Derivatemarkt
Zertifikate: Am liebsten einfach gestrickt

Ohne Schutz und simple Strukturen geht nichts mehr: Nur einfach verständliche und kapitalgarantierte Zertifikate können die deutschen und ausländischen Banken noch an ihre private Kundschaft verkaufen. Doch das allein reicht nicht: Nur mit einem hundertprozentigen Kapitalschutz trauen sich private Investoren wieder zurück an den Aktienmarkt.

FRANKFURT. "Zertifikate nur mit Teilschutz reichen für die meisten Anleger nicht aus", sagt Derivateexpertin Christine Dillinger von der BNP Paribas. "Aber bei den einfachen Strukturen mit Kapitalgarantie geht noch was." Die französische Bank will auch in den kommenden Monaten nur noch "fallweise" neue Produkte zur Zeichnung auflegen.

So wie die DZ Bank: "Wir legen im Primärmarkt fast ausschließlich Garantiezertifikate auf", sagt Thomas Mildner. Der Abteilungsleiter von der DZ Bank meint mit dem Primärmarkt das Filialgeschäft mit den von Bankberatern vertriebenen Zertifikaten. Die DZ Bank arbeitet zum Beispiel eng mit den Filialen der deutschen Raiffeisenbanken zusammen. Sein Institut schafft es damit gemessen am Marktvolumen regelmäßig auf Platz zwei in Deutschland.

Sein Kollege Stefano Angioni steht mit den Zertifikaten im Sekundärmarkt einer härteren Konkurrenz gegenüber. Der Sekundärmarkt ist der Börsenhandel mit Zertifikaten. "Der selbstentscheidende Anleger auf dem Sekundärmarkt fragt auch Discount- und Bonuszertifikate ohne Kapitalgarantie nach", sagt der Experte. "Auch in der Boomphase des Zertifikatemarktes spielten die Garantiezertifikate für Selbstentscheider lediglich eine untergeordnete Rolle."

Für den deutschen Primärmarkt legen die Emittenten kaum noch neue Produkte auf. Während die reine Anzahl der Zertifikate im Jahr 2007 noch stark stieg, brach der Markt wegen der Pleite der Emittentin Lehman Brothers im Jahr 2008 zusammen. Die vielfach zu komplizierten Auszahlungen kommen bei den Anlegern nicht mehr an. Sie verursachten in der Vergangenheit teils hohe Verluste. "Das Volumen in dem Marktsegment war 2008 deutlich rückläufig", bestätigt der Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbandes (DDV) Lars Brandau.

In diesem Jahr liegt die Zahl der Neuemissionen noch immer auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Und ein starkes Wachstum ist auch in den kommenden Monaten nicht absehbar. Branchenangaben zufolge hat sich der Zertifikatemarkt zwar stabilisiert. Doch das Angebot der Emittenten für die private Bankkundschaft bleibt bis auf weiteres auf die vergleichsweise einfachen Anlage- und Garantie-Zertifikate beschränkt.

Mit den Zeichnungsprodukten aus dem Primärmarkt-Segment versorgen Banken vor allem ihre privaten Kunden. Nur ein dichtes Vetriebsnetz sichert ihnen einen entsprechend hohen Umsatz. Die meisten deutschen Emittenten, wie die Deutsche und die DZ-Bank, aber auch die Commerzbank, verfügen über ausreichend breite Vertriebskanäle. Ausländischen Emittenten mangelt es daran regelmäßig. Sie ziehen sich daher vom deutschen Primärmarkt für Zertifikate zurück.

"In allen Zertifikatekategorien werden genügend Produkte angeboten", sagt Branchenvertreter Brandau aber. "In 2007 wurden vor allem Bonus- und Expressstrukturen auf viele Basiswerte und Laufzeiten angeboten, dadurch ergab sich eine vergleichsweise hohe Anzahl an Zeichnungsprodukten." Doch das scheint nun vorbei - für den Primärmarkt der Zertifikate jedenfalls. "Das Geschäft ist und bleibt eine Frage des Vertriebsnetzes", fügt Brandau hinzu.

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