Edelmetall-Spekulation
Monster-Kick für Gold-Fans

Das Vertrauen in den Euro bröckelt. Viele Anleger flüchten vor der drohenden Inflation in den sicheren Hafen Gold und steigern so den Preis für das Edelmetall. Das ruft auch Zocker auf den Plan.

FrankfurtKaum zu glauben, was im öffentlich-rechtlich Fernsehen dieser Tage passiert. In der Nachrichtensendung um 21.45 Uhr berichtet der Moderator über die Euro-Schuldenkrise und die Ängste. Der Sprecher hält eine Banknote in der Hand und sagt ganz lapidar: Dieser Schein lebt nur von unserem Vertrauen. Das war es aber auch schon. Kein weiteres Nachsinnen. Weiterblenden zur Nachrichtenübersicht und zu von Boettichers Liebschaft.

Vertrauen ist das kritische Wort. Dieses Vertrauen in die Währung bröckelt. Sonst würde der Goldpreis-Seismograph nicht so stark nach oben ausschlagen. Immer mehr Anleger sind beunruhigt wegen der eskalierenden Schulden und dessen, was in der Geschichte oft darauf folgte: Inflation. Gold gilt als sicherer Hafen und Inflationsschutz.

Die immer schneller steigenden Metallpreise locken aber auch Zocker an, jene, die auf die ganz großen Preisgewinne hoffen. Sogar renommierte Banken scheinen sich jetzt in der kühnsten Prognose überbieten zu wollen. Die Großbank JP Morgan lancierte ihren Ausblick vor wenigen Tagen: Der Unzenpreis klettert danach bis zum Jahresende über 2500 Dollar - jetzt sind es 1800 Dollar.

Der Besitz des Goldes reicht manchen Fans dann nicht mehr. Das wären laut JP Morgan ja nur knapp 40 Prozent Gewinn in etwas mehr als vier Monaten. Es müssen Spiel-Instrumente her, die viel stärker steigen als der Metallpreis. Optionsscheine waren für solche Wetten immer das probate Mittel.

Jetzt kommt die Royal Bank of Scotland mit den ultimativen Wettscheinen. Sie bringt sogenannte "Monster-Calls" mit Laufzeiten bis Ende 2015 und Basispreisen von bis zu 5000 Dollar. Das heißt in der Praxis: Der Preis der Scheine steigt bis zu 20-mal stärker als der Goldpreis - umgekehrt folgt er fallenden Metallpreisen überproportional nach unten.

Wenn der Goldpreis bis zum Laufzeitende nicht über die Basis klettert, verfällt der Schein wertlos. Darum geht es aber auch nicht, sondern darum, an zwischenzeitlichen Schwankungen zu verdienen. Es ist ein Höchstrisiko, gepaart mit einer hohen Chance. Ähnliche Produkte bieten andere Zertifikate-Emittenten wie Deutsche Bank oder Commerzbank ebenfalls, wenn auch nicht so "monströs".

Anleger werden einen anderen Zugang zum Metall wählen. Sie kaufen Barren und Münzen oder wählen Wertpapiere, deren Kurse den Metallpreis abbilden und die mit Sicherheiten arbeiten. Der erwähnte Nachrichtensprecher könnte hier sagen: In Metall kann man vertrauen, in Wertpapiere mit Sicherheiten zumindest eher als auf unbesicherte.

narat@handelsblatt.com

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