Ein Indexzertifikat fasst 15 kanadische Trusts zusammen–Hohe Energiepreise sorgen für üppige Dividendenrenditen
Mit Sicherheitsnetz in Öl investieren

Wer in den vergangenen Monaten vor dem Hintergrund des stark gestiegenen Ölpreises einen Blick auf die Rangliste der ölreichsten Länder der Welt geworfen hat, glaubte oft an einen Druckfehler: Mit 24 Milliarden Tonnen Öl liegt Kanada seit einiger Zeit auf Rang zwei.

DÜSSELDORF. Das Land verfügt damit nach Angaben des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbands über rund 15 Prozent der weltweiten Reserven. Noch vor fünf Jahren waren es gerade einmal eine Milliarde Tonnen. Der Hintergrund: Bei Ölpreisen von aktuell rund 60 Dollar pro Barrel ist es möglich, die gigantischen Ölsand- und Ölschiefervorkommen Kanadas wirtschaftlich abzubauen.

Davon profitiert auch eine in Deutschland beinahe gänzlich unbekannte Form der Investition: kanadischen Income-Trusts. Dabei handelt es sich um eine Art Fonds, dessen Anteile an der Börse gehandelt werden. Diese Trust investieren meist in Branchen wie der Öl- und Gasexploration, Pipelinebetrieb, der Waldnutzung, aber auch Immobilien. Die Trusts werden steuerlich privilegiert behandelt, sind aber zugleich gezwungen, den größten Teil der er erwirtschafteten Erträge als Dividende an die Investoren durchzureichen. Vor allem die stark gestiegenen Energiepreise – Öl- und Gas-Firmen machen rund zwei Drittel des Börsenwerts aller knapp 200 kanadischen Trusts aus – sorgen dabei für Dividendenrenditen von bis zu 15 Prozent pro Jahr.

Mit dem im Mai emittierten Top-15-Income-Trust-Zertifikat verbrieft die Schweizer UBS nun den Zugang zu den 15 größten kanadischen Trusts über einen eigens berechneten Index, wobei jeder Indextrust mit knapp sieben Prozent gewichtet wird. Pro Branche werden allerdings maximal sechs Trusts berücksichtigt, um Klumpenrisiken zu vermeiden.

Energie-Trusts haben derzeit ein Gewicht von rund 40 Prozent, Finanzwerte von rund 33 Prozent. Die durchschnittliche Dividendenrendite aller enthaltenen Trusts beträgt derzeit rund 7,5 Prozent. Die Dividenden werden bei der Kursstellung des Zertifikats zu 80 Prozent reinvestiert, die übrigen 20 Prozent für die Kurssicherung des kanadischen Dollars gegen den Euro verwendet. Zudem fällt eine Managementgebühr von 0,9 Prozent pro Jahr an.

Die Ausgestaltung des Zertifikats ist für in Deutschland ansässige Anleger besonders günstig: Da die Dividenden direkt in die Kursstellung des Zertifikats einfließen, sind mögliche Zugewinne und enthaltene Dividenden nach zwölf Monaten Haltedauer nach derzeitigem Stand steuerfrei. Da das Zertifikat keine Laufzeitbegrenzung hat, profitieren Anleger langfristig auch vom Zinseszinseffekt.

„In den vergangenen acht Jahren hätte das Zertifikat rückgerechnet rund 14 Prozent Gewinn pro Jahr erzielt“, rechnet Werner Humpert, Zertifikate-Experte der UBS vor. Michael Hinz, Portfoliomanager der MPF AG in Wuppertal schätzt am Zertifikat vor allem „die Möglichkeit zur Diversifikation, um die Abhängigkeit von Aktien zu reduzieren, ohne auf attraktive Dividenden verzichten zu müssen.“

Tatsächlich korrelieren die Kurse der kanadischen Trusts kaum mit den nordamerikanischen Aktienmärkten. Die Kehrseite ist jedoch: Vor allem die im Zertifikat enthaltenen Energietrusts Arc Energy (aktuelle Dividendenrendite 9,5 Prozent), Bonavista Energy (10,6 Prozent) und PrimeWest Energy (11,9 Prozent) bestechen mit attraktiven Dividenden, reagieren aber mit einem hohen Hebel auf die Energiepreise. Kommt es zu einer deutlichen Korrektur des Ölpreises, dürfte dies auch die Kurse der Trusts unter Druck setzen. Auch ein scharfen Anstieg des Zinsniveaus könnte die Kurse der enthaltenen Trusts belasten, da neue Projekte meist fremdfinanziert sind. Daher rät MPF-Vermögensverwalter Hinz, Engagements in das Trust-Zertifikat strikt mit einem Stop-Loss-Kurs zu sichern.

Seit der Emission des Zertifikats Mitte Mai zu 100 Euro konnte das Papier bereits um rund sieben Prozent auf zuletzt 107 Euro zulegen. Noch in diesem Jahr sollen die Income Trusts zudem kanadischen Standardindex TSX aufgenommen werden. Das würde die Liquidität der Trusts steigern und indexorientierte Anleger in die Trusts locken.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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