Die tägliche Investmentidee
Auf Rückkäufe achten

Aktienrückkäufe sind ebenso wie hohe Dividenden häufig ein Zeichen von Qualität. Sie zeigen, dass Konzerne bereit sind, Geld an ihre Aktionäre fließen zu lassen, statt es für unsinnige Projekte zu verplempern. Aber eine Anlagestrategie auf Rückkäufe aufzubauen, ist gar nicht so einfach.

DÜSSELDORF. Vor kurzem erfreute die Münchener Rück ihre Anleger mit der Mitteilung, in den kommenden Jahren rund acht Milliarden Euro auszuschütten. Und zwar nicht nur über Dividenden, sondern auch über Aktienrückkäufe. Also über den gezielten Erwerb eigener Papiere: Damit fließt Geld in den Markt, die Kurse steigen tendenziell, die Zahl der Aktien und damit der Gewinn je Aktie verbessert sich.

Die Münchener stehen nicht allein. Rückkäufe sind seit langem beliebt. Auch die Deutsche Bank legt immer wieder neue Programme auf. Kai Nekat vom Lehrstuhl für Finanzwirtschaft an der Uni Kiel propagiert daher eine Idee: Aktienrückkäufe sollten nach seiner Meinung zum Thema für Fonds werden.

Dabei hat er allerdings nicht nur die Perspektive der Anleger im Blick. Er sieht sein Konzept als Möglichkeit für die Fondsbranche, sich mit einem neuen Thema zu profilieren. Er zieht die Parallele zu den Fonds und Zertifikaten, die sich auf Unternehmen mit hohen Dividenden konzentrieren – und damit zum Teil von der Wertentwicklung wie auch im Vertrieb recht erfolgreich sind. Die Themen „Dividende“ und „Rückkäufe“ sind ja auch eng verwandt: In beiden Fällen fließt Geld an die Anleger, einmal direkt als Ausschüttung, beim Rückkauf indirekt über die Kursunterstützung.

Rückkäufe sind ein Thema bei Anlegern. Der Schweizer Finanzblogger Philipp Vontobel etwa widmete ihnen im Februar einen Beitrag und arbeitete dabei auch gut den Unterschied zu Dividenden heraus: Hohe Ausschüttungen belasten ein Unternehmen auf Dauer, denn kein Konzern kürzt sie gerne – das gilt als Zeichen der Schwäche. Rückkäufe hingegen können sehr flexibel eingesetzt werden.

Es gibt aber auch kritische Beiträge. Anfang des Monats warnte Tea Szabo, eine Analystin des Fondsresearchhauses Morningstar, Rückkäufe in jedem Fall als positiv zu sehen. Es können nämlich auch schwache Unternehmen zu diesem Mittel greifen, um ihren Kurs zu stützen – und im schlimmsten Fall dafür sogar ihre Verschuldung erhöhen. Ein ähnliches Argument gilt allerdings auch beim Thema Dividende: Manche Gesellschaften haben nur deswegen eine hohe Dividendenrendite, weil ihr Kurs so niedrig ist und sie krampfhaft hohe Ausschüttungen aufrecht erhalten. Szabo plädiert insgesamt dafür, Rückkäufe nur als eines von vielen Kriterien für die Aktienauswahl zu nehmen und nicht allein in den Mittelpunkt zu stellen.

Möglicherweise sind aber gerade in der gegenwärtigen Phase Rückkäufe noch spannender als sonst. Denn viele Konzerne weltweit verdienen sehr gut und schwimmen im Geld. Da ist die Versuchung groß, diesen Überfluss durch zu teure Übernahmen zu verplempern. Unternehmen, die stattdessen rückkaufen, werden sich daher positiv von ihren Konkurrenten abheben.

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