Contracts for Difference
Anleger wetten auf die Börse

Die Privatanleger werden wieder zum Zocken verführt. Die Anbieter von sogenannten Differenzkontrakten drängen massiv auf den deutschen Markt und versprechen ihnen hohe Gewinne mit geringem Kapitaleinsatz. Allerdings kann auch ein herber Verlust entstehen - die Produkte bergen ein hohes Risiko.

FRANKFURT. Differenzkontrakte (Contracts for Difference, CFD) sind Wetten auf steigende oder fallende Kurse von Aktien, Rohstoffen, Devisen oder Anleihen. Der Anleger geht die Wette direkt mit einem Börsenhändler ein. Der besondere Reiz für sehr risikofreudige Anleger liegt am sogenannten Hebel der Produkte (siehe "Wie die Produkte funktionieren"). Mit einem Einsatz von z.B. nur einem Euro kann ein Anleger bei einem Hebel von 100 bis zu 100 Euro Gewinn erzielen. Mit CFDs kann man sich auch gegen Verluste durch fallende Börsenkurse absichern.

Geht die Wette jedoch nicht auf, kann der Verlust theoretisch unbegrenzt hoch ausfallen. Anlegerschützer stehen CFDs deshalb skeptisch gegenüber. Sie sind grundsätzlich nur etwas für erfahrene Anleger.

Großbritanniens Privatanleger kaufen bereits seit zwei Jahrzehnten kaum noch Wertpapiere an den Börsen, sondern wetten weitestgehend mit CFDs auf zukünftige Kursverläufe, zeigen Händlerdaten. In Deutschland zählt der im Februar gegründete CFD-Verband bereits rund 40 000 Spekulanten. Den mutigsten Branchenschätzungen zufolge sollen es in den kommenden ein bis zwei Jahren bis zu einer halben Million werden.

"Differenzkontrakte könnten Hebelzertifikate langfristig aus Deutschland ablösen", hofft Michael Lippa vom CFD-Anbieter IG-Markets. Mit herkömmlichen Hebelprodukten wie Zertifikaten und Optionen setzen Frankfurter und Stuttgarter Börse monatlich rund 1,9 Mrd. Euro um. Von dem Kuchen wollen die CFD-Anbieter sich nun ein großes Stück abschneiden. Tim Howkins, Vorstandschef der IG-Gruppe in London, verspricht: "CFDs sind transparent und leichter handelbar als Anlagezertifikate, derivative Hebelprodukte und börsengehandelte Indexfonds." Die Differenzkontrakte seien das ideale Anlagevehikel für private Investoren, die eine eindeutige Marktmeinung haben.

Doch selbst Howkins warnt: "Ein erfolgreicher Einsatz der Produkte erfordert einen ausgezeichneten Marktüberblick und die laufende Beobachtung der Börsenkurse." Dennoch will er die Wetten in Deutschland etablieren und seine Produkte an eine breite Anlegerschicht verkaufen. Sein Timing stimmt. Denn in Phasen, in denen Aktienkurse stark schwanken, sind die Gewinnchancen am höchsten.

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