Dax-Strategie
Doch Free Lunch an der Börse?

Es klingt wie ein Märchen: Sie stecken einen Teil Ihres Geldes in ein Investment auf steigende Kurse, setzen gleichzeitig mit der gleichen Summe auf fallende Kurse – und am Ende machen Sie ohne jedes Risiko einen Gewinn.
  • 0

Die Basis für diese Rechnung ist amtlich, sie stammt von der Deutschen Börse AG: Der Aktienindex Dax und sein negatives Spiegelbild, der Short-Dax. Die Kombination aus beiden macht eine atemberaubende Hochrechnung möglich.

Der Begriff Short bezeichnet im Finanzjargon die Spekulation auf fallende Kurse. Der klassische Anleger dagegen ist Long, etwa als Besitzer eines normalen Dax-Zertifikats. Beispiel: Am vergangenen Mittwoch legte der Dax um 2,32 Prozent zu, der Short-Dax verlor 2,30 Prozent. Der marginale Unterschied liegt an zusätzlichen Zinszahlungen, die in den Short-Dax einfließen.

Die Deutsche Börse brachte den Short-Dax in diesem Jahr als Index auf den Markt. Dazu lieferte sie auch zurückgerechnete Kursdaten zum Dax und seinem Spiegelbild (siehe Charts). Der Dax also für Haussiers, der Short-Dax für Baissiers und beide zugleich ein Nullsummenspiel? Weit gefehlt! Das zeigt eine Hochrechnung anhand der Wendepunkte des Aktienmarktes (siehe Tabelle).

Wer im März 2003 je 5 000 Euro in den Dax und in den Short-Dax investiert hätte, verlor im Short-Dax zwar 70,7 Prozent, er gewann aber im Dax 268 Prozent. Die 5 000 Euro im Short-Dax dampften auf 1 465 Euro ein, aus den 5 000 Euro auf den Dax wurden 18 400 Euro, insgesamt also 19 865 Euro. Bei einem Einsatz von 10 000 Euro wären das vor Gebühren 99 Prozent risikoloser Gewinn in vier Jahren.

Der Hintergrund dieser verblüffenden Rechnung ist banal: Wenn von zwei entgegengesetzt laufenden Wertpapierpositionen die eine viel weiter steigen kann als die andere, bleibt unterm Strich insgesamt mehr übrig. Dieser Effekt wirkt vor allem, wenn sich eine Position mehr als verdoppelt, denn auf der anderen Seite können Zertifikate auf Dax oder Short-Dax nur bis zu 100 Prozent verlieren. Im klassischen Termingeschäft wird das ausgeglichen, indem vom Käufer nachgeschossen werden muss. Bei Zertifikaten ist das nicht so.

Seite 1:

Doch Free Lunch an der Börse?

Seite 2:

Kommentare zu " Dax-Strategie: Doch Free Lunch an der Börse?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%