Durchbruch zum etablierten Anlageprodukt geschafft
Diskont-Zertifikate zählen zu den absoluten Rennern

Nach den zum Teil starken Kursanstiegen einzelner Aktien und Indizes während des Frühsommer 2003 möchte man meinen, dass die beliebten Hebelprodukte den Zertifikaten locker den Rang ablaufen würden. Dem ist aber nicht so. Denn seither hat sich am Markt die Erkenntnis durchgesetzt, dass Diskont-Zertifikate eine echte Alternative zu direkten Aktien-Engagements darstellen.

So konnte man seitens der Emittenten und der Anleger ein reges Interesse an Diskont-Zertifikaten verfolgen, das sich in einem fulminanten Anstieg der Umsätze dieser Produkte widerspiegelt: Wurden im Monat Januar dieses Jahres noch rund 550 Mill. Euro in Diskont-Zertifikaten umgesetzt, so haben sich diese Umsätze bis Juli - also innerhalb von nur sieben Monaten auf rund 1,7 Mrd. Euro mehr als verdreifacht. Wo liegen die Gründe für diese Entwicklung? Für Emittenten und Anleger liegen die Vorteile von Diskont-Zertifikaten auf der Hand: Es handelt sich praktisch um den Kauf von Aktien mit einem Preisabschlag. Der Anleger kann also günstiger in den entsprechenden Basiswert einsteigen und gleichzeitig den Diskont als Sicherheitspuffer in fallenden und stagnierenden Märkten nutzen.

Attraktive Zinsalternative

Außerdem können Diskont-Zertifikate als eine attraktive Zinsalternative gesehen werden. Bisher gab es aber nur spärliche historische Performance-Studien zur Kursentwicklung von Diskont-Zertifikaten, die den Erfolg dieser Anlage-Instrumente gegenüber direkten Aktieninvestments untermauern würden.

Vor diesem Hintergrund wurden kürzlich alle von der größten deutschen Bank vom Jahr 1999 an emittierten und bis Juni 2003 verfallenen Diskont-Zertifikate analysiert. Insgesamt wurden 334 Produkte unter die Lupe genommen. Die wichtigste Aussage der Studie: 92,5 % der Zertifikate zeigten eine bessere Performance als ihre jeweiligen Basiswerte. Anders gesagt: Es hätte sich während dieses Zeitraums nur in den wenigsten Fällen gelohnt, direkt in Aktien zu investieren, wenn es entsprechende Diskont-Zertifikate dazu gegeben hatte.

Diskont als Sicherheitspuffer

Dies ist in einer Marktphase, in der der Deutsche Aktienindex von über 8 000 Punkten auf unter 2 200 gefallen ist, als ein durchaus schlagkräftiges Argument gelten. An einem Beispiel soll dies aufgezeigt werden: Das Diskont-Zertifikat auf die BMW-Aktie mit der WKN 781223, das Mitte Juni 2003 auslief, wies eine Performance bei Verfall von 5,93 % auf. Zum Vergleich: Die BMW-Aktie gab mehr als 18 % ab.

Hier zeigte sich sehr deutlich, wie sich der Diskont als Sicherheitspuffer in fallenden Aktienmärkten verhält. Ihre wahren Stärken spielen die Diskont-Zertifikate aber vor allem in Märkten mit seitlich tendierenden Werten. Prägnantes Beispiel hier ist das Diskont-Zertifikat auf Adidas mit der WKN 781332, welches bei Verfall im Juni 2003 eine Performance von 13,6 % aufwies, während die Aktie im gleichen Zeitraum von 1999 bis Juni 2003 einen marginalen Verlust von 0,8 % erlitt.

Deep-Diskont-Zertifikate attraktiv

Bei den derzeit niedrigen Zinsen im Kapitalmarkt ist eine weitere Einsatzweise der Diskont-Zertifikate für Anleger attraktiv: So genannte Deep-Diskont-Zertifikate, deren Höchstbetrag weit unter dem aktuellen Kurs des Basiswertes notiert. Auf den ersten Blick scheinen Deep-Diskont-Zertifikate unsinnig zu sein, da man von einem eventuellen Kursanstieg des Basiswertes nicht mehr profitieren würde. Diese Gruppe der Diskont-Zertifikate ist vor allem für diejenigen Anleger interessant, die mit großem Sicherheitspuffer und hoher Wahrscheinlichkeit auf Erfolg vor allem auf die maximale Rendite des Zertifikates setzen wollen. Somit können diese Diskont-Zertifikate als eine Alternative zu den derzeit niedrigen Kapitalmarktzinsen angesehen werden, um profitabel Liquidität zu "parken". Allerdings darf dabei nicht übersehen werden, dass es sich hierbei nicht um einen garantierten Ertrag handelt. Sollte der Basiswert nämlich stark nachgeben, kann der Sicherheitspuffer aufgebraucht werden und man bekommt die Aktie ins Depot geliefert, was in diesem Fall nicht das Ziel war.

Dies nicht zuletzt auch aus steuerlichen Gründen, da anders als bei einer Zinsauszahlung, die Auszahlung des Höchstbetrages als Kursgewinn zu sehen ist, der nach Ablauf der Spekulationsfrist nach aktueller Gesetzgebung steuerfrei ist. Desweiteren können realisierte Kursgewinne - sollten sie innerhalb der 12-monatigen Spekulationsfrist anfallen - mit Kursverlusten steuerlich verrechnet werden, was bei Zinszahlungen nicht möglich ist.Woher kommt dieser enorme Vorteil der Diskont-Zertifikate besonders in seitlich tendierenden Werten ohne ausgeprägte Tendenz? Möglich macht das die eingebettete Struktur des Diskont-Zertifikats, die bisher nur institutionellen Anlegern zugänglich war.

Professionelles Instrument für private Anleger

Die Bausteine Diskont und Höchstbetrag des Diskont-Zertifikates ermöglichen erst die attraktivere Performance gegenüber Einzelaktien in einer derartigen Marktsituation. Letztlich ist ein Diskont-Zertifikat ein verbrieftes Anlageprodukt, das den Kauf einer Aktie mit einem Preisabschlag ermöglicht und im Gegenzug den möglichen Gewinn auf einen Höchstbetrag festlegt. Dadurch wird dem Privatanleger ein bislang professionelles Instrument zugänglich gemacht und täglich handelbar angeboten. Was dazu führt, dass sich ein Tausch von Aktien gegen Diskont-Zertifikate im Depot als Überlegung geradezu anbietet.

Diese Erkenntnis setzt sich mehr und mehr durch. Im Jahr 2000 gab es gerade mal 1 000 Diskont-Zertifikate, heute sind es 6 000. Diese umfassen nahezu das gesamte Aktien- und Indexspektrum. Aufgrund dieser enorm erweiterten Produktpalette und der explosiv gestiegenen Umsätze in diesem Jahr kann man mittlerweile mit einiger Sicherheit sagen, dass Diskont-Zertifikate den Durchbruch zum etablierten Anlageprodukt geschafft haben.

Friedrich Oettingen ist im Bereich Global Equity Derivates bei der Deutsche Bank AG in Frankfurt tätig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%