Derivatemarkt
Keinen Bock auf Komplex-Produkte

Die Börsenumsätze mit Derivaten sind zuletzt gesunken. Immer weniger Privatanleger handeln nach den Erfahrungen der Finanzkrise mit Zertifikaten. Die Börsenbetreiber finden das gar nicht gut.
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FrankfurtDie Märkte für Finanzderivate haben nicht zuletzt aufgrund der kritischen Begleitumstände der globalen Finanzkrise in den ersten Monaten des Jahres 2012 deutlich an Dynamik verloren. Diese synthetischen Finanzprodukte, die Aktien, Anleihen, Devisen, Rohstoffe und andere Anlageklassen als Basiswerte haben, werden bei institutionellen und privaten Marktteilnehmern inzwischen kritischer gesehen. Dazu tragen auch die Aktivitäten der Regierungen und Aufsichtsbehörden bei, die mit strikteren Regelwerken versuchen wollen, die Akteure an den Derivatemärkten an die Leine zu nehmen. Und doch haben diese Bemühungen der Politiker auch rund vier Jahre nach dem Ausbruch der schlimmsten Finanzkrise seit mehr als 80 Jahren noch nicht zu einer effizienten globalen Lösung geführt.

Höherer Wert durch niedrigeres Zinsniveau
Bei Derivaten wird grob unterschieden in börsengehandelte und außerbörslich, also im Freiverkehr oder am OTC-Markt gehandelte Instrumente. Der OTC-Markt macht noch immer rund 85 Prozent des globalen Derivategeschäfts aus. Allerdings ist das sogenannte Notional - also der Nominalwert der weltweit ausstehenden Kontrakte - bei OTC-Derivaten Ende 2011 auf 648 nach zuvor 706 Billionen Dollar gefallen.
Auf der anderen Seite ist der Bruttomarktwert dieser OTC-Derivate - also jener Wert, der die Wiederbeschaffungskosten der Kontrakte misst - von 19,5 auf 27,2 Billionen Dollar gestiegen. "Dies resultiert vor allem aus dem kräftigen Rückgang der Euro- und Dollar-Kapitalmarktzinsen", erklärt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel diesen Anstieg. Denn dort, wo die Kapitalmarktzinsen sinken, steigt bekanntlich der Wert der zuvor zu höheren Zinsen erworbenen Anleihen und Kredite.
Vergleicht man das ausstehende Volumen an den Finanzmärkten mit dem globalen Bruttoinlandsprodukt von rund 75 Billionen Dollar, so wird deutlich, wie riesig die Derivatemärkte im Vergleich zur Realwirtschaft sind. Dies kann auch zu einer Gefahr für das globale Finanzsystem werden. Denn vor allem das OTC-Geschäft wird gerade einmal von einem Dutzend Großbanken dominiert. Gerät eine dieser Banken in finanzielle Schwierigkeiten - wie in den vergangenen Jahren geschehen -, hat das Auswirkungen auf die Stabilität des Welt-Finanzsystems. Vor allem deshalb drängen die Aufsichtsbehörden darauf, bei der Abwicklung von OTC-Kontrakten von zahlreichen Marktteilnehmern getragene Abrechnungsstellen (Clearinghäuser) einzuschalten.

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