Deutsche Anleger investieren bisher noch sehr zurückhaltend Experten empfehlen Rohstoffe zur Risikostreuung

Rohstoffe werden in letzter Zeit insbesondere in Verbindung mit Chinas industrieller Revolution und ihrem unersättlichen Hunger nach Industriemetallen genannt. Während die chinesische Wirtschaft im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre um rund neun Prozent wuchs, nahm ihre Nachfrage nach Kupfer, Aluminium und Stahl um rund das Doppelte zu. Da Rohstoffe knapp sind, steigen die Preise an, was wiederum für Investoren interessant ist.
  • Ina Kirsch

HANDELSBLATT. Es gibt noch weitere Gründe, die für eine Geldanlage in Rohstoffe sprechen: „Rohstoffe korrelieren negativ mit Investments in Aktien oder Renten und eignen sich deshalb sehr gut zur Diversifikation des Portfolios. Außerdem sind sie traditionell ein sehr beliebter Schutz vor Inflationsgefahr. Das gilt insbesondere für Edelmetalle,“ sagt Stefan Gresse, von der ABN Amro Bank in Frankfurt.

Trotz dieser Vorzüge sind Rohstoffe bei den Anlegern in Deutschland bisher nicht sehr gefragt. „Anders als in England, Holland oder den USA ist die Anlageklasse Rohstoff für unsere Kunden noch kein Thema,“ sagt Bodo Gauer, Leiter des Produktmanagements der DZ Bank in Frankfurt. Zwar haben die Volks- und Raiffeisenbanken im letzten Jahr einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag für ein Garantiezertifikat der DZ-Bank auf Rohstoffe sammeln können. Verglichen mit den Volumina, die in andere Garantiezertifikate investiert würden, mache der Betrag aber nur zehn Prozent aus, sagt Gauer.

Die Zurückhaltung der Privatanleger mag aus der Komplexität des Themas resultieren. Nicht nur, dass zur Gruppe der Rohstoffe so verschiedenartige Güter wie Edelmetalle (Gold, Silber, Platin), Industriemetalle (Kupfer, Nickel, Aluminium), Energie (Öl, Gas) und landwirtschaftliche Erzeugnisse (Weizen, Kaffee, Kakao, Baumwolle, Fleisch) gehören. Diese Waren unterliegen ganz unterschiedlichen Nachfragezyklen, entwickeln ihre Preise entsprechend differenziert und volatil. Nachdem Direktinvestitionen in Rohstoffe – mit Ausnahme von Gold – für Privatanleger ohnehin ausscheiden, wurden für Investoren Derivate entwickelt.

Neben den klassischen Optionen und Terminkontrakten für spekulative Anleger gibt es mittlerweile ein breites Spektrum von Rohstoffzertifikaten. „Konkret gibt es Zertifikate direkt auf einzelne Rohstoffpreise wie Gold oder Platin, Zertifikate auf Indizes, auf Terminmarktpreise z.B. bei Öl. Außerdem werden Zertifikate mit Kapitalgarantie, mit Hebeleffekt für spekulative Investoren sowie mit Währungsabsicherung begeben,“ beschreibt Gresse von ABN Amro die Produktpalette.

Anleger, die möglichst breit an der Entwicklung der Rohstoffe partizipieren und auch vom Boom der chinesischen und indischen Wirtschaft profitieren wollen, empfehlen Insider Zertifikate auf den Goldman Sachs Commodity Index (GSCI), der seit 1991 berechnet wird. Als Vorteil des GSCI gegenüber anderen Rohstoffindizes werden die Gewichtung der einzelnen Werte, die Bezugsgröße Future-Preis sowie letztlich die hohe Akzeptanz als Benchmark am Markt genannt. Der GSCI ist ein produktionsbezogener Index. „Die Rohstoffe, die im Durchschnitt der letzten fünf Jahre am meisten produziert worden sind, werden am stärksten gewichtet“, erläutert Stefan Weiser, Direktor und Rohstoffexperte bei Goldman Sachs International in London. Zur Zeit sind Rohstoffe aus dem Energie Bereich mit rund 66 % im Index am stärksten vertreten. Edelmetalle spielen mit 2,4 % hingegen kaum eine Rolle. Erfasst werden nur auf Dollar lautende, liquide Warenterminkontrakte und zwar die, die als nächstes fällig werden, sagt Weiser. Der Vorteil dieser vorwärts rollenden Konstruktion auf prompt fällig werdende Future-Preise sei, dass man auch dann Gewinn erziele könne, wenn die aktuellen Rohstoffpreise sich gar nicht bewegten. Ist beispielsweise aufgrund von Lieferengpässen der Kassapreise für Rohstoffe teuerer als der Terminpreis (man nennt das eine inverse Future-Kurve) können mit dem eingesetzten Kapital auf Futures mehr Kontrakte gekauft werden. Im Zuge der Rollbewegung der Fälligkeit nehmen diese dann den höheren Kassamarktpreis an – der Wert des Indexes steigt.

Zurück gerechnet auf das Jahr 1970 sei der GSCI im Durchschnitt um 11,9 % pro Jahr gestiegen. Das Volumen, welches Anleger derzeit investiert haben, schätzt Weiser auf über 15 Mrd. Dollar. Im Jahr 2000 seien es nur rund acht Milliarden gewesen. Anlegern, die jetzt in den Markt einsteigen wollen, empfiehlt Weiser den GSCI-non-energie-Index. Wir sehen im Augenblick eine positive Entwicklung für Industriemetalle, Edelmetalle, Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Vieh, sagt der Goldman Sachs Experte.

Stefan Gresse schließt sich der Empfehlung für Kunden, die möglichst breit von der Entwicklung der Warenmärkte profitieren wollen im wesentlichen an. Anlegern, die es sich ganz leicht machen wollen, rät Gresse, Zertifikate auf Gold zu kaufen. „Das ist immer noch der ungeschlagene Blue Chip unter den Rohstoffen.“

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