Derivate-Branche
Kursverlust steigert die Risikoscheu

Schlechter hätte der Start in das Jahr 2008 an der Börse nicht ausfallen können. Der Derivate-Branche, die mit ihren Produkten auf das Sicherheitsbedürfnis der Anleger abzielt, spielt das in die Hände. Zertifikate-Anleger entscheiden sich zunehmend für Produkte mit hohem Sicherheitspuffer. Allerdings haben Investoren auch negative Erfahrungen gemacht.

FRANKFURT. Mehr als 20 Prozent gab der Deutsche Aktienindex in der Spitze nach. Viele Einzelwerte, allen voran Titel aus der Finanzbranche, fielen noch viel stärker zurück. Die traditionell stark ausgeprägte Risikoscheu der deutschen Privatanleger ist durch die hohen Verluste noch verstärkt worden. .

Allerdings haben Investoren im jüngsten Rückschlag auch mit Derivaten zum Teil negative Erfahrungen gemacht. Denn die Verluste fielen so hoch aus, dass eine Reihe von Zertifikaten, die im Vergleich zur Direktanlage in Aktien mehr Sicherheit bieten sollen, diese Schutzfunktion nicht ausfüllen konnten.

Besonders tiefe Spuren hinterließ der Kursrückschlag im Segment der Bonuszertifikate. Nach Angaben des Datenanbieters Ariva verloren im Januar rund ein Fünftel der gut 60 000 gelisteten Papiere dieser Art ihren Schutzpuffer, weil die Kurse die Sicherheitsbarriere nach unten durchbrachen. Die Barriere eines Bonuszertifikats, die stets unter dem Einstiegskurs liegt, ist entscheidend für die Rückzahlung des Zertifikates am Ende der Laufzeit. Fällt der Kurs des Basiswertes, auf den sich das Wertpapier bezieht, nie unter der Barriere, erhalten Anleger auf jeden Fall ihr Kapital plus einen fixen Bonus ausgezahlt. Gehen die Rückschläge jedoch über die Schutzschwelle hinaus, bildet das Zertifikat anschließend eins zu eins den Kurs des Basiswertes ab. Im Vergleich zu einer Direktanlage in Aktien stehen Investoren damit insgesamt schlechter da, weil sie als Preis für den Schutzmechanismus auf Dividendenzahlungen verzichten.

Die Kritik, Bonuszertifikate hätten ihr Sicherheitsversprechen gebrochen, weisen die Derivate-Emittenten jedoch von sich. Viele Anleger hätten nach fünf positiven Börsenjahren den Blick auf die Risiken etwas aus den Augen verloren: „Im Gegensatz zu den meisten institutionellen Anlegern, die nur selten Zertifikate mit einem Sicherheitspuffer unter 30 Prozent kaufen, schauen Privatanleger mitunter zu einseitig auf hohe Renditechancen und übersehen, dass diese immer zu Lasten der Sicherheit gehen“, sagt Christine Dillinger, Vertriebsleiterin für Anlageprodukte in Deutschland und Österreich bei der BNP. „Die jüngste Bewegung hat aber gezeigt, dass ein Sicherheitspuffer von zehn bis 15 Prozent nicht ausreicht, um Marktschwächen unbeschadet zu überstehen.“

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