Emissionszertifikate
Das Milliardengeschäft mit dem Abgashandel

Der 2005 gestartete Handel mit europäischen Emissionszertifikaten hat sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Spekulanten, Energiekonzerne und Kriminelle bereichern sich hemmungslos an CO2-Zertifikaten und Ökoenergie - die Leidtragenden sind Stromkunden und Steuerzahler.
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Amsterdam, ein heißer Abend im August: Marcel Melis sitzt im neunten Stock des World Trade Center und redet am Telefon auf einen Investor ein. Der 42-jährige Niederländer, Chef des Hedgefonds Energy Capital Management, spekuliert mit Strom und mit CO2-Zertifikaten, die ihren Besitzern das Recht geben, das Treibhausgas Kohlendioxid in die Atmosphäre zu blasen. Die Preise dieser Emissionsrechte sind nach oben geschossen: UN-Kontrolleure haben gerade verkündet, sie wollten für umstrittene Klimaschutzprojekte vorerst keine CO2-Zertifikate mehr vergeben.

Melis arbeitet an seinem Comeback. Im Krisenjahr 2008, als die Börsen weltweit crashten, hatte sein Fonds MMT Energy 24 Prozent gewonnen. Investoren vertrauten ihm 100 Millionen Euro an. Ende 2009 aber war die Party vorbei, Melis stand in den Miesen. Investoren zogen Gelder ab, Melis musste den Fonds im Mai schließen. Er bleibt dennoch optimistisch: "Im Strom- und Emissionshandel finden sich noch genügend Ineffizienzen, die Hedgefonds für sich nutzen können."

Ineffizienzen, Spekulanten, umstrittene Projekte - der 2005 gestartete Handel mit europäischen Emissionszertifikaten hat sich zu einem Milliardengeschäft für Finanzinvestoren und Energiekonzerne entwickelt. Es ist keineswegs ein makelloses Geschäft. Fonds und Investmentbanken gehen CO2-Wetten ein, Weltverbesserer kassieren mit angeblich klimaschonenden Projekten in der Dritten Welt ab, Betrüger ergaunern sich Steuervorteile. Die Rechnung begleichen wir alle - als Stromkunden und Steuerzahler.

Auch die Energiekonzerne mischen kräftig mit. Mithilfe günstig eingekaufter Emissionsrechte etikettieren sie schmutzigen, weil mit viel CO2-Ausstoß produzierten Strom in Ökostrom um - ohne dass auch nur eine einzige Kilowattstunde mehr Ökostrom produziert wird.

Emissionshandel und Ökostrom sollen, so die Botschaft der Regierenden, das Weltklima retten. Doch eiskalt nutzen Konzerne, Finanzjongleure, vermeintliche Weltverbesserer und Kriminelle die Schwächen des staatlich verordneten Klimaschutzsystems aus.

Mehr Markt wagen: Konzipiert waren die CO2-Zertifikate als marktwirtschaftliches Zaubermittel des EU-Klimaschutzes: Statt Industrie und Energiekonzerne mit einer CO2-Steuer zu knebeln, sollte der Markt regeln, wie sich vorgegebene Klimaziele am effizientesten erreichen lassen. Wer mit schmutzigen Technologien relativ stark die Erderwärmung treibendes CO2 emittieren will, muss Emissionsrechte kaufen.

Alle, die sauberer produzieren, können dagegen benötigte Emissionsrechte verkaufen - und im Idealfall die Erlöse weiter in CO2-sparende Technologien investieren.

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  • Für den kommentierenden beistand vielen Dank. Die thematische Vielfältigkeit, das Ansprechen unterschiedlicher politischer Ebenen und Absichten bezüglich des Emisstionshandels und seine internationalität sind besser nicht zu umschreiben.
    Natürlich sind die letzten 2 Zeilen meines Kommentars eine polemische Überspitzung und nicht für bare Münze zu nehmen.
    im Vergleich heutiger berichte im Handelsblatt kann man nur erstaunt die Gigantomanie deutscher Energieversorger zur Kenntnis nehmen.
    Es drängt sich mir, bitte schon zuvor um Entschuldigung, ein Vergleich mit deutschen Krankenkassen auf.
    Desgleichen die Selbstverständlichkeit, mit der man sich über Recht und Gesetz lobbyllig hinwegsetzt.
    Ein Vergleich: investitionsvolumina deutscher Stadtwerke ca. 10 Mrd. € (Geplant: weitere ca. 10 Mrd. €). Allein der im Artikel genannte Spekulationsgewinn von 5 Mrd. € steht in keinerlei Verhältnis zur Ausweisung und Förderung konkurrierenden Verhaltens anderer beteiligter Energieversorger.
    Es ist für mich keine Frage, dass es zu einer Verkehrung der Absichten einer eingeführten brennelementesteuer kommen wird.
    Auf europäischer Ebene ist, auch für Deutschland, der Herr G. Oettinger der falsche Mann am falschen Platz. Es ist für uns alle vielleicht das beste, wenn er zu Vertragsgestaltungen in Urlaub befindet.

  • Es ist zu begruessen, dass endlich das Thema angepackt wurde, deshalb meine Hochachtung.

    Jetzt muss nur noch Licht in die anderen dunklen Seiten gebracht werden um die Massen aufzuklaeren.
    Wie z.b. in Australien und schon wechselt die Politikerelite! in Europa wird es auch bald Licht werden!

    Oeko-Freund scheint ein Politiker zu sein da er keine begruendungen gibt und polemisiert!

    Herr Ermecke benennt wenigsten die physikalischen Grundlagen (Waermestrahlung/ boltzmann Konstante/ Planck) - ihr Einsatz ist sehr zu begruessen!
    Sie erinnern mich an Richard Dawkins und seine Aufklaerungsarbeit bezueglich der Religionen!
    Meine Stimme haben Sie.

  • Es ist schön, daß das Handelsblatt einmal herausstellt, um was es bei der ganzen CO2-Geschichte geht: Es geht um Abzocke der industrie zum Schaden der Menschen, und um Geschäftemacherei! Während der bevölkerung vorgespiegelt wird, es gelte die Welt zu retten, und die Gehirnwäsche mittlerweile bis in die Grundschulen hineingetragen wird, ist ein gigantisches bereicherungssystem aufgebaut worden. Wieviel von dem bewegten Geld wird in die Taschen der Politiker "recycled", die es propagieren? Und war nicht Pachauri, der Chef des "Weltklimarats" iPCC, im Privatleben Milliardär und betreiber und Nutznießer zahlreicher CDM-Projekte?

    Leider leidet der ansonsten hervorragende Artikel unter einem Grundproblem: Redakteur Martin Gerth GLAUbT an die "Klimagefahr" an sich und attestiert bestimmten Substanzen eine Treibhauswirkung. Aber die Treibhauslehre ist ein Märchen: zahlreiche Physiker und Meteorologen haben sie längst und nach gleich mehreren verschiedenen Ansätzen widerlegt! in unserem Grundsatzreport "Rettung vor den Klimarettern" haben wir die wichtigsten weil am leichtesten verständlichen Argumente zusammengestellt. Aber seltsamerweise haben die Medien in Deutschland (ganz anders als die in den USA)sich in einem eigenartigen Schweigekartell zusammengefunden: Die bevölkerung erfährt aus ihnen NiCHT, daß unter den NiCHTSTAATSbEZAHLTEN einschlägig spezialisierten Wissenschaftlern der Klimakult als die größte irrlehre seit dem Hexenwahn gilt. Die einfachste Widerlegung stammt von dem deutschen Diplomingenieur Heinz Thieme, der aufzeigt, daß eine wärmer werdende Erde auch mehr Energie ins Weltall abstrahlen muß als eine nicht erwärmte. Eine Erwärmung um die politisch beliebten "Zwei Grad" würde die Abstrahlung ins All im grober Abschätzung um 3 Prozent ansteigen lassen. Um die zu kompensieren, müßte die Erde ständig 3 Prozent mehr Heizleistung erhalten. Wo sollen die herkommen? Weder CO2, noch andere "Treibhausgase" können sie auf die Erde schaffen oder gar aus sich selbst erzeugen - sie müßten von der Sonne kommen! Und damit ist die CO2-Treibhauslehre bereits geplatzt. Wir werden den Tag feiern, an dem auch das Handelsblatt das zur Kenntnis nimmt. Thieme, der Superstar unter den iPCC-Kritikern, wohnt übrigens 20 Autominuten von der Handelsblatt-Redaktion entfernt. Man könnte mit ihm mal ein Gespräch führen!

    Klaus Ermecke
    KE Research
    Oberhaching

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