Derivate
Zertifikate-Portfolios sind oft Flickenteppiche

FRANKFURT. Ob Rohstoff, Infrastruktur oder Ökologie: Kaum ist ein Anlagetrend geboren, schon gibt es für fast jedes Risiko-Rendite-Profil das passende Zertifikat. Die Folge: Bei der Vielfalt der angebotenen Produkte kann man heute theoretisch ganze Portfolios zu einem Großteil über Zertifikate abdecken und auf Aktien und Renten weitgehend verzichten. Dass Zertfikate ein immer wichtigerer Portfoliobaustein werden, hat neben der hohen Flexibilität dieser Instrumente zwei wesentliche Gründe. Erstens lassen sich vor allem passive Strategien über Zertfikate kostengünstig umsetzen. Zweitens können Zinserträge oder Dividenden, die bei Fonds oder Direktanlagen zu versteuern wären, bis Ende 2008 in steuerfreie Kursgewinne umstrukturiert werden.

Trotz der unbestrittenen Vorteile und der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten gleichen die meisten Zertifikate-Portfolios einem Flickenteppich. „An der Zusammensetzung der Portfolios lassen sich mehr die Vertriebsschwerpunkte der Banken als konkrete Anlagestrategien ablesen“, sagt Sven Gundermann von Raif & Gundermann, der sich auf die Vermögensverwaltung mit Zertifikaten spezialisiert hat und einen breit diversifizierten Zertifikate-Fonds managt.

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Während man in der Fondsindustrie die Vermögensverwaltung mit Fonds bereits länger als Geschäftsfeld entdeckt hat, scheinen die Zertifikate-Häuser dieses Anlegerbedürfnis noch nicht intensiver aufgenommen zu haben.

Aber auch die meisten Vermögensverwalter nutzen Zertifikate nur selektiv. Im Einzelnen variiert der Einsatz von Derivaten dabei in Abhängigkeit vom Anlageziel und der Zertfikate-Gattung. Während Deep-Discount-Zertifikate von Anlegern z. B. relativ häufig als Festgeldersatz genutzt werden, scheint das mit diesen Instrumenten verbundene Bonitätsrisiko den Einsatz der grundsätzlich interessanten Indexzertfikate als Basisanlage zu bremsen.

Dass die Vorteile von Zertfikaten in bestehenden Portfolios häufig nicht zum Tragen kommen, hat aber noch weitere Gründe. „Problematisch ist, dass ein neues Zertifikat im Portfolio häufig eine Teil- aber keine Gesamtlösung ist“, kritisiert Gundermann. Gerade in letzter Zeit wurden z. B. mit Blick auf die inzwischen stark gestiegenen Kurse viele Reverse-Zertifikate nachgefragt, mit denen Anleger von rückläufigen Notierungen profitieren können. Hat ein Kunde jedoch bereits ein Portfolio mit Instrumenten, die auf steigende Kurse setzen, ist der Effekt des neuen, für das aktuelle Umfeld richtigen Produkts fast nicht spürbar. Neben der erstmaligen Strukturierung eines Zertifikate-Portfolios ist daher die regelmäßige Überwachung der Bestände eine der wichtigsten Aufgaben der Vermögensverwalter.

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