Finanzmarktsteuer
Höhere Kosten, weniger Auswahl

Eine Studie zeigt, dass eine Transaktionssteuer viele Produkte deutlich verteuern würde. Anbieter würden ihr Angebot reduzieren oder gar ganz einstellen.
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FrankfurtEine Finanztransaktionssteuer würde viele Finanzprodukte für Privatanleger einer Studie zufolge unattraktiv machen. „Für private Anleger wird sich das vielfältige Angebot an Produkten, die eine Optionskomponente enthalten, deutlich verteuern“, heißt es in einer Studie des Finanzprofessors Christian Koziol von der Universität Tübingen, die er im Auftrag des Deutschen Derivate Verbandes durchgeführt hat. „Es ist davon auszugehen, dass viele Wertpapier-Emittenten ihr Angebot an Privatanleger verteuern, teilweise einschränken oder sogar einstellen. Dadurch würden sich die Möglichkeiten privater Anleger verschlechtern.“

Betroffen seien Anlagezertifikate, Hebelprodukte, börsennotierte Indexfonds (ETFs) und weitere Finanzprodukte mit Optionskomponenten wie Kapitallebensversicherungen und Bausparverträge.

Politiker in der EU diskutieren seit Monaten über die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Nach den Vorstellungen der Europäischen Kommission soll die Steuer auf alle zwischen Finanzinstituten abgewickelten Transaktionen mit Finanzinstrumenten anfallen, wenn mindestens ein Beteiligter in der EU ansässig ist. Betroffen wären neben Banken und Versicherungen auch Fonds oder Hedge-Fonds, Finanzverleiher oder Zweckgesellschaften. Die Steuer müsste von beiden Transaktionsparteien bezahlt werden. Ein einfaches Ausweichen auf andere Börsenplätze außerhalb der EU wäre damit kaum möglich.

Für Aktien ist ein Steuersatz von 0,1 Prozent vorgesehen, für Derivatekontrakte sind 0,01 Prozent im Gespräch. Laut Finanzprofessor Koziol wäre die Belastung in vielen Fällen jedoch deutlich höher: „Die Finanztransaktionssteuer führt bei typischen Optionen leicht zu einer Gesamtbelastung von über 15 Prozent des Werts und noch erheblich mehr bei anderen Optionen wie Knock-Out-Instrumenten“. Dies liege daran, dass die Anbieter von Optionen ihre Risiken absichern müssten, was mit regelmäßigen Portfolioanpassungen und daher hohen Börsenumsätzen verbunden sei.

Die höheren Risiken auf Seite der Optionsanbieter könnten dazu führen, dass diese entweder ihr Angebot verringerten oder die Preise erhöhten. Dieser Effekt würde schließlich auf Anbieter von Finanzprodukten wie Zertifikaten, Hebelprodukten und ETFs durchschlagen, die Optionskontrakte häufig als wesentliche Bestandteile nutzten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzmarktsteuer: Höhere Kosten, weniger Auswahl"

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  • Sollten die vorgenannten Produkte verschwinden, würde ich das nur begrüßen. das sind reine Spekulationsprodukte und haben mit einer seriösen und langfristigen, auf Werterhalt ausgerichteten Kapitalanlage so rein gar nichts zu tun. Der Artikel zeigt deutlich, dass die Finanztranksaktionssteuer kommen muss um die Überteeibungen auf den Finanzmärkten einzugrenzen. Vielen Dank, dass sie das in dem Artikel so deutlich gemacht haben.
    N. Kuntz

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