Bulle & Bär
Pleiteschutz wird zum Ladenhüter

Der Großteil der Privatanleger achtet beim Kauf von Zertifikaten auf die Kreditwürdigkeit der emittierenden Bank und auf die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz. Trotzdem interessiert sich kaum jemand für einen Ausfallschutz, wie ihn manche Emittenten in ihre Papiere einbauen. Das hat seine Gründe.

FRANKFURT. Drei von vier Privatanlegern achten beim Kauf von Zertifikaten auf die Kreditwürdigkeit der emittierenden Bank. Für mehr als 88 Prozent der Investoren hängt die Entscheidung für oder gegen ein strukturiertes Wertpapier davon ab, wie wahrscheinlich eine Pleite eines Finanzinstituts ist. Zu diesem wenig überraschenden Ergebnis kommt eine Umfrage des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) bei rund 2 500 Besuchern von Finanzportalen im Internet.

Überraschend ist dagegen: Für einen Emittentenausfallschutz für Zertifikate, wie ihn manche Emittentin in ihre Papiere einbaut, interessiert sich kaum jemand mehr. Die deutschen Anleger jedenfalls kaufen die zusätzlich besicherten Papiere nicht. Weder im Depot risikobewusster Selbstentscheider noch bei den beratungsabhängigen Vertriebskunden konnten sich besicherte Zertifikate durchsetzen.

Die Zusatzkonstruktion soll die Rückzahlung des in Zertifikaten angelegten Kapitals garantieren. In Sicherheit wiegen können sich Investoren deshalb aber leider nicht. Denn im Falle einer Bankenpleite kann keine Emittentin eindeutig festlegen, ob und in welchen Anteilen der Treuhänder die Zertifikateinvestoren ausbezahlt. Die Konstruktion kann das Risiko des wertlosen Verfalls der Papiere nur reduzieren, sagen Experten. Völlig ausschließen können die Emittenten den wertlosen Verfall auch dieser Papiere nicht.

An den deutschen Börsen notieren kaum mehr als 38 ausfallgeschützte Zertifikate. Die Commerzbank, DWS und Morgan Stanley sind hierzulande die einzigen Anbieter. Und deren letzte Neuemission ist bereits mehr als ein halbes Jahr her; scheinbar werden die Produkte nicht mehr aktiv vertrieben.

Die Zusatzkonstruktion für Zertifikate gilt unter Brancheninsidern als gescheitert. Entgegen allen Erwartungen konnte sie das schlechte Image der Produkte nicht aufpolieren. Denn die Absicherung der Papiere lohnt einfach nicht. Das bestätigt selbst manch Zertifikateanbieter hinter vorgehaltener Hand: Bis zu 0,7 Prozent kostet die Zusatzversicherung jährlich. Viel zu teuer, urteilen die Anleger. Da kaufen sie besser gar kein Zertifikat mehr, wenn zukünftig noch mit weiteren Bankenpleiten zu rechnen ist.

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