Branche verliert durch die Reform
Was Abgeltungsteuer für Zertifikate bedeutet

Ein Stück weit haben sich die Zertifikateanbieter die Suppe auch selber eingebrockt, die sie künftig in Form der kommenden Abgeltungsteuer auslöffeln müssen. Die Steuer wird den Zertifikatemarkt allen Unkenrufen zum Trotz nicht in die Knie zwingen. Die Produktlandschaft wird allerdings schon bald nicht wieder zu erkennen sein.

DÜSSELDORF. Ein Stück weit haben sich die Zertifikateanbieter die Suppe auch selber eingebrockt, die sie zurzeit auslöffeln: Kaum waren die ersten Details zur ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer auf Kapitalgewinne bekannt, begannen sie ihre Werbekampagnen. Wer vor 2009 Zertifikate kauft, so hieß es, schütze das dort angelegte Geld auch in Zukunft vor Besteuerung – selbst bei einem Wechsel der Vermögensstrategie. Der Gesetzgeber reagierte und machte die Zertifikate vom Gewinner zum Verlierer der Reform.

„Tatsächlich wären Zertifikate deutlich besser geeignet als andere Finanzprodukte, die neuen Steuerregelungen zu umgehen“, meint Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Was das Finanzamt so verärgerte, war nämlich eine neue Klasse extrem flexibler Zertifikate, welche die Emittenten auf den Markt werfen wollten. Vor 2009 gekauft hätten sie ihre Vermögensstrategie jederzeit ändern können, ohne jemals auszulaufen – und ohne jemals zu einem steuerpflichtigen Investment zu werden, so lange sie im Depot verbleiben.

Die Reaktion des Gesetzgebers ist radikal. Anders als für alle übrigen Anlageklassen, die in Deutschland zu haben sind, gibt es für neu gekaufte Zertifikate so gut wie keinen Bestandsschutz. Im Klartext: Alle Zertifikate, die seit dem 15. März 2007 gekauft wurden, werden nach einer kurzen Übergangsfrist nach dem neuen Gesetz besteuert. „Diskriminierung“, zetert das Deutsche Derivate Institut (DDI) und beschwört den Untergang der noch jungen Zertifikateindustrie. Das DDI warnt vor „erheblichen Mittelabflüssen“ und „nachhaltigem Schaden in einem für die Entwicklung des deutschen Finanzplatzes wichtigen Zukunftsmarkt“.

Ganz so schlimm wird es nicht kommen. Richtig ist, dass die neue Regelung die Zertifikatelandschaft gründlich durcheinander wirbeln wird. Mit einem Aus rechnen jedoch so schnell weder Emittenten noch Vermögensverwalter. „Es wird eine Welle geben, das ist sehr wahrscheinlich. Aber keinen großen Umsturz“, schätzt DSW-Sprecher Kurz. Die größten Bewegungen, da sind sich Berater und Emittenten weitgehend einig, wird es nicht im Volumen der gehandelten Zertifikate geben, sondern in den nachgefragten Produktarten.

„Die Übergangsregelung besagt, dass neu gekaufte Zertifikate nur bis zum 30. Juni 2009 nach dem alten Steuerrecht gehandelt werden dürfen“, erklärt der Vorsitzende des Derivate Forums, Siegfried Piel. „Das wird für die Übergangszeit dazu führen, dass Zertifikate mit einer kürzeren Laufzeit relativ attraktiver werden. Discount-Zertifikate, die meistens nur 18 Monate laufen, werden daher weiter zulegen können. Bonus-Zertifikate mit längeren Laufzeiten werden eher beeinträchtig werden.” Eine weitere Zertifikateklasse wird von der Steuerreform sogar profitieren.

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