Das richtige Instrument zur richtigen Zeit
Rendite gegen den Trend

Die Katastrophe in Japan erschüttert die Börsen weltweit. Anleger müssen kurzfristig umdenken. Mit welchen Instrumenten sich trotz oder gerade wegen des Abwärtstrends Profite erzielen lassen.
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DüsseldorfDie Schreckensnachrichten aus Japan reißen nicht ab. Erst der Tsunami, dann die explodierenden Atommeiler in Fukushima: Derzeit sieht es so aus, als ob das Land der aufgehenden Sonne nach 1945 nun zum zweiten Mal die nukleare Verseuchung ganzer Städte und Landstriche hinnehmen muss. Die Stimmung an der Börse in Tokio ist entsprechend getrübt. Abgesehen von der Rally bei japanischen Baukonzern-Aktien wie etwa Kajima, Obayashi, Shimizu und Taisei, deren Kurse angesichts der zu erwartenden umfassenden Wiederaufbau-Aufträge sprunghaft in die Höhe geschnellt sind, herrscht an der Tokioter Börse Tristesse.

Zwar hat die japanische Notenbank eine Rekordsumme von 132 Milliarden Euro (15 Billionen Yen) in den Bankensektor gepumpt, um die Märkte zu beruhigen. Doch selbst diese riesige Finanzspritze konnte nicht verhindern, dass der Nikkei innerhalb weniger Tage rund 20 Prozent seines Wertes eingebüßt hat. Auch an den anderen internationalen Börsen sieht es nicht viel besser aus. Dax, Dow Jones und Euro Stoxx 50 befinden sich im Sinkflug und zeigen nur zwischenzeitliche Erholungstendenzen.

Was Anlegern zu denken geben sollte: Die Kurswende hat nicht erst mit dem Tsunami vor der japanischen Küste eingesetzt, sondern bereits im Vorfeld. Auslöser für die Kursrückgänge sind keine Naturkatastrophen, sondern die nach wie vor ungelösten Schuldenprobleme in den westlichen Industrienationen, verbunden mit steigenden Rohstoffpreisen und der Angst vor einer weiteren Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. Greift der Revolutionseifer in der arabischen Welt auch auf Saudi-Arabien über, könnte der Welt der nächste Ölpreis-Schock bevorstehen, befürchten Experten.

Negative Chartsignale

Das Alles drückt auf die Börsenkurse. Zum Beispiel in Deutschland: Hier hat der Dax seit seinem 7.500-Punkte-Hoch bereits im Februar den Rückwärtsgang eingelegt. „Das Unterschreiten der 7.000-Punkte-Marke vor wenigen Tagen ist ein sehr negatives Signal“, sagt Jörg Scherer, Marktanalyst bei HSBC Trinkaus. „Die Korrektur, die schon seit einiger Zeit erwartet wurde, ist nun durch die Ereignisse in Japan enorm beschleunigt worden. So hat der Dax zuletzt drei Tage in Folge schon zu Handelsbeginn niedriger notiert als am Tag zuvor. Das ist ein absoluter Ausnahmefall. Allerdings ist der Aufwärtstrend, der seit Juli 2009 zu sehen ist, immer noch intakt“, so Scherer. Spannend wird es nun in den folgenden Tagen. Bei rund 6.584 Dax-Punkten verläuft derzeit die Unterstützungslinie des Aufwärtstrends und auch die 200-Tage-Linie, die aus charttechnischer Sicht ebenfalls als aktuelle technische Unterstützung angesehen werden kann. Diese Marke wurde am Dienstag im Tagesverlauf bereits gerissen. „Unterschreitet der Dax dieses Niveau in den kommenden Tagen, sehen Charttechniker die nächste Haltezone zwischen 6.350 und 6.400 Dax-Punkten“, so Scherer.

Chart-Analysten untersuchen die Kursverläufe von Aktien oder Indizes auf wiederkehrende Muster. Ihr Credo: Anleger verhalten sich in der Zukunft genauso wie in der Vergangenheit. Haben sich bestimmte Marken früher einmal als Stopps für Abwärtsbewegungen bewährt, sollte dies auch zukünftig gelten.

Optimisten hoffen bislang noch, dass sich der Markt von der Schockstarre auch schnell wieder erholen könnte. Der Markt ist aktuell sehr volatil. Kurssprünge von mehreren 100 Punkten innerhalb eines Tages sind derzeit möglich – im besten Fall auch nach oben. Von einer Art Normalität sind die Börsen allerdings momentan weit entfernt.

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