Derivatebörsen
Die Schwellenländer legen enorm zu

In der westlichen Welt hat das Image von Derivaten stark gelitten, sie gelten als Keimzelle der Finanzkrise. In den Schwellenländern dagegen weisen Derivatebörse weisen enorme Zuwachsraten auf. Worauf der Boom in China, Indien und Brasilien fußt und wie es weitergeht.
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INTERLAKEN. Derivate stehen in den Industrieländern am Pranger: Sie sollen die Keimzelle der größten Finanzkrise seit mehr als 80 Jahren gewesen sein. Von New York über London bis hin nach Frankfurt hat das Image dieser Finanzprodukte stark gelitten.

Völlig anders stellt sich die Lage in den Schwellenländern dar, wo seit Jahren immer mehr Derivatebörsen entstehen. Dieser Boom kommt nicht von ungefähr; denn in den Emerging Markets hat man die Vorteile erkannt, die Derivate bei einem sinnvollen und verantwortungsvollen Umgang bieten.

Ein erhebliches Plus für die Emerging Markets ist darin zu sehen, dass man die Derivate-Idee dort vor allem über organisierte und durch Aufsichtsbehörden regulierte Terminbörsen umsetzt und der OTC-Markt - also das Geschäft mit bilateralen direkten Abschlüssen zwischen Banken - bei weitem nicht jenes Ausmaß erreicht wie in den westlichen Industrieländern.

Aktuelle Zahlen zeugen von einer neuen Qualität des Derivate-Booms in den Emerging Markets. Denn in der ersten Hälfte dieses Jahres lag das Umsatzwachstum von Optionen und Futures an den Terminbörsen in Lateinamerika bei über 63 Prozent und in Asien bei rund 52 Prozent. Nordamerikas Terminbörsen brachten es während dieses Zeitraums gerade einmal auf eine Steigerung von knapp 16 Prozent.

Schwellenländer rücken in die Top 10 der Derivate-Börsen auf

In der einstmals von Derivatebörsen aus den USA und aus Europa dominierten Rangliste der zehn umsatzstärksten Märkte sind inzwischen vier Börsen aus den Emerging Markets zu finden. Würde man Südkorea als Schwellenland einordnen, so würde sich diese Zahl auf fünf erhöhen.

Als die größte Schwellenland-Terminbörse hat sich die National Stock Exchange of India herauskristallisiert, die ihre Umsätze im vergangenen Jahr um immerhin 97,1 Prozent steigerte. Dass die vom indischen Unternehmer Jignesh Shah gegründete Multi Commodity Exchange of India Rang elf in dieser von der Futures Industry Association (FIA) in Washington erarbeiteten und veröffentlichten Liste einnimmt, zeugt von der zunehmenden Bedeutung der Derivate am seit Jahren boomenden indischen Finanzmarkt.

Die Gründe dafür, dass sich Indiens Terminbörsen dabei sehr stark auf Rohstoffe fokussieren, liegen nicht nur im Rohstoffreichtum des Landes, sondern hat auch historische Ursachen. "Es kann nicht geleugnet werden, dass die Zivilisation während der vergangenen Jahrhunderten vor allem auf der stärkeren globalen Vermarktung von Rohstoffen beruht", sagt Jignesh Shah. Man dürfe nicht vergessen, dass ein großer Teil des indischen Wohlstands auf dem Handel mit Rohstoffen beruhe.

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