Expresszertifikate
Mit offener Flanke

Keine Zertifikate-Art legt in diesem Jahr so schnell zu. In den ersten sechs Monaten 2007 wuchs das dort angelegte Geld um 59 Prozent auf rund 20 Milliarden Euro, und das Ende des Siegeszugs ist nicht absehbar. Im Juni, als der Zertifikate-Markt schon auf der Stelle trat, lagen Expresszertifikate an der Spitze.

Anleger schätzen sie, weil sie in einem überschaubaren Zeitraum mit einer überdurchschnittlichen Rendite locken, ohne dass es dafür halsbrecherischer Wetten bedarf. Sie sprechen Käufer von Unternehmensanleihen oder Aktien genauso an wie diejenigen, die ihr Geld für einen begrenzten Zeitraum auf Zinsanlagen parken.

Doch Vorsicht: Gerade hier könnte es im Falle weiterer Börsenturbulenzen Überraschungen geben, obwohl der Kursverlauf auf den ersten Blick ganz harmlos aussieht. Zum Beispiel ein Papier auf den Stoxx 50, das im Januar 2007 auf den Markt kam. Der Preis von 100 Euro entsprach einem Indexstand von 4 140 Zählern (Startniveau). Expresszertifikate werfen in einem festen Zeitraum eine bestimmte Rendite ab, wenn sich der entsprechende Basisindex hält.

In diesem Fall heißt das: Wenn der Euro Stoxx am ersten Beobachtungstag, dem 17. Dezember 2007, mindestens bei 3 933 Punkten steht, gibt es automatisch 106 Euro für 100 Euro Einsatz zurück. Für Erstkäufer wären das sechs Prozent in elf Monaten, Gebühren nicht eingerechnet. Eine akzeptable Rendite, die ein gutes Stück über der Verzinsung von sicheren Anleihen liegt. Allerdings: So sicher wie normale Zinspapiere sind Expresszertifikate nicht. Das zeigt auch das Test-Exemplar.

Wenn der Index bis kommenden Dezember das angepeilte Ziel nicht erreicht, beginnt eine neue Runde. Nächster Beobachtungstermin ist dann der 18. August 2008. Hier genügt es, wenn der Index bei 3 726 steht. Ist das der Fall, gibt es automatisch 112 Euro zurück. Dieser Mechanismus zeigt, warum das Geschäft mit Expresszertifikaten in den vergangenen drei Jahren so brummte. Es reicht, dass sich die Börsen einigermaßen halten, und es winken Jahresrenditen von sechs bis acht Prozent. Gemäß bisheriger Steuergesetzgebung gibt es die nach zwölfmonatiger Haltefrist auch noch steuerfrei. Was aber, wenn die Börsen einmal nicht mehr mitspielen?

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