Derivathandel
Die Politik greift ein

Derivate fachen unter Experten derzeit hitzige Diskussionen an. Dabei sind vor Papiere in die Kritik geraten, die stark kreditbasiert und oft nicht an den Börsen gehandelt werden. Doch gerade börsengelistete Derivate haben sich in der Krise als Fels in der Brandung bewiesen.

FRANKFURT. Einige Experten sehen Derivate als Teufelszeug - andere streichen deren Nutzwert heraus. Beide Seiten liegen richtig. Als Teufelszeug entpuppten sich OTC-Produkte wie Kreditderivate, die als Auslöser der Krise gelten. Deren Abwicklung und Abrechnung war eine Schwachstelle im seit Jahren fragilen - weil zu stark auf dem Faktor Kredit basierenden - globalen Finanzsystem. Die Insolvenz von Lehman Brothers löste am OTC-Markt einen Domino-Effekt und weltweite Schockwellen aus.

Als Fels in der Brandung erwiesen sich in der Krise dagegen börsengelistete Derivate wie Optionen und Futures. Im Gegensatz zu OTC-Produkten sind diese an Terminbörsen gehandelten Derivate transparent und liquide. "Terminbörsen sind der am besten funktionierende Teil der globalen Finanzmarkt-Infrastruktur", sagt Terry Duffy, Chairman der weltweit drittgrößten Terminbörse CME Group. Clearingstellen von Börsen wie Eurex, CME und ICE übernehmen als zentrale Kontrahenten das Bonitätsrisiko miteinander verbundener Geschäftspartner. So hat die Insolvenz einzelner Akteure keine größeren negativen Folgen.

Dies haben auch Politiker erkannt. Zwar spät, aber hoffentlich nicht zu spät. Beim jüngsten G20-Gipfel in Pittsburgh galt deren Schelte vor allem OTC-Derivaten, denen künftig enge Fesseln angelegt werden sollen. Bis zum Jahr 2012 sollen alle standardisierten OTC-Derivate an Börsen oder auf elektronischen Plattformen gehandelt und über als zentrale Kontrahenten (CCP) fungierende Clearinghäuser abgewickelt werden. US-Präsident Barack Obama hatte dies bereits im September in einem Gesetzesentwurf gefordert. Politiker haben auch die Bedeutung des Faktors Eigenkapital erkannt, denn sie verlangen eine höhere Kapitalhinterlegung dieser Geschäfte.

Das Thema Emittentenrisiko beschäftigt seit der Krise auch den Markt für Zertifikate und strukturierte Produkte. Während der Krise war der Markt zusammengebrochen. Zuletzt kam es zu einer Stabilisierung. Banken waren beim Thema Emittentenrisiko kreativ: Sie emittierten durch Staatsanleihen besicherte Zertifikate. Allerdings kosten solche pfandbesicherten Zertifikate-Strukturen Rendite. Die Swiss Exchange (SIX) hat jetzt ein Segment für pfandbesicherte Zertifikate eröffnet. Durchgesetzt hat sich die Idee bisher allerdings nicht. "Das Emittentenrisiko ist heute kaum mehr ein Thema", sagt Marcel Langer von der UBS.

Auf Seiten der Anleger seien heute simple Strukturen gefragt, erklärt Michael Schülli von J.P. Morgan in London. Das Interesse konzentriere sich dabei weiter auf Aktienprodukte. "Die Branche wird das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen", ist Dirk Hess von der Citigroup überzeugt. Dies auch, weil sie einen Ruf als Innovationstreiber habe. Für einige Innovationen kam in der Krise das Aus, andere haben sich durchgesetzt. So der "Equity Investor Marketplace" von UBS, der Anlegern bereits für 20 000 Euro maßgeschneiderte Produkte bietet. Auch die von HSBC Trinkaus geschaffene innovative Möglichkeit, Day-Trading-Produkte auf hochliquide Indizes anzubieten, wird gut angenommen. Diese Produkte können in wenigen Stunden emittiert werden.

Die Innovationskraft des Marktes sollte sich auf Strategien zum sinnvollen Einsatz bestehender Produkte fokussieren, anstatt auf immer neue Strukturen, sagt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus. Emittenten sollten bemüht sein, durch offene Kommunikation und Transparenz die Gunst der Anleger wiederzugewinnen. "Heute muss sich die Branche zu strikter Transparenz bekennen, bevor die Regulierungsbehörden sie dazu verpflichten", so Weyand.

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