Dax-Chartanalyse
Dax im Korrekturmodus

Nach vier Jahren nahezu ununterbrochener Hausse haben etliche Anleger nun Gewinne mitgenommen. Die Korrektur war nötig. Der Auftakt für eine Baisse muss das jedoch nicht sein. Auf welche Marken Anleger achten sollten.
  • 1

DüsseldorfEs poltert an der Börse. Vom Hoch bei 12.377 Punkten ist der Dax nach rund einem Monat Talfahrt nun mehr als 1.000 Zähler entfernt. „Der Markt ist auf Verkaufen gepolt. Viele Anleger wollen derzeit aussteigen und Gewinne realisieren. Das ist ein Trend, der sich in den kommenden Wochen fortsetzen dürfte“, sagt Franz-Georg Wenner. Der Rücksetzer beim Dax hat den Chartanalysten nicht sonderlich überrascht.

„Normalerweise sinkt die Volatilität in einem Aufwärtstrend. Doch in den vergangenen Monaten ist die Nervosität an den Märkten zusammen mit den Kursen gestiegen. Das hat schon darauf hingedeutet, dass eine Korrektur bevorsteht“, so Wenner. Ein weiteres Indiz: Seit Anfang Januar hat sich der Dax immer weiter nach oben von seinen lang- und mittelfristigen Durchschnittswerten entfernt. Die 100-Tage-Linie bei 11.031 und die 200-Tage-Linie bei 10.218 Punkten sind selbst nach den Panik-Verkäufen am Dienstag dieser Woche noch immer nicht erreicht.

„Da ist noch Potenzial nach unten. Das wird die Börse nach und nach abarbeiten“, so Wenner. Dann allerdings würde es spannend. „Solange der Dax über zehntausend Punkten notiert, ist der seit Oktober 2014 bestehende Aufwärtsimpuls intakt. Noch ist es einfach nur eine gesunde Korrektur. Von einer Baisse kann im Moment also noch nicht die Rede sein“, so Wenner.

In der Tat ist derzeit gut zu beobachten, dass der Bereich um die 10.200 Punkte herum nicht nur von anderen Analysten, sondern vor allem von den zahllosen Handelssystemen, die mittlerweile den Markt beherrschen, als wichtige Unterstützung angesehen wird. Sobald sich der DAX dieser Marke nähert, sorgen massive Käufe kurzfristig für eine Gegenbewegung nach oben.

„Es kann sehr gut sein, dass diese Unterstützung hält“, sagt Jörg Scherer von HSBC Trinkaus. Die Korrektursignale seien zwar vorhanden: Einem Top am 20. März folgte ein Rücksetzer, ein höheres Top am 10. April, ein erneuter Rücksetzer und danach wiederum tieferes Top am 27. April. Charttechniker nennen drei Tops mit dem höchsten Wert in der Mitte eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Solchen Chartformationen folgt oftmals ein starker Kursabschwung. So kam es auch diesmal.

Doch es gibt auch Anzeichen dafür, dass es sich tatsächlich nur um eine Korrektur und nicht um das Ende des langfristigen Aufwärtstrends handelt, der nun schon seit 2009 andauert. „Die jüngste Schulter-Kopf-Schulter-Formation hat sich in gerade einmal knapp sechs Wochen entwickelt. Würde eine so kurzfristige Formation einen Trend beenden, der sich über sechs Jahre aufgebaut hat, wäre das schon sehr ungewöhnlich“, so Scherer.

Kommentare zu " Dax-Chartanalyse: Dax im Korrekturmodus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer es immer noch nicht glaubt, dass die gegenwärtige Börsenhausse rein liquiditätsgetrieben ist und fundamental nichts dahinter steht, was diese Aktien-"Preise" rechtfertigen würde, der sollte sich erst recht die Korrektur in den letzten Wochen ansehen: "Fundamental" hat sich hier überhaupt nichts geändert, aber den Aktienmärkten wurde die wichtigste Triebkraft entzogen: die Liquidität.
    Wir sahen also DEFLATION IN REINKULTUR: Deflation im eigentlichen Sinne bedeutet nämlich Liquiditätsschock, und die fallenden Preise sind lediglich die Folge (genau, wie bei Inflation steigende Preise nur die Folge sind - nämlich einer Ausweitung der ungedeckten Geldmenge).
    Dieser Liquiditätsentzug war natürlich manipulativ, der USDX drohte, durchs Dach zu gehen, der EUR stand vor der Starkabwertung. So haben die Marktmanipulateure die Aktienkorrektur also in Kauf genommen, um den EUR kurzfristig vor dem Untergang zu bewahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%