Der Markt boomt
Deutsche Standardwerte bieten weiteres Kurspotenzial

Der Derivatemarkt in Deutschland boomt. Die Emittenten warten immer wieder mit neuen Varianten des ohnehin noch jungen Marktsegments Zertifikate auf. Viele Anleger greifen die Emissionstrends der Banken auf, etwa die Discountzertifikate oder jüngst auch die Bonuszertifikate. Aber auch die gewöhnlichen Indexzertifikate - ohne Hebeleffekte - finden Anklang, vor allem jetzt, wo die Börsenkurse wieder steigen.

HB FRANKFURT/M. Manch einem eher konservativen Anleger ist aber noch gar nicht klar, das für ihn Indexzertifikate eine sinnvolle Anlage sind - unter dem Begriff "Zertifikat" kann er sich nichts vorstellen. So kauft er lieber Fonds - und zahlt viel zu hohe Gebühren. Dabei ist es ein Hauptvorteil der Papiere, dass keine Managementgebühren oder Ausgabeaufschläge anfallen. Außerdem haben mehrere Banken Dax- und Euro-Stoxx-50-Papiere ohne Spread (Differenz von An- und Verkaufspreis) begeben.

Wert schwankt im Gleichlauf mit dem Index

Auch die Preisentwicklung ist nicht schwer zu verstehen: Der Wert des Papiers schwankt im Gleichlauf mit dem Index. Mittlerweile begeben die Banken meist Endlos-Zertifikate, so dass auch das Argument von Fondsmanagern entfällt, die Papiere liefen im Gegensatz zu Fonds ab. Allerdings ist "endlos" nicht wörtlich zu nehmen: Open-End Zertifikate müssen aus bilanziellen Gesichtspunkten eine Kündigungsmöglichkeit seitens des Emittenten haben. In der Regel hat die Bank frühestens nach drei bis fünf Jahren erstmals ein Kündigungsrecht. Allerdings muss eine Kündigung sehr früh bekannt gegeben werden (zum Beispiel ein Jahr vorher). Und dass eine große Bank allerdings Zertifikate kündigen wird, ist unwahrscheinlich - bedenkt man etwa den Imageschaden, der damit verbunden wäre.

Anleger sollten in jedem Fall auf einen renommierten Namen der Emittentin achten. Und gleichzeitig bietet sich ein Blick auf die Zahlungsfähigkeit der Bank an: Zertifikate sind nämlich Inhaberschuldverschreibungen. Geht die Bank pleite, werden Anleger aus der Konkursmasse gleichrangig mit anderen Gläubigern bedient. Investoren sollten also nur Papiere von Banken erster Bonität kaufen.

Suche nach dem richtigen Index

Wenn diese Punkte geklärt sind, gilt es, nach dem Index mit dem größten Aufwärtspotenzial Ausschau zu halten. Dabei gibt die Chartanalyse Orientierung; dabei schätzen die Analysten ein, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich ein bestimmtes Muster in einem Chart ausbilden wird. Die Grundüberlegung dazu ist: Alle Marktfaktoren schlagen sich unmittelbar in den Kursen nieder. In gewissen Marktsituationen reagieren Anleger immer wieder ähnlich, so dass sich bestimmte Kursmuster wiederholen.

Aktuell sind viele Chartexperten der Meinung, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) noch einige Luft nach oben hat. So betont etwa Chartanalyst Marcus Metz von Staud Research in Bad Homburg: "Beim Dax ist kein Ende des Positivtrends in Sicht." Zwar könne es in der gegenwärtigen Börsenlage immer mal wieder zu Rückschlägen kommen, doch derzeit könne das Barometer der deutschen Standardwerte bis auf 3 850 Punkte klettern. Der dort verlaufende langfristige Abwärtstrend dürfte dann allerdings nur schwer im ersten Anlauf zu knacken sein, vermutlich stehe dann eine Konsolidierung an. Metz zufolge bestehen auf Jahressicht aber durchaus gute Chancen, dass der Index diese Hürde nimmt.

Experten sehen hohes Potenzial beim Dax

Im Vergleich zum europäischen Kursbarometer DJEuro Stoxx 50 und zum US-Aktienindex S&P-500 räumen auch der Darmstädter Chartexperte Felix Pieplow und Commerzbank-Chartexpertin Sandra Schiller dem Dax das größere Potenzial ein, nämlich Zuwächse von rund 15 Prozent auf Sicht von einem Jahr. Einige Experten begründen das höhere Potenzial beim Dax auch mit der Indexstruktur, also den darin enthaltenen Aktien.

An zweiter Stelle folgt dann bei den meisten Experten Euroland, denn viele meinen, die Aktien in den USA seien bereits hoch bewertet und hätten daher nicht mehr sehr viel Spielraum. Metz etwa meint, der S&P-500 könnte bis 1 100 Zähler steigen, doch auf diesem Niveau wäre eine "größere Konsolidierungspause nur schwer zu umgehen." Pieplow betont, ein starker Anstieg sei nur dann möglich, wenn sich der Dollar stark abschwächen würde, was er aber für unrealistisch hält.

Für den DJ Euro-Stoxx-50-Index hält Metz als Nahziel ein Niveau von rund 2 700 Punkte für möglich. Danach könnte dann eine "ausgiebigen Konsolidierung" folgen, anschließend dann eine weitere Aufwärtsetappe. Metz: "Dann ist eine Rückkehr über die Marke von 3 000 Punkten denkbar.

Wer sich zwischen Indexzertifikaten auf den Dax und den DJ Euro Stoxx 50 entscheiden will, sollte dabei auch bedenken, dass Dividenden in diese Aktienindizes unterschiedlich einbezogen werden: Der DJ Euro-Stoxx-50 ist ein Kursindex, in den keine Dividendenzahlungen einfließen. Dagegen ist beispielsweise der Deutsche Aktienindex ein so genannter Performance-Index, bei dem diese Zahlungen eingerechnet werden.

Die Grundlagen.

Bewertung: Aktuell sind Aktienbarometer in den USA gegenüber dem Euro Stoxx 50 höher bewertet. Experten sehen daher mehr Kurspotenzial in Euroland, insbesondere in Deutschland.

Indexstruktur: Der mit zyklischen Titeln wie Finanzaktien hoch gewichtete Deutsche Aktienindex schwankt stärker als der mit Öl-, Pharma- und Nahrungsmittelaktien breiter aufgestellte Euro-Stoxx-50. Zieht die Konjunktur an, dürfte der Dax stärker steigen.

Währungsrisiken: Wer Zertifikate aus Euroland kauft, braucht sich über die Wechselkursentwicklung des Dollars gegenüber dem Euro (und mögliche Währungsverluste, die Kursgewinne aufzehren) nicht zu sorgen.

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