Exotische Anlageziele
Auf Weltreise

Seien es Ägypten, Nigeria, Bangladesch, Indonesien oder Pakistan: Im Wochentakt lancieren Banken neue Zertifikate auf exotische Anlageregionen. Doch Vorsicht ist geboten, denn die heißen Papiere haben so ihre Tücken.

Kasachstan kennt seit dem Sommer 2006 jedes Kind – dank des britischen Komikers Sacha Baron Cohen, der in der Trash-Comedy „Borat“ als gleichnamiger kasachischer Reporter die USA unsicher macht. Weniger bekannt ist, dass Kasachstan zu den zehn größten Flächenstaaten der Welt gehört, über beträchtliche Erdöl- und andere Rohstoffvorkommen verfügt und die kasachische Wirtschaft seit Jahren mit gewaltigen Raten wächst.

Neues Tool: Zertifikate suchen und vergleichen

Das könnte sich bald ändern, denn die internationalen Banken haben Kasachstan als Anlageziel entdeckt. Anfang Februar dieses Jahres hat die Deutsche Bank das erste Zertifikat auf fünf kasachische Unternehmen auf den Markt gebracht, eine Woche später folgte die niederländische Bank ABN Amro. Sie emittierte ein Papier auf den kasachischen Index namens „Kasachstan Total Return Index“. Der umfasst zurzeit immerhin acht Werte. Mit Kasachstan haben die Banken einen weiteren weißen Fleck auf der Zertifikateweltkarte ausgefüllt. Immer schneller erschließen die Emittenten neue Länder und Regionen für die Anleger. In den vergangenen Monaten feierten zahlreiche Staaten ihr Debüt am Derivatemarkt, darunter europäische Hoffnungsträger wie Slowenien, Kroatien, Rumänien und Bulgarien oder die baltischen Staaten. Aber auch asiatische Nachwuchs-Tiger wie Kasachstan, die Philippinen und Vietnam kommen in Mode. „Einige der aufstrebenden Staaten haben monatliche Wachstumsraten, die manche Industriestaaten im gesamten Jahr aufweisen. Langfristig kommt ein Anleger an diesen Märkten nicht vorbei“, glaubt Uwe Becker, Leiter des Zertifikategeschäfts bei Barclays Capital.

Ähnlich sehen das die Experten der Investmentbank Goldman Sachs. Nachdem sie bereits die BRIC-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien und China als die Investmentziele des 21. Jahrhunderts bezeichnet haben, kreierten sie nun die Gruppe der Next Eleven (N 11) mit Ägypten, Nigeria, Bangladesch, Indonesien, Pakistan, Südkorea, Vietnam, Iran, Mexiko, der Türkei sowie den Philippinen.

Bei den Anlegern rennen die Emittenten mit den Exotenpapieren offene Türen ein: „Alles, was außerhalb der normalen Investmentideen liegt, kommt zurzeit sehr gut an“, sagt Dirk Heß, Zertifikate-Experte bei Goldman Sachs. Angelockt werden die Investoren von hohen Wachstumsraten und gewaltigen Kurssteigerungen in den vergangenen Jahren. Beispiel Kasachstan: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist seit 1999 im Schnitt jährlich um mehr als neun Prozent gewachsen. Und der Leitindex der kasachischen Börse hat allein seit November vergangenen Jahres rund drei Viertel an Wert gewonnen.

Noch etwas stärker, nämlich um gut 100 Prozent, ist im gleichen Zeitraum der VN-Index der Börse Vietnam gestiegen. Seit seiner Einführung im Jahr 2002 hat sich das Aktienbarometer des sozialistischen Staates gar verzehnfacht, weil immer mehr Investoren Zugang zu vietnamesischen Aktien haben. In Deutschland sind bereits vier Vietnam-Zertifikate auf dem Markt. Allein die DWS hat mit ihrem DWS Vietnam TR Index-Zertifikat rund 90 Millionen Euro eingesammelt. „Es fließt mittlerweile so viel Geld nach Vietnam, dass Anteile dieser Rally allein schon durch die hohe Liquidität getrieben sein könnte“, sagt Heß.

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