Discount-Zertifikate sind derzeit beliebt
Attraktive Renditen und ein Sicherheitspuffer gegen Kursverluste

Ein Blick auf die Umsatzentwicklung zeigt: Discount Zertifikate werden immer beliebter. So haben sich die Umsätze in den letzten beiden Jahren fast verdreifacht. Der Grund für diesen rasanten Anstieg: Anleger haben zum Teil erhebliche Kursverluste an den Aktienmärkten erlitten und suchen nun nach alternativen Anlageformen, die neben attraktiven Renditen einen Sicherheitspuffer gegen Kursverluste bieten. Bei Discount Zertifikaten werden sie fündig. Zwar bieten diese Papiere keinen 100 %-igen Schutz vor Kursverlusten, dennoch kann der Risikopuffer mitunter signifikant sein.

Haben die Anleger die Funktionsweise eines Discounts erst einmal verstanden, gibt es immer wieder dieselbe Frage: "Das klingt alles zu schön, um wahr zu sein. Warum gibt es da eigentlich noch Aktien?".

Durch ein Discount Zertifikat erwirbt der Anleger einen Basiswert, zum Beispiel eine Aktie , wesentlich billiger als sie derzeit an der Börse notiert. So bezahlt man beispielsweise für die Aktie der Deutschen Telekom anstatt 11,88 nur 10,10 Euro, für die SAP-Aktie anstatt 86,13 nur 72,18 Euro. Der Vorteil der Abschläge: sie bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste. Abgesehen von starken positiven Kursausschlägen ist die Entwicklung eines Discount Zertifikates in der Regel . besser als die Aktie selber, egal ob die Aktie leicht steigt, stagniert oder gar fällt.

Wie funktioniert ein Discount Zertifikat?

Die Funktionsweise eines Discounts sei anhand des nachfolgenden Beispiels erläutert: Beispiel: WKN 740 058 CAP 14,00 Euro Kurs D. Telekom 11,88 Euro Preis Discount Zert. 10,10 Euro Bezugsverhältnis 1:1 Fälligkeit 17.12.2004 Discount 14,98% (Stand: 20.05.03)

Der Erwerber hat bei einem Discount Zertifikat das Recht, bei Laufzeitende unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses den Gegenwert der Aktie zu verlangen. Der Gegenwert ist jedoch auf den Cap (14,00 Euro) begrenzt. Die Vorteile, die sich für den Erwerber gegenüber dem Direktkauf der Aktie ergeben, sollen anhand folgender Szenarien bei Laufzeitende verdeutlicht werden.

1. Szenario (sehr Bearish)

Der Kurs der Telekom fällt bis 17.12.04 auf 9,00 Euro. Der Zertifikate-Inhaber bekommt 9,00 Euro gutgeschrieben. Da er aber 10,10 Euro für das Zertifikat bezahlt hat, würde er einen Verlust von 10,89 % erzielen. Der Aktionär jedoch müßte einen Verlust von 24,24 % verbuchen. Sollte also der Zertifikats-Inhaber in die Verlustzone geraten, wäre der Verlust geringer als bei einem Direktinvestment.

2. Szenario (Bearish)

Der Kurs der Telekom fällt bis zum 17.12.04 auf 10,10 Euro. Auch hier erhält der Erwerber den Gegenwert der Aktie, also 10,10 Euro. Aber obwohl die Aktie gefallen ist, realisiert er jetzt keinen Verlust, da er ja 10,10 Euro für das Zertifikat bezahlt hat. Mit der Aktie hätte er einen Verlust in Höhe von 14,98 % erzielt. Der Verlust der Aktie entspricht in diesem Szenario dem Discount des Zertifikates. Der Discount lässt sich also als Sicherheitspuffer interpretieren. Mit anderen Worten: Erst bei einem Kursrückgang der Aktie von mehr als 14,98 % erzielt man mit dem Discount Zertifikat einen Verlust.

3. Szenario (Bearish)

Der Kurs der Aktie fällt auf 11,00 Euro. Der Investor erhält auch hier den Gegenwert der Aktie, also 11,00 Euro ausgezahlt. Bei einem Einstandspreis von 10,10 Euro macht er aber einen Gewinn von 8,9 %, obwohl der Kurs der Aktie im Anlagezeitraum um 7,4 % gefallen ist.

4. Szenario (Seitwärts)

Der Kurs der Telekom bleibt bis zum Laufzeitende unverändert. Während der Aktionär keinen Kursgewinn erzielt, kann sich der Inhaber eines Discount Zertifikates über einen Ertrag von 17,6 % freuen.

5. Szenario (Bullish)

Der Kurs der Aktie steigt auf 14,00 Euro. In diesem Szenario erhält der Inhaber des Zertifikates 14,00 Euro ausbezahlt. Dieser Betrag ist identisch mit dem Cap (Maximalertrag). Sein Ertrag beträgt nun 38,6 % anstelle von 17,85 % bei einer Direktinvestition in die Aktie. Diese Situation wäre für den Anleger der Idealfall, da die Differenz zwischen Zertifikat und Aktie hier am größten ist.

6. Szenario (Sehr Bullish)

Der Kurs der Aktie steigt auf 16,47 Euro. Hier erhält der Discount-Inhaber anstatt des Gegenwertes der Aktie den Cap in Höhe von 14,00 Euro ausbezahlt (Maximalertrag) und erwirtschaftet mit dem Zertifikat ebenfalls den Maximalertrag von 38,6 %. Der Kauf der Aktie hätte annähernd den gleichen Ertrag gebracht.

Hier wird deutlich: Die Telekom-Aktie muss mehr als 38,6 % steigen, damit die Aktie vorteilhafter ist als der Erwerb des Discount Zertifikates.

Mit anderen Worten: In einem Bereich zwischen 10,10 Euro und 16,47 Euro schlägt das Zertifikat die Aktie. Selbst unterhalb von 10,10 Euro ist das Zertifikat von Vorteil, da der Verlust des Zertifikates wegen des Discounts immer geringer ausfällt als bei einem Direktinvestment in die Aktie.

Während der Laufzeit auf fallende Volatilitäten spekulieren: Neben dem Basiswert fliesst noch ein weiterer Faktor in die Preisberechnung eines Discounts mit ein: die Volatilität, sprich die Schwankung der Aktie. Je höher die momentane Volatilität der Aktie ist, desto grösser ist der Discount. Ein Einstieg lohnt also schon deshalb, wenn man auf fallende Volatilitäten spekuliert. Denn geht die Schwankungsbreite des Basiswertes zurück, steigt das Discountpapier im Preis.

Welcher Cap (max. Auszahlung) ist der richtige? Die Frage, die jeder Investor vorher beantworten sollte: welchem Basiswert billige ich welches Potenzial zu? Dabei stellt der Cap die maximale Kurserwartung dar. Ist man also der Meinung, dass die Telekom bis 17.12.04 bis auf 18,00 Euro ansteigt, wählt man ein Zertifikat mit einem entsprechenden Cap. Dies hat den Vorteil, dass man am Kursanstieg der Aktie bis 18,00 Euro partizipiert. Die maximale Renditechance liegt bei 62,16 %%. Dafür nimmt man aber auch einen geringeren Sicherheitspuffer von 6,57 % in Kauf. Bewegt sich die Aktie wider Erwarten nicht, streicht man nur 7,02 % ein. Ist man jedoch der Meinung, dass sich die T-Aktie bis Ende 2004 nicht bewegt, wählt man gleich einen tieferen Cap in Höhe des aktuellen Aktienkurses, also etwa 12,00 Euro. Notiert die Aktie dann tatsächlich seitwärts, verdient man immerhin 27,74 % ein. Dafür nimmt man andererseits auch eine geringere Maximalchance von 29,03 % in Kauf, hat dafür aber einen grösseren Sicherheitspuffer von 21,72 %. Wem der Sicherheitspuffer nicht ausreicht, kann auch einen Cap unterhalb des aktuellen Kurses wählen, um so noch mehr vor Kursrückschlägen geschützt zu sein.

Sinnvoll ist, ein ausgewogenenes Verhältnis aus Discount und maximalem Ertrag zu wählen. Es ergibt keinen Sinn, ein Zertifikat zu wählen, bei dem der Discount nur ein oder zwei Prozent beträgt.

Welche Laufzeit ist die richtige? Kurze Laufzeiten müssen nicht immer schlecht sein. Wer sich nicht langfristig binden möchte, der findet auch bei Kurzläufern attraktive Renditemöglichkeiten. Hier kann man insbesondere vom beschleunigten Zeitwertverfall am Ende der Laufzeit profitieren. So hat beispielsweise das DAX-Discount mit der WKN 740 584 einen Cap von 2 600 Euro. Bei einem Dax-Stand von 2 858 Punkten liegt der Dax also deutlich über dem Cap. Das Papier kostet derzeit 24,29 Euro (bei einem Bezugsverhältnis von 0,01). Die Laufzeit endet am 18.12.03. Notiert der Dax am Ende der Laufzeit, also in ca. 6 Monaten, immer noch über 2 600 Punkten, erzielt man einen Gewinn von 7,04 %. Das macht auf das Jahr hochgerechnet eine Rendite von 14,08 %.

Wählt man hingegen längerlaufende Discounter, kann man einen höheren Discount erzielen. Wer glaubt, dass der Dax am 18.06.04 bei 3 200 Punkten steht, kann das Discount mit der WKN 740 589 wählen. Das Zertifikat hat einen Cap von 3 200 Euro und kostet derzeit bei einem Dax-Stand von 2 858 Punkten 26,54 Euro. Erreicht der Dax den Cap, winkt ein Ertrag von 20,57 %.

Tipp: Aktien gegen Discount Zertifikate tauschen. Viele Anleger sitzen bei Aktien derzeit auf zum Teil hohen Kursverlusten. Es mag sicher nicht falsch sein, zu versuchen, die Verluste auszusitzen. Wer beispielsweise vor 2 Jahren die Telekom für 24,00 Euro gekauft hat, sitzt heute auf einem Kursverlust von 50 %. Um diesen Verlust wieder wett zu machen, müsste sich die Aktie wieder verdoppeln.

Warum also nicht über Alternativen nachdenken und seine Aktien in Discount Zertifikate tauschen? Nehmen wir bspw. das im obigen Beispiel dargestellte Telekom-Zertifikat mit Cap 14,00 Euro (WKN 740 058). Steigt die Aktie nur um 17,85 % an, verdient man mit dem Zertifikat immerhin 38,61 % (Maximalertrag).

Fazit: bei unveränderten oder leicht steigenden Kursen kann man mit Discountern Verluste wesentlich schneller wettmachen, als wenn man an der Aktie "kleben" bleibt.

Monika Schaller ist Sprecherin bei der Citibank

Quelle: Handelsblatt Nr. 108 vom 06.06.03

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