Das Imperium schlägt zurück
Sechs „Rolling Discounts“ von der Deutschen Bank

Mit der genialen „Rolling Discount“-Idee, die die Vorzüge von Discount-Zertifikaten auch für den gänzlich passi-ven „Buy & Hold“-Investor nutzbar macht und Privatanlegern die Chance eröffnet, sich ebenso einfach wie spesengünstig in den besonders attraktiven Kurzläufer-Papieren zu engagieren, hat UBS die Marktführerschaft im Discount-Segment eindrucksvoll zementiert. Doch jetzt greift der Branchenprimus an. Die Deutsche Bank, un-angefochtene Nummer eins im gesamten Zertifikate-Markt, geht nun gleich mit sechs „Rollings“ an den Start.

DÜSSELDORF. Erfreulicherweise übernehmen die „Blauen“ dabei die von UBS gesetzten Standards, so dass hier tatsächlich eine neue, einheitlich ausgestattete Zertifikate-Kategorie heranzuwachsen scheint – auch bei der Deutschen Bank wird alle vier Wochen in ein Discount-Zertifikat mit einem Monat Restlaufzeit umgeschichtet, dessen „Cap“ anfänglich stets denselben prozentualen Abstand zum aktuellen Index-Niveau hat.

Die Feineinteilung des „Rolling“-Universums sieht bei der Deutschen Bank allerdings etwas anders aus als bei UBS. Sowohl für den Euro Stoxx 50 als auch für den Dax sind vom Start weg drei unterschiedliche Ausgestaltungen erhältlich – „konservativ“ (mit einem zum Umschichtungstermin um 5 Prozent unter dem Index-Stand liegenden „Cap“, vergleichbar dem „Rolling Deep“), „neutral“ (hier entspricht der „Cap“ wie beim klassischen „Rolling Discount“ exakt dem Index-Stand) sowie als Novum die Variante „offensiv“, wo der „Cap“ drei Prozent über dem Index platziert wird.

Bei der letztgenannten Spielart kann die maximale Rendite nur vereinnahmt werden, wenn das unterliegende Kursbarometer im Monatsverlauf drei Prozent oder mehr hinzugewinnt. Historisch ist das allerdings nicht son-derlich wahrscheinlich. Der Dax hat diese Marke seit 1987 nur in 74 von 187 Monaten übertroffen, was einer eher mickrigen Erfolgsquote von gerade einmal knapp 40 Prozent entspricht. Beim Euro Stoxx 50 war das Resultat mit 36 Prozent (seit Anfang 1992) sogar noch etwas schlechter. Klar, auch bei geringeren Zuwächsen verdient das „offensive“ Zertifikat noch Geld. Da der Risikopuffer wegen des hohen „Caps“ zwangsläufig recht schmal ausfallen muss, macht ein Engagement in diesen Produkten jedoch nur für Anleger Sinn, die für längere Zeiträume von einem vergleichsweise kontinuierlichen Index-Anstieg ausgehen. Dieses Szenario erscheint uns indes etwas zu sehr zugespitzt.

Bei den übrigen Zertifikaten, zu denen ja bereits ein Pendant von UBS existiert, wird der Deutschen Bank dagegen – wie Helmut Kohl es formulieren würde – die „Gnade der späten Geburt“ zuteil. Bei ansonsten identischer Ausstattung der Produkte werden die Nebenkosten zum entscheidenden Element, wobei der Herausforderer den Platzhirsch zur Freude des Anlegers unterbietet. Besonders deutlich ist dieser Effekt bei den Produkten auf den Euro Stoxx 50, wo die Deutsche Bank gänzlich auf eine Management-Gebühr verzichtet, während UBS 0,75 Prozent p.a. verlangt.

Beim Dax ist die Differenz nicht ganz so drastisch; hier ziehen beide Institute 0,90 Prozent ab, allerdings stellt die Deutsche Bank den engeren Spread. Das „Dax Rolling Diskont Neutral“ ist unserer Ansicht nach dennoch nur zweitbeste Wahl, da die beim Pendant von UBS geltende Regel zur Festlegung des „Caps“ (Index-Stand plus ein Prozent) wegen der höheren Dax-Volatilitäten mehr Erfolg verspricht.

Der Kampf um die „Rolling“-Krone ist also voll entbrannt; UBS hat auf die neue Konkurrenz bereits reagiert und die Spreads für einige Papiere auf 0,8 Prozent gesenkt. Bleibt bloß zu hoffen, dass den Emittenten noch ein bisschen mehr einfällt als dieser Preiswettbewerb. Das „Rolling“-Universum bietet schließlich noch genug Spiel-raum für Innovationen, die dem Anleger langfristig einen weitaus größeren Mehrwert bringen als ein paar Ba-sispunkte Einsparung beim Spread.

Über das aktuelle Produktspektrum informiert Sie unsere Tabelle, wobei Sie sich durch die neue Vielfalt nicht verwirren lassen sollten – unsere Regeln für die Auswahl gelten nach wie vor: Wer bei minimalem Risiko deutlich über der Rendite von Anleihen liegende Erträge erwirtschaften möchte, fährt am besten mit den konserva-tiven „Deep“-Zertifikaten. Da im Dax aufgrund der traditionell höheren Volatilität attraktivere Chance/Risiko-Profile winken, ist das entsprechende Papier der Deutschen Bank (WKN 149 541) knapp erste Wahl. Suchen Sie dagegen eine Chance/Risiko-optimierte Alternative zum Direktinvestment in Index-Zertifikate oder Fonds, mit der sich bereits in Seitwärtsmärkten gut Geld verdienen lässt, greifen Sie entweder zu den „neutralen“ Produkten (WKN 172 872 für den Dax und WKN 149 545 für den Euro Stoxx 50) oder zum marktphasenoptimierten „Flex“ (WKN 723 022), das hoffentlich bald auch für den Dax verfügbar ist.

"Rolling Discount"-Zertifikate: Das Angebot per 31. Juli 2003

WKN

Bank

Underlying

Cap-Regel

Position

Spread

Gebühr

149541DEUDaxIndex -5 %konservativ0,75 %0,90 %
149544DEUEuro Stoxx 50Index -5 %konservativ0,75 %keine
115054UBSEuro Stoxx 50Index -5 %konservativ0,80 %0,75 %
172872UBSDaxIndex +1 %neutral0,80 %0,90 %
149542DEUDaxIndexneutral0,75 %0,90 %
149545DEUEuro Stoxx 50Indexneutral0,75 %keine
158175UBSEuro Stoxx 50Indexneutral0,80 %0,75 %
149543DEUDaxIndex +3 %offensiv0,75 %0,90 %
149546DEUEuro Stoxx 50Index +3 %offensiv0,75 %keine
723022UBSEuro Stoxx 50Index -5 % / ±0 % / +3 %Flex1,20 %keine

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