Devisenwetten: Investoren spekulieren auf den Franken

Devisenwetten
Investoren spekulieren auf den Franken

Mit Hebel- und Zinszertifikaten können Anleger vom Wertzuwachs der eidgenössischen Währung profitieren. Denn während das Vertrauen in Euro und Co. schwindet, erhoffen sich immer mehr Investoren mehr von der eidgenössischen Währung.
  • 2

UNKEL. Ein Schweizer Franken kostet derzeit fast einen US-Dollar. Das hat es bisher noch nicht oft gegeben. In Euro kostet die eidgenössische Währung sogar so viel wie noch nie zuvor. Bei 0,78 Euro je Schweizer Franken liegt derzeit der Kurs. Angesichts solcher Entwicklungen lohnt ein Blick auf Wertpapiere, die in Schweizer Franken notieren. Denn das Vertrauen in Euro und Dollar schwindet offensichtlich.

"Angesichts hoher Staatsverschuldung und zunehmender Besorgnis über die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten sehen immer mehr Anleger die Alpenwährung als sicheren Hort für ihr Kapital", sagt You-Na Park, Währungsexpertin bei der Commerzbank. Doch auch fundamental werde die Währung gestützt: "Die konjunkturelle Entwicklung in der Schweiz ist sehr positiv zu bewerten, und die Geldmenge ist stark gestiegen. Wir erwarten deshalb, dass die Schweizerische Nationalbank Ende des Jahres den Leitzins anheben wird", so Park.

Attraktivität einiger Anleihen steigt

Der Effekt: Durch den steigenden Wert des Franken werden selbst Anleihen mit vergleichsweise niedriger Nominalverzinsung plötzlich zum Renditerenner. Zum Beispiel die im Februar von der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau aufgelegte zehnjährige Anleihe mit einem Nominalzins von 2,25 Prozent (WKN A1CSAY). Seit der Emission ist der Kurs des in Schweizer Franken notierenden Papiers um 6,25 Prozent gestiegen. Würde der Franken gegenüber dem Euro auch in den kommenden sechs Monaten mit einem ähnlichen Tempo an Wert gewinnen, sind mit der Anleihe Kursgewinne im zweistelligen Prozentbereich möglich. Die Zinsausschüttung gibt es dann als Bonus obendrauf.

Eine weitere Art und Weise, von der aktuellen Franken-Euphorie zu profitieren, bieten Zinszertifikate. Dabei handelt es sich um börsengehandelte Zinsanlagen, die dem Anleger Zugang zu kurzfristigen Geldmarktsätzen fremder Währungen verschaffen - ähnlich einem Fremdwährungskonto. Das Prinzip: "Jedes Zertifikat bildet die Kursentwicklung einer bestimmten Währung ab und sammelt täglich die kurzfristigen Geldmarktsätze dieser Währung an. Die Zinsen werden dabei nicht ausgeschüttet, sondern zum Wert des Zertifikats addiert", erklärt Florian Roebbeling vom Institut für Zertifikate-Analyse (IZA). Im Fall des Schweizer Franken spielt die Verzinsung jedoch kaum eine Rolle. Das Zinsniveau des betreffenden Zertifikats von der RBS (WKN 918741) liegt derzeit sogar im negativen Bereich bei minus 0,01 Prozent. Trotzdem steht unter dem Strich eine beachtliche Jahresperformance von zuletzt 16,37 Prozent.

Spekulation mit Hebelzertifikaten

Anleger, die überproportional von einer möglichen Fortsetzung der Euro-Schwäche gegenüber dem Franken profitieren wollen, können ihren Kapitaleinsatz mit sogenannten MINI Futures hebeln, zum Beispiel mit einem MINI-Future-Short-Zertifikat, emittiert von BNP Paribas (WKN BN39U5). Jeder Rappen Veränderung beim Wechselkurs bedeutet in diesem Fall für das Zertifikat einen Franken plus oder minus. Steigt oder fällt der Euro-Preis um fünf Rappen, dann gewinnt oder verliert der MINI Future entsprechend fünf Franken an Wert - umgerechnet in Euro. Selbst kleine Währungsverschiebungen zugunsten des Franken schlagen sich sofort spürbar positiv im Zertifikate-Preis nieder.

Nur für Risikobereite

Weiterer Vorteil: MINI Futures, die auf einen schwachen Euro setzen, gewinnen schneller an Wert als sie verlieren können. Denn der Währungsgewinn wird in der Fremdwährung erzielt. Das Risiko: "Sollte der Kurs des Euros gegenüber dem Franken wieder steigen, sollten Anleger rechtzeitig die Notbremse ziehen. Denn je näher der Franken-Kurs dem Basispreis des Mini Futures kommt, desto größer ist der Hebeleffekt, der dann gegen den Anleger wirkt", warnt Florian Roebbeling. Berührt oder sinkt der Kurs unter die sogenannte Knock-Out-Schwelle, wird der Handel mit dem Zertifikat eingestellt und die Differenz zwischen Knock Out und Basispreis als Restwert zurückgezahlt. Das kann im Extremfall auch einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals bedeuten.

Kommentare zu " Devisenwetten: Investoren spekulieren auf den Franken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Kurze weiterführende Erklärung zu "Weiterer Vorteil: MiNi Futures, die auf einen schwachen Euro setzen, gewinnen schneller an Wert als sie verlieren können. Denn der Währungsgewinn wird in der Fremdwährung erzielt." anhand einer beispielrechnung:

    Wenn der Gewinn in der Fremdwährung zum beispiel 5 Rappen beträgt (beispielsweise ein Kursverfall von 1,30 auf 1,25), sind diese fünf Rappen bei einem Wechselkurs von 1,25 exakt 4,00 Euro-Cent wert.

    Liegt dagegen ein Verlust von 5 Rappen vor, zum beispiel nach einer Kursbewegung von 1,30 auf 1,35, sind diese 5 Rappen lediglich 3,70 Euro-Cent (5 geteilt durch 1,35) wert.

    in der Fachsprache wird dieses Phänomen "positive Konvexität" genannt. Wer auf einen steigenden EUR-Kurs setzt, ist dagegen von "negativer Konvexität" betroffen.

    Erfolgreiche Geschäfte wünscht Cristof Ensslin

  • Das kann ganz schnell vorbei sein. immerhin ist die Schweiz auch ein industriestaat und da kommt ein zu hoher Franken nicht gut im Export.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%