Derivate
Zinszertifikate: Sicherer als Aktien, lukrativer als Tagesgeld

Die Stimmung an den Börsen erreicht einen neuen Tiefstand: Laut einer aktuellen Umfrage hält nur noch jeder sechste steigende Börsenkurse für wahrscheinlich. Schwarzseher können mit Derivaten auf Zinsen oder Inflation spekulieren. Zumindest zeitweilig können sie dem Depot eine ansehnliche Rendite bescheren - und das mit begrenztem Risiko.

FRANKFURT. Nur wenige deutsche Privatanleger trauen sich zurück an die Börsen. Zu stark schwanken derzeit die Aktienkurse. Sicherer als manche Aktie und lukrativer als Tagesgeld können börsenunabhängige Zertifikate sein. Zumindest zeitweilig können sie dem Depot eine ansehnliche Rendite bescheren. Derivate auf Interbanken- und Auslandszinsen oder auch auf Inflationsraten locken manchmal mit vergleichsweise attraktiven Kupons - ohne jedes Aktienmarktrisiko.

Laut einer aktuellen Umfrage von JP Morgan hält nur noch jeder sechste Investor steigende Börsenkurse für wahrscheinlich. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) befragte der US-amerikanische Vermögensverwalter für das alljährliche Investmentbarometer 2 000 Frauen und Männer. Die Stimmung erreichte jetzt einen neuen Tiefstand: "So negativ waren die Befragten nicht einmal in der turbulenten Zeit im Oktober des vergangenen Jahres gestimmt", sagt Jean Guido Servais von JP Morgan.

Zertifikateemittenten bieten Börsenskeptikern eine Vielzahl von Papieren an, die auch ohne Aktien als Basiswert auskommen (siehe Tabelle). Denn grundsätzlich können sie jedes Handelsobjekt verbriefen und für private Investoren handelbar machen. Doch nur wenige der Papiere sorgen für eine echte Wertentwicklung auch fernab der internationalen Börsen.

Inflationszertifikate zum Beispiel zahlen einen jährlichen Kupons aus, der vom harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI ex Tobacco) abhängt. "Die Inflation als Bezug für Investitionsentscheidungen ist bei Anlegern wieder ein Thema", sagt Roland Lang von Morgan Stanley. Die Inflationsanleihe aus seinem Hause zahlt im ersten Jahr der Laufzeit fixe fünf Prozent und in zwei darauf folgendenden Jahren einen vom HVPI abhängigen Kupon plus 1,25 Prozent. "Die garantierte Realverzinsung auch bei negativer Inflation ist ein weiteres Highlight des Papiers", wirbt Lang. Denn derzeit steht die Inflationsrate vergleichsweise niedrig. Experten zufolge könnte sie im Jahresverlauf sogar noch weiter fallen. Schlecht für Derivatebesitzer, denn in einem solchen Fall erhalten sie eine Mindestverzinsung weit unter dem aktuellen Tagesgeldsatz. Bei der neuen Inflationsanleihe der Hypo-Vereinsbank zum Beispiel wären das derzeit nur rund 2,2 Prozent.

Einen ebenfalls nur geringen Aufschlag verspricht ein Euribor-Zertifikat von der DZ Bank. Das Papier ist an den dreimonatigen Interbankenzins gekoppelt. Zusätzlich zahlt die Emittentin einen jährlichen Aufschlag zwischen 1,3 und 1,7 Prozent aus. Der variable Kupon beträgt derzeit rund drei Prozent.

Eine weitaus höhere Rendite unabhängig vom Aktienmarkt versprechen Zinszertifikate von der Royal Bank of Scotland (RBS). Von Australien bis Ungarn können Investoren auf zum Teil zweistelligen Kurzfrist-Zinsen setzen. Aber: "Neben den Zinsen beeinflussen auch Währungseffekte die Auszahlung des Papiers", sagt Funda Tarhan von der RBS. Ein ungünstiger Wechselkurs kann trotz positiver Gutschriften zu Wertverlusten führen.

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