Eidgenössische Finanzaufsicht fordert Regulierung
Zertifikatebranche droht Unheil aus der Schweiz

Ein Positionspapier der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) setzt die Emittenten von Anlagezertifikaten unter Druck.

DÜSSELDORF. Die Experten des Schweizer Kapitalmarkt-Regulierers stellen darin fest, dass bestimmte strukturierte Produkte (Zertifikate) die gleichen Eigenschaften wie Investmentfonds haben und deswegen der gleichen Regulierung unterliegen sollten. Kommen auch die Regulierer in der EU zum diesem Schluss, wäre die junge Branche bedroht.

Der Boom der strukturierten Anlageprodukte ist auch eine Folge der geringen Regulierung des Marktes, vor allem in Deutschland. Von der Idee für ein neues Papier bis zur Markteinführung vergehen im günstigsten Fall nur wenige Tage. Die Emittenten müssen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) lediglich einen Prospekt hinterlegen, den die Behörde auf formale Richtigkeit prüft. Investmentfonds müssen dagegen ein langes Zulassungsverfahren durchlaufen; die Anlegergelder werden in einem Sondervermögen getrennt von der Bilanz des Emittenten gesichert. Zertifikate sind dagegen risikobehaftete Schuldverschreibungen der Banken. Nach neuesten Schätzungen des Derivate-Forums haben Anleger in Deutschland 60 Mrd. Euro in Zertifikate investiert.

Die Bedenken der EBK richten sich gegen eine kleine Gruppe von Produkten, die in der Anlagestrategie Fonds sehr ähnlich sind: Aktiv verwaltete Zertifikate ohne Laufzeitbegrenzung (open end). Der Wert solcher Papiere ist von Indizes und Aktienkörben abhängig, deren Zusammensetzung der Emittent während der Laufzeit ändert ohne dass zuvor genaue Regeln für die Zusammensetzung der Basiswerte festgelegt sind. Bei solchen Papieren sei zum Zeitpunkt der Ausgabe für den Anleger nicht klar, nach welchen Bedingungen die Rückzahlung erfolgt, schreibt die EBK. Die Anlage in einem aktiv verwalteten Open-End-Zertifikat entspreche damit wirtschaftlich dem in einen Fonds. Da aber nur Fonds speziellen Aufsichtsgesetzen unterliegen sieht die EBK ein Defizit beim Anlegerschutz von Zertifikate-Inhabern.

Außerdem hält die Behörde die Ungleichbehandlung für wettbewerbsverzerrend. „Die EBK möchte ein Marktumfeld mit gleich langen Spießen für alle Marktteilnehmer schaffen“, schreiben die Schweizer Experten. Die Behörde erwägt nun, per Rundschreiben eine einheitliche Regelung zu schaffen.

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