,7 Prozent nur knapp halb soviel. Nach der turbulenten Berg- und Talfahrt im Zuge der Finanzkrise hat das Produkt allein seit den Tiefständen der asiatischen Märkte im Herbst 2008 um mehr als 190 Prozent zugelegt. Der Hang Seng gewann seitdem mit "nur" 110 Prozent deutlich weniger.

Den Ausgangspunkt für die Sector Rotation-Strategie bilden die derzeit zehn Einzelsektoren des HSCI. Vierteljährlich wird mit einem quantitativen Prognoseverfahren ermittelt, welche Sektoren die besten Performanceaussichten aufweisen. Prüfkriterien sind die fünf Faktoren Zinsstruktur, erwartete Volatilität, Kreditrisikoprämie, Gewinnrendite und TED-Spread (Differenz zwischen der Verzinsung dreimonatiger US-Dollar-Anlagen am Euromarkt und US-Treasury-Bills). Chancenreiche Sektoren werden übergewichtet, die anderen erhalten einen geringeren Anteil als im Vergleichsbarometer. "Die größte Übergewichtung fand zuletzt von Juni auf September im Bereich Finanzen statt", sagt Heiko Geiger, Zertifikateexperte bei Vontobel. In einer zweiten Auswahlstufe wird für jeden Sektor eine Rangliste der enthaltenen Branchentitel nach der höchsten positiven Gewinnrevision erstellt. In das Strategiezertifiat aufgenommen werden dann die Aktien, deren Gewinnprognosen am stärksten angehoben werden.

Dividenden fließen in die Wertentwicklung ein. Für die Neugewichtungen des Zertifikats, das nicht währungsgesichert ist, werden jährlich 2,4 Prozent berechnet.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur

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  • fgh

  • den Handelblatt-Artikel über China bzw.Vontobel abbei.

    Gruss klaus

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