Bulle & Bär: Zertifikate auf Fonds locken Anleger

Bulle & Bär
Zertifikate auf Fonds locken Anleger

Hohe Rendite ohne Risiko - diese Quadratur des Kreises fordern viele Anleger. Zertifikate auf Fonds sind eine Antwort der Anbieter. Sie bringen vor allem eines: Viel Verpackung. Was Anleger realistisch erwarten können.
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FRANKFURT. Wie lockt man Anleger am besten an? Indem man ihnen das verspricht, was sie wollen. Und das sind ungeachtet des bewegten vergangenen Börsenjahrzehnts bei den Deutschen "mindestens sieben Prozent Rendite im Jahr ohne Risiko", wie ein Anlagestratege unkt.

Zertifikateprofis versuchen manchmal, diese Aufgabe mit Hilfe der ihnen einst verhassten Fondsbranche zu lösen. Zwar machen Zertifikate, die auf Investmentfonds basieren, nur einen Bruchteil der mehr als 400 000 Zertifikate am deutschen Markt aus. Interessant ist aber, dass rund ein halbes Dutzend Banken auf den Erfolg eines einzigen Mischfonds setzt und darauf Zertifikate mit Kapitalgarantie anbieten.

Die Hypo-Vereinsbank und die WestLB haben wegen "großer Nachfrage", wie es heißt, neue Papiere aufgelegt. Den Zertifikaten zu Grunde liegt der bekannte Carmignac Patrimoine des Vermögensverwalters Edouard Carmignac. Der Franzose erreichte große Popularität, als er es im katastrophalen Börsenjahr 2008 schaffte, mit seinem aus Aktien und Anleihen gemischten Fonds kein Geld zu verlieren. Aktuell leidet der Erfolgsfonds jedoch darunter, dass Carmignac zu wenig auf europäische Bankaktien und den E uro setzte.

Mischfonds gelten als kleine Vermögensverwaltung in einem Produkt: Fondsmanager teilen das Kapital der Kunden auf mehrere Anlagearten auf, um es möglichst vor Verlusten einzelner Märkte zu schützen. Da mutet es schon seltsam an, wenn diese bereits in einem Fonds gebündelte Anlagen nochmals in einer "Zertifikate-Hülle" samt Kapitalschutz verkauft werden.

Da bekanntlich jede Extra-Leistung auch etwas kostet, sollten Anleger auf die Gebühren schauen. An der Rendite zehren nicht nur die Managementgebühren im Fonds, sondern auch die Kaufgebühren von vier Prozent bei Zeichnung des Zertifikates sowie Kosten für die Konstruktion des Papiers.

Ein Garantiezertifikat ist eine Anleihe plus Derivat. Ein gewichtiger Teil des Kapitals fließt in eine Anleihe, um die Kapitalgarantie zu gewährleisten. Der Rest des Geldes geht in Derivate, oft eine Kauf-Option auf den Fonds, sowie Fondsanteile, um Anleger an der Wertentwicklung des Fonds zu beteiligen.

Unterm Strich wettet der Anleger darauf, dass der Wert des Fonds möglichst stark steigt. Je nach Ausgestaltung zählt die Differenz des Fondswertes zwischen Anfang und Ende der Laufzeit oder ein Durchschnittswert, der an bestimmten Tagen ermittelt wird. Was an Rendite herauskommt, weiß man am Ende der Laufzeit. Im schlechtesten Fall bekommt der Anleger - so lange der Emittent des Zertifikats nicht pleite geht - sein Geld zurück.

Anleger sollten sich lieber entscheiden: Entweder sie wetten mit einem Zertifikat auf einen bestimmten Markt oder sie lassen ihr Geld von einem Fondsmanager verwalten. Exorbitante Erträge ohne Risiko sollte man ohnehin nicht erwarten.

Kommentare zu " Bulle & Bär: Zertifikate auf Fonds locken Anleger"

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  • Wer nach Lehmann noch Zertikate kauft ist selbst schuld. Zertifikate sind eine Wette mit der bank, wobei die bank den Wetteinsatz sofort erhält, keine Sicherheiten bietet und die Wettregeln ändern kann. Das Vertragswerk (!) ist so kompliziert, daß dies nur Profis verstehen und Profis machen die Geschäfte selber, ohne Zertifikate. Wer das Vertragswerk nicht versteht, und so gut wie kein Anleger liest die Verkaufsprospekte, sollte die Finger davon lassen!
    Wer sich also auf so etwas einläßt, dem ist nicht zu helfen.

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