Derivatebranche
Zertifikate-Ratings stiften Verwirrung

Über zu wenig Informationen aus der Zertifikatebranche können sich die Investoren derzeit nicht beschweren. So groß wie zurzeit war das Angebot an Statistiken und Studien rund um die Derivatebranche nie. Dabei ist weniger oft mehr: So manchen Interessenten überfordert die Datenflut.

FRANKFURT. "Den selbstentscheidenden Anlegern wollen wir möglichst alle entscheidungsrelevanten Informationen auf unserer Website zur Verfügung stellen", sagt Jörg Jochen Fischer von Goldman Sachs. Auf der Internetseite des amerikanischen Institutes können sich die Investoren unter anderem mit Börsenkursen in Echtzeit, aktuellen Hebeln und Punktediagrammen über das umfangreiche Derivateangebot informieren. Vor allem bei den vergleichsweise undurchsichtigen Rohstoffprodukten ist das Datenangebot von Goldman Sachs groß: "Wir bieten unter anderem Forwardkurven-Verläufe und für unsere Open-End-Produkte auch eine vollständige Rollhistorie an", erklärt Fischer. "So können sich Anleger ein gutes Bild über die Rolleffekte in den jeweiligen Produkten machen."

Eine andere Strategie verfolgen die Derivateexperten von der BNP Paribas. Sie wollen die Informationen auf ihrer Internetseite so einfach wie möglich halten. "Zuviel Zahlen und Fakten überfordern auch erfahrene Investoren", sagt Matthias Nicklowitz. "Sogar viele Selbstentscheider können mit komplizierten Zertifikatstrukturen und exotischen Basiswerten nichts anfangen." Das französische Institut setzt künftig auf vergleichsweise schlichte Papiere auf bewährte Basiswerte. "Mehr als ein Reverse Capped-Bonus braucht der deutsche Markt nicht", sagt Nicklowitz.

Neben den Emittenteninformationen sollen auch zahlreiche neue Zertifikateratings für Orientierung auf dem teils unübersichtlichen Derivatemarkt sorgen. Neben Scope, der European Drivatives Group (EDG) und dem Institut für Zertifikateanalyse (IZA) bietet seit der vergangenen Woche auch die für Fondsratings bekannte Agentur Feri Eurorating Services eine Bewertung von Anlagezertifikaten an. Zunächst werden nur Index-, Discount-, Bonus- und Garantie-Zertifikate bewertet. Ziel des Ratings ist es, nicht nur private Investoren, sondern auch institutionelle Anleger, Bankberater und Vermögensverwalter bei der Auswahl des richtigen Produkts zu unterstützen. "Das Feri Zertifikaterating soll mehr Transparenz schaffen", sagt Tobias Schmidt, Vorstandsmitglied bei Feri EuroRating Services. Die Bewertung soll nicht nur die Produkt- sondern auch die Emittentenqualität berücksichtigen. Darüber hinaus will Feri quantitative und qualitätive Faktoren in die Benotung der Papiere einfließen lassen. Selbst ein Ausblick in die Zukunft soll möglich sein: Auch das Potenzial und die Wahrscheinlichkeit von Gewinn und Verlust eines Zertifikats will Feri messen können.

Die Transparenz auf dem Zertifikatemarkt wollen auch die übrigen Ratingagenturen verbessern. Doch Scope, EDG und IZA arbeiten vergleichsweise eng mit den Emittenten zusammen. Brancheninsider zweifeln daher immer wieder die Unabhängigkeit der Bewertungen an. Informierte Kreise wissen: Ratings werden teilweise bezahlt und zu Werbezwecken eingesetzt. Und sie werden nur dann veröffentlicht, wenn sie positiv für den Emittenten ausfallen. Auch können Papiere noch vor ihrer Veröffentlichung nachgebessert werden. Doch das sei kein Problem, sagt ein Rater - so lange die Veröffentlichungen zu mehr Transparenz und besseren Produkten führten. Und die enge Zusammenarbeit ist von Seiten der Ratingagenturen sogar gewollt. Denn ohne die Emittenten könnten sie sich nicht finanzieren.

Ganz im Gegenteil zu Feri, die sogar während der Entwicklungsphase ihres Bewertungssystems absichtlich nicht an die Emittenten als Informationsquelle herangetreten sind. Das sichert zwar die Unabhängigkeit des Feri-Ratings, kann Expertenangaben zufolge aber auch nachteilig wirken. "Wir hätten Feri gern mit Informationen zu unseren Zertifikaten versorgt, wenn sie uns gefragt hätten", sagt Matthias Nicklowitz von der BNP Paribas. Auf dem Fondssektor verfügt Feri zweifellos über eine langjährige Expertise. Auf dem Gebiet der Zertifikate sind die Bad Homburger allerdings Neulinge. Und dennoch verfolgen sie ein hehres Ziel: "Wir wollen einen Beitrag zur Wiederherstellung des Anlegervertrauens in den Zertifikatemarkt leisten", sagt Feri-Vorstand Schmidt. Noch ist diese Dienstleistung kostenlos und für alle Investoren frei zugänglich.

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