Derivate
Terminbörsen: Alle Hände voll zu tun

Seit der Finanzkrise ist der Handel mit Derivaten öffentlich umstritten und Risikoschutz gefragter denn je. Besonders Terminbörsen gelten darum als Gewinner der aktuellen Krise. Auch die Zertifikateanbieter reagieren auf die neue Nachfrage und stellen sich mit übersichtlichen Angeboten neu auf.

FRANKFURT. Wohl noch nie zuvor standen Derivate - künstliche Finanzprodukte wie Swaps, Forwards, Optionen und Futures - so sehr im Fokus der Weltöffentlichkeit wie derzeit. Von Banken kreierte Derivatetypen, die maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Finanzmarktakteure zugeschnitten sind und im Freiverkehr (OTC) gehandelt werden, gelten als eine der Keimzellen der Wirtschaftskrise. Dieser OTC-Derivatemarkt weist eine Größe von fast 600 Billionen US-Dollar auf.

Drunter und drüber ging es zuletzt bei Kreditderivaten wie Credit Default Swaps (CDS). Hier ist das ausstehende Volumen wegen massiver Wertverluste und Kontraktschließungen in wenigen Monaten von 65 auf nur noch 45 bis 50 Billionen Dollar geschrumpft. Und so überrascht es nicht, wenn der neue US-Finanzminister Timothy Franz Geithner vehement fordert, das Regelwerk dieser OTC-Derivate nachhaltig zu verbessern und mehr Transparenz herzustellen. Geithner weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er sich in verschiedenen Rollen im Finanzministerium und als Präsident der Federal Reserve Bank of New York seit Jahren intensiv mit dem Derivate-Komplex beschäftigt.

Seit mehr als einer Dekade hat sich das ausstehende Volumen am Markt der OTC-Kreditderivate Jahr für Jahr fast verdoppelt. Jetzt scheint die Spitze erreicht; denn erstmals seit Beginn der statistischen Erfassung des CDS-Marktes hat die Bank für Internationalen Zahlungsaugleich (BIZ) eine Abkühlung festgestellt. "Der jüngste Rückgang war überwiegend einer deutlich höheren Zahl multilateraler Kündigungen von CDS-Kontrakten zuzuschreiben", heißt es im Quartalsbericht der BIZ.

Ein Weg zur weiteren Entspannung der prekären Lage wird von den Kontroll- und Aufsichtsbehörden in Europa und in den USA darin gesehen, diese wenig transparenten und nur unzureichend beaufsichtigten Märkte für OTC-Derivate stärker mit den regulierten Terminbörsen zu verzahnen. Die Abwicklung und Abrechnung von OTC-Derivaten soll aus diesem Grund künftig stärker über die Clearinghäuser von Terminbörsen laufen (mit diesem Aspekt befasst sich der Bericht auf Seite 4).

Stark von der globalen Krise betroffen ist ein weiteres Derivate-Segment- der vor allem auf private Anleger zielende Markt für Zertifikate, Optionsscheine und andere strukturierte Produkte. Diese Papiere sind seit Jahren beliebt. Das Produktangebot ist im Laufe der Zeit stark angestiegen - mittlerweile sind aber auch Papiere auf dem Markt, die nicht den Bedürfnissen der Anleger entsprechen.

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