Bric-Börsen
Auf die Strategie kommt es an

Obwohl die Aktienkurse an den Bric-Börsen derzeit eher sinken als steigen, bleibt das Wirtschaftswachstum in den großen Schwellenländern hoch. Wie Anleger trotzdem profitieren können.
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FrankfurtTrotz der zuletzt eher enttäuschenden Entwicklung an den Börsen in Brasilien, Russland, Indien und China haben Analysten das Thema Bric nicht abgehakt. Unabhängig von den Kursturbulenzen bleibe das Wachstum in drei der vier Schwellenländer hoch - vor allem im Vergleich zu den etablierten Industrienationen. Eine Ausnahme bildet lediglich Indien. Langfristig dürften die Kurse anziehen, so die Experten.

Wer diese optimistische Einschätzung teilt und breit gestreut in die Bric-Märkte investieren möchte, kann nicht nur auf einzelne Aktien und Fonds setzen. Auch eine große Auswahl an Zertifikaten steht zur Verfügung. Zu den einfachsten Varianten zählen sogenannte Indexzertifikate: Ähnlich einem Indexfonds bilden diese Anlageprodukte die Entwicklung eines Börsenbarometers nach, verfügen in der Regel über keine Laufzeitbegrenzung und werden zu laufend ermittelten Kursen gehandelt. Damit können sich Investoren entweder gezielt die Entwicklung einzelner Länderindizes ins Depot holen oder gleich auf alle bedeutenden börsennotierten Unternehmen der Brics setzen. So basieren viele dieser Zertifikate auf dem Dax-Global-Bric-Index, der von der Deutschen Börse berechnet wird. Er beinhaltet jeweils zehn Blue Chips aus jedem der vier Länder.

Ebenfalls 40 Schwergewichte umfasst ein weiterer wichtiger Index, der vielen Zertifikaten als Basis dient: der S&P Bric 40. Nachteil der Produkte ist das Emittentenrisiko: Unabhängig davon, wie sich die Börsen entwickeln, kann der Investor einen Totalverlust erleiden, wenn der Anbieter pleitegeht.

"Zertifikate bieten aber auch einen großen Vorteil gegenüber anderen Anlageinstrumenten: Es gibt Varianten, die Verluste im Anlegerdepot verhindern, falls sich die Märkte schlecht entwickeln", sagt Björn Döhrer von der Ratingfirma EDG. Dazu zählen Garantiezertifikate. Viele davon beziehen sich auf den S&P Bric 40. Die Funktionsweise: Selbst wenn der Aktienindex zum Ende der Laufzeit deutlich unter seinem Startniveau notiert, erhält der Anleger den Großteil seines Einsatzes zurück. Im Gegenzug sind die Renditechancen stark beschnitten.

Von dieser Schutzfunktion haben gerade in den vergangenen Monaten viele Anleger profitiert: Während der S&P Bric 40 seit Ende Mai 2011 rund 17 Prozent eingebüßt hat, verlor zum Beispiel ein damals begebenes Garantieprodukt der Hypo-Vereinsbank im selben Zeitraum nur knapp fünf Prozent.

Interessant sind jetzt auch spezielle Zertifikate, die anders als Direktinvestments über Indexzertifikate oder Fonds auch dann Erträge liefern, wenn es an den Schwellenländerbörsen nur seitwärts oder leicht abwärtsgeht: Bonuszertifikate.

Die Funktionsweise: Solange der zugrunde liegende Index nicht allzu heftig abstürzt, gibt es zum Laufzeitende eine Mindestrendite - den Bonus. Brechen die Aktienkurse doch über den "Sicherheitspuffer" hinaus ein, geht der Bonus verloren. Das Zertifikat entwickelt sich dann fortan nur noch wie ein gewöhnliches Indexpapier. Den Bonusmechanismus gibt es nicht umsonst: Die Produkte sind beim Kauf teurer als Indexzertifikate - und dieses "Aufgeld" geht zusätzlich verloren, falls sich der Bonus in Luft auflöst.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur

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