Derivate
Anleger bei Aktien und Renten pessimistisch

Viele Händler hatten mit einem Aufbäumen des Dax gerechnet und wurden kalt erwischt. Interesse zeigten sie am Bund-Future und dem LBB Bund Future Bär Index.
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FrankfurtDie Stimmung der Derivateanleger ist am Freitag außergewöhnlich schlecht gewesen. Sowohl bei deutschen Aktien als auch bei deutschen Staatsanleihen setzten die Anleger auf weiter fallende Kurse. „Dass in beiden Marktsegmenten gleichzeitig die Pessimisten überwiegen, kommt selten vor“, sagte Händler Atakan Sahin von der Baader Bank.

An der Scoach machten verkaufte Calls und gekaufte Puts bis zum Nachmittag 60 Prozent aller gehandelten Hebelprodukte auf den Dax aus. „Dahinter stecken fast ausschließlich Call-Verkäufe“, sagte Sahin. Viele Anleger seien auf dem falschen Fuß erwischt worden, weil sie nach der lang anhaltenden Talfahrt des Dax auf eine Gegenbewegung spekuliert hatten. Nun verkauften sie Calls, um ihre Verluste zu begrenzen. Andererseits griff fast niemand zu Put-Optionsscheinen. Händler begründeten das damit, dass viele Anleger sich schon ins Wochenende verabschiedet hätten – auch vor dem Hintergrund des verkürzten Handels in den USA am Freitag.

Zu den Dax-Scheinen, die besonders stark aussortiert wurden, gehörten ein Turbo-Call mit Basispreis und Knock-Out-Barriere bei 4950 Punkten von der Commerzbank und ein Turbo-Call mit Basispreis und Barriere bei 5350 Punkten von der Deutschen Bank. Der Dax notierte rund 0,2 Prozent im Minus bei 5416 Punkten. Neben dem Dax bleibt der Bund-Future für viele Derivateanleger der momentan interessanteste Basiswert. Dabei setzen die meisten Anleger auf einen weiteren Kursrückgang des Terminkontraktes, der sich auf die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bezieht. Sie kaufen Knock-Out-Puts, um davon zu profitieren.

Ein Zertifikat auf den LBB Bund Future Bär Index der Landesbank Berlin wurde an der Scoach bis zum Nachmittag mit deutlichem Abstand am meisten gehandelt. „Das wird durchweg gekauft“, sagte Händler Atakan Sahin. Ebenfalls beliebt war ein Turbo-Put auf den Bund-Future mit Basispreis und Barriere bei 141,75 Punkten von der Commerzbank. Der Bund-Future notierte am Nachmittag tiefer bei 134,50 Punkten.

Zwei neue Put-Optionsscheine der Commerzbank mit Basispreis bei einem Euro, die davon profitieren würden, dass das eigene Haus ein Pennystock wird, spielten dagegen fast keine Rolle im Handel. Der eine Put wurde an der Scoach bis zum Nachmittag fünf Mal und an der Euwax ein Mal gekauft, der andere Schein wurde an der Scoach überhaupt nicht und an der Euwax ganze zwei Mal gehandelt. Am Freitagnachmittag kostete die Commerzbank-Aktie 1,22 Euro und damit rund 0,5 Prozent mehr als am Ende des vorigen Handelstages. Händler begründeten das geringe Interesse damit, dass die Commerzbank-Aktie momentan generell nicht im Fokus der Derivateanleger stehe. Zudem seien die beiden neuen, gestern emittierten Produkte keine Besonderheit, denn Anleger könnten mit hunderten Scheinen der Commerzbank auf einen fallenden Kurs der eigenen Aktie setzen. Eine Meinung des Instituts über die Kursentwicklung der eigenen Aktie lasse sich daraus nicht ableiten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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